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Steffen Klatt spendet Stammzellen : Der Lebensretter

vom
Aus der Onlineredaktion

Steffen Klatt spendet heute Stammzellen. Schon am Sonnabend will er beim Schweriner Fußball-Hallenmasters um neue Spender werben

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2017 | 11:30 Uhr

Heute ist es so weit: Steffen Klatt macht sich daran, ein Leben zu retten. In der Berliner Charité spendet der 32-Jährige aus Sukow bei Schwerin Stammzellen für einen Unbekannten. Vier bis fünf Stunden lang wird sein Blut, ähnlich wie bei einer Dialyse, durch eine Maschine geleitet. Sie filtert jene Zellen heraus, die Menschen, die an Leukämie oder anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen des blutbildenden Systems leiden, nicht mehr in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Das Ganze wäre noch nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches – wenn nicht Steffen Klatt zugleich auch der Organisator des Schweriner Hallenfußballturniers zu Gunsten der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, wäre. Erst ein halbes Jahr vor dem ersten Turnier im Januar 2015 war er selbst zum ersten Mal mit dem Thema Knochemark- und Stammzellspende konfrontiert worden. „Als Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit bei der Zahnärztekammer sollte ich eine gemeinsame Kampagne mit der DKMS betreuen“, erinnert sich Steffen Klatt. Etwa zeitgleich war er nach Sukow gezogen und Mitglied im örtlichen Fußballverein geworden. Dort wurden zu dieser Zeit neue Trikots bestellt und auch die Frage nach einem Sponsor diskutiert. „Weil ich mich gerade beruflich damit beschäftigt habe, habe ich vorgeschlagen, etwas Karitatives zu machen und z. B. für die DKMS zu werben. Und das kam an, obwohl die meisten aus dem Verein sich bis dahin mit dem Thema überhaupt noch nicht beschäftigt hatten.“ Um zu unterstreichen, dass es ihnen mit dem Trikot-aufdruck ernst war, ließen sich alle Spieler typisieren. Auch Steffen Klatts Daten sind seitdem in der Spenderdatei vermerkt. „Aber abgesehen davon, dass ich wegen der Turnierorganisation natürlich öfter mit der DKMS zu tun hatte, habe ich danach kaum noch daran gedacht“, gesteht der verheiratete Vater eines Sohnes.

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Viele Betroffene sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Doch findet immer noch jeder siebte Blutkrebspatient in Deutschland keinen passenden Spender. Denn für eine Stammzellspende müssen die Gewebemerkmale des Spenders mit denen des Patienten zu 100 Prozent übereinstimmen.

Steffen Klatt weiß seit Anfang Oktober, dass er möglicherweise solch einen genetischen Zwilling hat. Erst per Mail und dann telefonisch nahm die DKMS zu ihm Kontakt auf, teilte ihm mit, dass er jetzt eventuell als Spender gebraucht würde. Ob er tatsächlich in Frage kommt, müsse aber anhand von weiteren Untersuchungen geklärt werden, deshalb würde ihm per Post ein Blutentnahmeset zugeschickt. „Damit bin ich zu meinem Hausarzt gegangen, der mir zehn Röhrchen Blut abgenommen hat“, erzählt der Sukower. Während in einem Labor die Blutuntersuchungen liefen, hielten Mitarbeiter der DKMS telefonisch Kontakt zu ihm, klärten ihn auch schon über mögliche Verfahren der Stammzellspende auf und beantworteten seine Fragen dazu.

„Anfang Dezember stand dann fest: Es passt.“ Steffen Klatt fuhr daraufhin zu weiteren Voruntersuchungen nach Berlin. „Es wurde noch einmal ein Blutbild gemacht, ein EKG und Ultraschalluntersuchungen. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dass meine Milz gesund ist“, erzählt er. „Denn in den letzten fünf Tagen vor der Stammzellspende muss man sich ein Medikament spritzen, dass die Stammzellbildung anregt – und dadurch vergrößert sich die Milz.“

Am 21. Dezember sollte es dann so weit sein. Doch kurz vorher wurde der Termin abgesagt. Der Empfänger sei noch nicht ausreichend vorbereitet gewesen, erzählte „sein“ Arzt bei der DKMS Steffen Klatt. Als neuer Termin für die Stammzellspende wurde der 17. Januar festgelegt.

Erst im Laufe des Tages wird sich heute entscheiden, ob schon bei der ersten Entnahme genug Stammzellen zusammenkommen. „Wenn nicht, muss ich am Tag drauf noch mal an die Maschine.“ Doch auch das kann den Sukower nicht schrecken: „Leichter ein Leben zu retten als in der Art und Weise, wie ich es gerade mache, geht nicht.“

An sich selbst, so erzählt er, habe er in der gesamten Vorbereitungsphase eigentlich nie gedacht. Natürlich hätte es auch sein können, dass man sich bei ihm statt für die periphere Stammzellentnahme dafür entschieden hätte, unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenkamm zu entnehmen. „In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen zwar aus der Blutbahn entnommen – aber wenn es bei mir anders gekommen wäre, dann wäre es eben anders gekommen.“

Daran, einen Rückzieher zu machen, hätte er keinen Moment gedacht, versichert Steffen Klatt. Aber er würde schon daran denken, wer wohl der Mensch ist, dem seine Stammzellen das Leben retten, und was sie oder er momentan gerade durchmacht. Nach zwei Jahren, so hofft Steffen Klatt, werden sie sich vielleicht persönlich kennenlernen. „Ich würde mir das wirklich wünschen. Schließlich sind wir dann ja so was wie blutsverwandt.“

Im Familien- und Freundeskreis habe er fast nur positive Reaktionen erlebt. Lediglich ein, zwei Skeptiker hätte es gegeben, die meinten, dass man durch eine Stammzellspende doch der Natur „ins Handwerk pfuschen“ würde. „Dazu hab ich aber überhaupt nichts gesagt“, winkt Steffen Klatt ab.

Letzte Woche allerdings bekam er kurzzeitig einen Schreck, als er bemerkte, dass eine Erkältung im Anzug war. Damit hätte er nicht spenden dürfen. „Aber nach einem heißen Bad und zwei Wodka hab ich das alles wieder ausgeschwitzt“, erzählt er. Sein betreuender Arzt bei der DKMS hätte Bescheid gewusst. Alkohol hätte er erst in den letzten fünf Tagen vor der Spende nicht mehr trinken dürfen. Und auch Sport war tabu, denn die durch die Medikamente vergrößerte Milz hätte reißen können.

Doch zum Sporttreiben war sowieso keine Zeit. Denn wie in den letzten drei Jahren hatte Steffen Klatt alle Hände voll mit der Organisation des Hallenfußballturniers zu tun.

Am Sonnabend um 9 Uhr, wenn die ersten Spiele angepfiffen werden, will er wieder mit dem Mikrofon hinter der Bande sitzen. Seine Stammzellen haben dann irgendwo auf der Welt einem anderen Menschen – hoffentlich – das Leben gerettet.

Spender  werden

Registrierung: Mit  Wattestäbchen   wird  ein Abstrich von  der  Wangenschleimhaut genommen und dieser samt ausgefüllter Einverständniserklärung an das  DKMS- Labor geschickt. Die Untersuchungsergebnisse des Wangenab-strichs  werden in der Datei  gespeichert und anonym für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung gestellt.

Eignung: Grundsätzlich kann jeder im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Stammzellspender registriert werden. Ausschlusskriterien sind Unter- sowie starkes Übergewicht  (BMI über 40) sowie bestimmte schwere Erkrankungen, unter anderem Krebs, systemische Autoimmunerkrankungen, Suchterkrankungen, schwere neurologische oder psychische Leiden. Chronisch Kranke und Menschen, die regelmäßig Medikamente nehmen, sollten Rücksprache mit der DKMS halten.

Auswahl: Nach Erfahrung der  DKMS  kommt es bei höchstens fünf von hundert potenziellen Stammzellspendern innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einer Stammzellspende. Für junge Spender beträgt die Wahrscheinlichkeit etwa ein Prozent innerhalb des ersten Jahres nach der Typisierung.

Wer  ausgewählt  wird,  bekommt  einen ausführlichen Gesundheitsfragebogen, damit mögliche aktuelle Ausschlusskriterien für eine Spende frühzeitig  erkannt werden können. Anschließend erfolgt eine Bestätigungstypisierung, bei der die Gewebemerkmale anhand einer weiteren Blutprobe nochmals analysiert werden.  Außerdem  wird  das  Blut auf bestimmte Infektionserreger, wie z.B. HIV oder Hepatitisviren, geprüft.  (Quelle:  www.dkms.de)

 

 

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