Der lange Weg bis zum Start

<strong>Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider</strong>, Bildungsminister Henry Tesch und Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow unterzeichneten 2010 eine Vereinbarung zur Welterbebewerbung.
Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider, Bildungsminister Henry Tesch und Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow unterzeichneten 2010 eine Vereinbarung zur Welterbebewerbung.

svz.de von
08. Juni 2012, 09:30 Uhr

Schwerin | Das Schweriner Schlossensemble und das Doberaner Münster sollen auf die Welterbeliste der Unesco. Am 1. August wird die Landesregierung die Bewerbung bei der Deutschen Kultusministerkonferenz (KMK) abgeben. Das ist der Endpunkt eines langen Weges und doch erst der Beginn einer erwartungsvollen Zeit. Denn wenn überhaupt - eine Bestätigung als Weltkulturerbe wird nicht vor 2017 erfolgen.

Bereits im Jahr 2000 hatte der Verein Pro Schwerin die Idee in die Öffentlichkeit gebracht, sich um den Welterbestatus für das Schloss zu bewerben. Die Diskussion drehte sich zunächst darum, was denn überhaupt auf die Liste sollte: Nur das Schloss, oder auch die umliegenden repräsentativen Gebäude. Andere meinten, es müsste die gesamte Kulturlandschaft zwischen dem Stadtteil Zippendorf und dem Schloss Wiligrad am Schweriner Außensee sein. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Professor Gottfried Kiesow, regte sogar an, die Region zwischen den beiden Residenzstädten Schwerin und Neustrelitz zu betrachten. Ein Vorschlag, der wegen des hohen Aufwandes für die Antragserarbeitung aber schnell verworfen wurde. Verfolgt wurde letztendlich der Vorschlag, den Antrag für das Schlossensemble, umliegende Gärten und einige ausgewählte weitere Gebäude in den Antrag einzubringen.

In diese Diskussion platzte Bad Doberan hinein. Die Stadt, die Münsterverwaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde und der Verein der Freunde und Förderer des Klosters Doberan meldeten 2005, dass sie das Münster wegen seiner hochgotischen Ausstattung auf die Welterbeliste bringen wollten. Immerhin stand der Bau schon 1984 auf der DDR-Vorschlagsliste, die dann aber zurück gezogen wurde. Und in Schwerin entstand der Eindruck, dass das Bildungsministerium das Münster dem Schloss vorziehen würde. Denn die Doberaner waren clever und bemühten sich, zusammen mit einem Kloster in Dänemark und einem in Polen auf die Antragsliste zu kommen. Der Hintersinn dabei: Eine gemeinsame Bewerbung könnte die Chancen erhöhen. Das machte den Schwerinern Kopfschmerzen - für kurze Zeit. Denn im September 2010 unterschrieben Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider, der damalige Bildungsminister Henry Tesch und Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow einen Kooperationsvertrag, der die Schweriner Bewerbung beförderte.

Obwohl die Zusammenarbeit der Doberaner mit den Dänen und den Polen letztendlich nicht klappte, beschloss der Landtag im Mai 2012, auch einen Antrag für das Münster zu stellen.

Dabei gab es noch einen weiteren Vorschlag. Die ehemalige Heeresversuchsanstalt Peenemünde sollte zusammen mit dem Kennedy Space Center in Cape Canaveral und dem Kosmodrom im kasachischen Baikonur auf die Unesco-Welterbeliste. Dieser Vorschlag traf allerdings auf allgemeine Ablehnung.

So wird das Land nun der Kultusministerkonferenz vorschlagen, das Schweriner Residenzensemble als Kulturlandschaft des romantischen Historismus und das Doberaner Münster mit seiner hochgotischen Innenausstattung auf die sogenannte Tentativliste, also die deutsche Vorschlagsliste, zu setzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen