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Müllentsorgung : Der längste Müllplatz des Landes

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trucker-Toilette, Hirschkopf, Anbauwand: An den Autobahnen in MV bleibt so mancher Unrat liegen – jährlich mehr als 900 Tonnen.

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erstellt am 21.Okt.2014 | 20:00 Uhr

Die Autobahnen in Mecklenburg-Vorpommern sind die wichtigsten Verkehrsadern des Landes, sie entwickeln sich aber auch zum Abladeplatz der Wohlstandsgesellschaft. Hausmüll, Möbel, Lebensmittel und tote Tiere: Es gibt nichts, was nicht schon links und rechts der Leitplanken gelandet ist. „Überschläglich fallen jährlich rund 916 Tonnen Müll an“, sagt Karen Reinschmidt-Schilling, Sprecherin des Verkehrsministeriums. Dem Land koste die Entsorgung jährlich mehr als 700 000 Euro.

Die Hinterlassenschaften der alltäglichen Blechkarawanen zu beseitigen, ist Aufgabe der Autobahnmeistereien. Sieben davon gibt es im Land. Sie betreuen insgesamt mehr als 550 Kilometer an den Autobahnen 14, 19, 20 und 24. Hinzu kommen fünf Tank- und Rastanlagen sowie 24 Parkplätze.

Zu den fleißigen Müllsammlern gehört Roswitha Maier. Die 59-Jährige ist seit 1995 als Straßenwärterin im Auftrag der Autobahnmeisterei Hagenow unterwegs. Zu ihrem täglichen Einzugsbereich gehören rund 70 Kilometer der A 24 inklusive Parkplätze wie die neugestaltete Rastanlage „Wittenburger Land“. Der zusammengetragene Unrat, der täglich auf der Strecke anfällt, füllt knapp 20 Müllsäcke. Im Sommer, wenn viele Urlauber durch MV reisen, seien es auch mal 50.

Doch nicht alles passt in einen Müllbeutel. „Wir haben auch schon Anbauwände, Sofas und Kühlschränke gefunden“, erzählt Maier. Typisch seien hingegen Reifen, Schuhe und gewöhnlicher Hausmüll. Auch Bauschutt sei immer wieder dabei. „Wir merken, wenn wieder Renovierungszeit ist“, so die 59-Jährige.

Die Gründe für die illegale Müllentsorgung liegen ihrer Meinung nach auf der Hand: „Es ist für die Leute bequemer, ihren Müll hier abzuladen, anstatt dafür zum Recyclinghof zu fahren. Dort müssten sie für ihren Müll bezahlen.“

Besonders ärgerlich findet Maier die so genannte „Trucker-Toilette“. Dabei handelt es sich um Fäkalien-Beutel und mit Urin gefüllte Kunststoffflaschen, die Lkw-Fahrer während der Fahrt aus dem Fenster werfen. „Das kann ich nicht nachvollziehen. Man kann doch mal ein paar Minuten den Lkw anhalten. Dafür gibt es doch Rastplätze“, sagt sie.

Von Ekel erregenden und skurrilen Funden kann auch ihr Kollege Wolfgang Felhandt berichten. Seit 1982 sorgt er für Sauberkeit entlang der Autobahnen in MV. So staunte der 59-Jährige nicht schlecht, als er eines Tages die Haut eines Wildschweins im Abfall eines Parkplatzes ausmachte. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Fahrer das Tier angefahren und irgendwo ausgeschlachtet hat“, äußert Felhandt seine Vermutungen. Ein anderes Mal entdeckte er einen Hirschkopf – frisch abgetrennt. „Da zuckt man schon mal zusammen, wenn einem beim Öffnen des Containers so ein Tier entgegenblickt.“

Immer wieder finden sich auch Unmengen an Lebensmitteln in den Müllbehältern der Rastanlagen. „Einige Gemüsehändler entsorgen ihre Reste, die sie auf dem Markt nicht losgeworden sind. Da sind teilweise noch richtig gute Sachen dabei. Auch Gefrierfleisch haben wir schon gefunden“, erzählt Felhandt. Ab und zu seien unter dem Unrat auch mal Blumen von holländischen Händlern dabei.

Aber nicht nur absichtlich landet allerlei Seltsames am Straßenrand. Auch Strandgut, das eher zufällig bei der Fahrt verloren gegangen ist oder am Rastplatz vergessen wurde, findet sich entlang der mehrspurigen Trassen wieder. So auch Nummernschilder und Portemonnaies. „Es ist schon vorgekommen, dass wir Geldbörsen gefunden haben. Das passiert aber selten“, sagt Maier. „Die geben wir dann bei der zuständigen Autobahnpolizei ab.“

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