Sommertour : Der kurze Weg ins Paradies

Unser Geheimtipp: Zu Fuß oder mit dem Fahrrad an den Strand nach Rosenort

svz.de von
26. Juli 2014, 16:00 Uhr

Diesen Ort hat niemand als Adresse. Denn Rosenort ist nur ein Stück am Ostseestrand, ein Stück der Rostocker Heide, ein Stück vom Paradies. Der Weg hierher ist weit, immer geradeaus und dann rechts. Er ist manchmal sandig, manchmal grasbewachsen und immer umgeben von Birken und Fichten und hüfthohem Farn. Zu hören gibt es nicht viel, außer Vogelstimmen und Blätterrauschen.

Wer aus dem Alltag hierher kommt, findet den Eingang in den Ausstieg gegenüber vom Waldparkplatz an der Bäderstraße zwischen Nienhagen und Graal-Müritz – gut zu erreichen mit dem Auto, aber auch per Fahrrad. Von hier aus geht es auf der sogenannten Scheidenschneise einige Kilometer in den Wald hinein. Es ist ein Weg, auf dem sich Fremde grüßen – in dem seltenen Fall, dass sie sich begegnen.

Die Rostocker Heide ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Norddeutschlands. Etwa 60 Kilometer Wege führen hindurch, schneiden sich vielfach, biegen ab, führen im Karree – eine Karte empfiehlt sich also oder ein Blick auf die Übersichtskarten, die an vielen der Kreuzungen stehen. An manchen finden sich auch hölzerne Schutzhütten. In diesem Jahr sind die Wege an vielen Stellen mit Stapeln von Baumstämmen gesäumt – das sind die inzwischen sortierten Hinterlassenschaften von Orkan Xaver aus dem vergangenen Dezember.

Unterdessen mag manch einer die Hoffnung auf das Meer schon langsam aufgegeben haben, erreicht aber dann plötzlich die Kreuzung mit der Rosenort-Schneise. Das kleine Paradies rückt in greifbare Nähe. Nach insgesamt einer knappen halben Stunde mit dem Fahrrad mischt sich ein anderes Geräusch in die Töne des Waldes: Wellenrauschen. Auf den allerletzten Metern wird der Weg Rad-untauglich. Weicher, tiefer Strandsand verlockt dazu, Schuhe und Strümpfe auszuziehen. Nur noch wenige Meter durch die Düne, dann erstrahlt die Welt hellblau über dunkelblau: angekommen in Rosenort.

Hier gibt es nichts außer Sand und Wasser und Himmel. Keine Strandkörbe, keine Imbiss-Stände und – keine Badesachen. Die wenigen Menschen, die den langen Weg hierher auf sich genommen haben, lassen sich die Sonne pur auf die Haut scheinen. Das ist die Schönwetter-Variante mit Handtuch und Sonnencreme. Je nach Petrus´ Tagesform können aber auch Windjacke und feste Schuhe angebracht sein.

Abgelegen und still ist dieses Fleckchen Erde in jedem Fall. Ganz klein am Horizont liegt Rostock, zu sehen sind die Kräne des Hafens und die Hotels in Warnemünde. Rechts wäre Graal-Müritz, aber davon ist überhaupt nichts zu entdecken, denn es liegt hinter dem sanften Bogen der Küstenlinie. Schiffe gleiten lautlos in der Ferne übers Wasser. Hier ist man wirklich „aus der Welt“.

Der Rückweg dann ist genau so lang wie der Hinweg – zumindest für diejenigen, die das Auto auf dem Parkplatz an der Bäderstraße gelassen haben. Radler haben die Wahl zwischen dem Waldweg nach Graal-Müritz oder dem nach Markgrafenheide.


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