Der künftige Arbeitsplatz unter der Lupe

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24. Mai 2013, 10:14 Uhr

Parchim | "Wo sind denn die ganzen Patienten? Bei uns in der Uniklinik ist auf den Fluren immer viel mehr Betrieb - und viel lauter ist es auch…" Johann Bachmeyer, der Geschäftsführer der Parchimer Asklepios Klinik, sucht noch nach einer Antwort, als ihm eine Studentin zuvorkommt: "Na, Sie sagten doch, dass in allen Patientenzimmern kostenlos Sky empfangen werden kann - sicher sehen alle fern."

Knapp zwei Stunden lang konnten sich gestern sechs Medizinstudentinnen aus Rostock und Greifswald sowie ein Lübecker Medizinstudent nicht nur ein Bild von dem relativ kleinen Krankenhaus in Westmecklenburg machen. Auch das Schweriner Helios Klinikum und das DRK-Krankenhaus in Teterow standen auf ihrem Besuchsprogramm, das die Krankenhausgesellschaft des Landes (KGMV) organisiert hatte.

180 freie Stellen für Krankenhausärzte

"Wir haben einen großen Bedarf an medizinischem Nachwuchs. Derzeit sind 180 freie Arztstellen in den 39 Krankenhäusern des Landes zu besetzen, davon etwa 70 Assistenzstellen für junge Mediziner, die sich nach dem Grundstudium zum Facharzt qualifizieren wollen", beschreibt KGMV-Geschäftsführer Wolfgang Gagzow den Hintergrund für die Werbekampagne, die sich in erster Linie an die angehenden Ärztinnen und Ärzte aus den beiden Universitäten im Land richtet. Schon zum zweiten Mal lädt die Krankenhausgesellschaft sie zur "Med-Ahoi-Tour" ein. An sieben Tagen präsentieren sich insgesamt 21 Krankenhäuser aus Mecklenburg-Vorpommern - drei pro Tour - dem medizinischen Nachwuchs als potenzielle Arbeitgeber. Denn viele Medizinstudierende wüssten gar nicht, dass auch außerhalb ihrer Universitäten Spitzenmedizin praktiziert würde - in Krankenhäusern, die bundesweit zu den modernsten gehören, so Gagzow. "In keinem anderen Bundesland wurde in den letzten 20 Jahren so viel in die Krankenhäuser investiert wie in Mecklenburg-Vorpommern", betont er .

Auch Christian Gernhardt, der in Lübeck im zehnten Semester Medizin studiert, ist überrascht, wie modern die Krankenhäuser hierzulande sind. Er hatte über die Fachschaft von der Med-Ahoi-Tour erfahren. Schon früh am Morgen war er mit dem Zug nach Rostock gefahren, um dort in den Kleinbus zu steigen.

Einmal mehr als den Unibetrieb sehen

"Das ist eine gute Chance, mal in Krankenhäuser verschiedener Träger hineinzuschnuppern - man kennt sonst ja nur den Unibetrieb. Und außerdem kann ich mich unterwegs mal mit Studenten aus anderen Unis austauschen." In Parchim beeindrucken ihn Ordnung und Übersichtlichkeit. Ob er sich vorstellen könnte, hier einmal seine Facharztausbildung zu machen, kann Christian Gernhardt aber noch nicht sagen: Das hänge von der Fachrichtung ab, auf die er sich spezialisieren wolle - und da sei derzeit noch alles offen.

Auch Anne Klinkenberg, die in Greifswald Medizin studiert, ist sich noch nicht da rüber im Klaren, was einmal "ihr Fach" werden soll. Innere, aber auch Allgemeinmedizin würden ihr liegen, sagt die zierliche junge Frau, die aus Rostock stammt. Im praktischen Jahr, das sie in Österreich oder der Schweiz absolvieren will, dürfte die Entscheidung fallen. Und dann - dann kann sie sich auch vorstellen, nach Mecklenburg-Vorpommern zurückzukommen. "Das hängt natürlich von den persönlichen Umständen ab, aber zum Beispiel auch von den Arbeitszeiten."

Geregelter Feierabend und viel Freizeitspaß

Im Parchimer Krankenhaus sind die dem Geschäftsführer zufolge klar geregelt: "Ich weiß, dass man in anderen Häusern schief angeguckt wird, wenn man früher als nach zehn Stunden nach Hause geht", erklärt er den Studenten. "Bei uns gilt die 40-Stunden-Woche - und es wird pünktlich Feierabend gemacht." Entscheidend sei, wie die Stationen ihre Arbeit strukturierten. Da in Parchim Ärzte aller Hierarchien, also auch die Chefärzte, Dienste schieben würden, könne die Arbeit auf viele Schultern verteilt werden - und davon würden letztlich alle profitieren.

Was man denn mit dem pünktlichen Feierabend in einer Stadt wie Parchim anfangen könne, fragt eine Greifswalder Studentin, die aus München stammt. Bachmeyer zählt das Landestheater, diverse Sportvereine, das Freibad und nicht zuletzt die Metropolen Hamburg und Berlin auf, die über die Autobahn beide in wenig mehr als einer Stunde zu erreichen sind. "Und dann haben wir auch noch den Flughafen. Im Herbst soll man von hier aus sogar nach Dubai starten können", sagt er - und muss dann selbst schmunzeln.

Für die Münchnerin kommt Parchim dennoch nicht in Frage. "Mein Partner ist Ingenieur, für ihn gäbe es hier keine Arbeit." Schwerin dagegen wäre schon eher etwas, auch wegen der 24-Stunden-Kita, auf die man am Vormittag beim Besuch in den Schweriner Helios Kliniken hingewiesen hatte.

Asklepios-Geschäftsführer Bachmeyer hat damit kein Problem: "Bei uns ist ohnehin im Moment nur eine einzige Weiterbildungsstelle in der Gynäkologie offen." Doch die Studenten, die gestern auf "Med-Ahoi-Tour" gingen, seien ja zum Teil erst in drei Jahren mit dem Studium fertig. "Dann kann die Situation schon wieder ganz anders sein", meint Bachmeyer und verteilt zum Abschied Prospekte und Visitenkarten. "Melden Sie sich gerne wieder."

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