Hagenow : Der Kaffee ist fertig

<p>Antje Prollingheuer lässt die gerösteten Kaffeebohnen abkühlen.   </p>
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Antje Prollingheuer lässt die gerösteten Kaffeebohnen abkühlen.  

Zum Welttag des Kaffees: Besuch in einer besonderen Rösterei

svz.de von
30. September 2017, 07:25 Uhr

Die Rohkaffeebohnen prasseln gegen die Wand des gasbetriebenen Trommelrösters. Noch sind sie grünlich-blau und riechen nach Heu. 200 Grad Celsius Hitze über 13 Minuten hinweg sorgen für die braune Optik und den wohlbekannten Kaffeegeruch. Antje Prollingheuer führt den Veredlungsprozess in der Rösterei des Lebenshilfewerkes Hagenow durch, zu dem auch das Café Sophie gehört. Die 55-jährige Röstmeisterin weiß: „Erst durch den Röstvorgang werden die bis zu 800 Aromen entfaltet.“

Am 1. Oktober wird der Welttag des Kaffees begangen. Der Aktionstag wurde von der Internationalen Kaffeeorganisation ins Leben gerufen. Vielerorts finden besondere Aktionen rund um das aromatische Getränk statt. 162 Liter Kaffee tranken die Deutschen 2016, Mineralwasser dagegen nur 148 Liter. Wir nahmen das zum Anlass, eine gemeinnützig operierende Rösterei näher anzuschauen.

Während des Röstens der Kaffeebohnen kann man das Aufplatzen hören. Wie beim Popcorn machen. Die Bewegung der Trommel sorgt für eine gleichmäßige Röstung. Aufgrund von Feuchtigkeitsverlust werden aus sechs Kilo Rohkaffeebohnen etwa 5,1 Kilogramm geröstete Kaffeebohnen. Je nach Sorte sind unterschiedlich lange Röstverfahren sinnvoll, klärt Prollingheuer auf. Optimale Einstellungen werden mittels eines Computerprogramms auf einem Laptop gespeichert. Bei industrieller Verarbeitung werden die Kaffeebohnen hingegen mit einer sehr viel höheren Temperatur und kürzeren Dauer geröstet, um Kosten zu sparen.

Das Lebenshilfewerk verarbeitet und verkauft Kaffee. Sieben der zehn Mitarbeiter des Cafés Sophie sind Menschen mit Behinderung. „Sie stehen sehr viel stärker in der Öffentlichkeit als die Kollegen der Werkstatt für behinderte Menschen“ meint Café- und Werkstattleiter Karsten Thiel. Das sei eine Herausforderung, die überwiegend gut bewältigt werde, indem pädagogische Begleitung und Unterstützung zum Einsatz kommen. Schließlich könne sowohl die Laune der Kunden als auch der Mitarbeiter variieren, was auch immer mal wieder in Einzelgesprächen aufgearbeitet werde.

Helle Räume und gepolsterte Stühle laden im Café Sophie zum Verweilen ein. Allein der Innenraum hat 40 Sitzplätze. Die Mitarbeiter sind routiniert. Kafferöstung, Service, Backen und Hauswirtschaft - all das gehört zu ihrer Arbeit.

„Welchen Wunsch haben Sie?“ - tönt es durch den Raum. Die 34-jährige Mitarbeiterin Anika Rohde gibt zügig Bestellungen von Tisch 21 und 22 an ihren Kollegen Patrick Wist weiter. Sie lächelt dabei. Nachdem Wist die heißen Getränke abgefüllt hat, trägt sie das Tablett zu den Gästen und serviert.

2014 wurde das Café im ehemaligem Ratskeller eröffnet. Träger ist neben dem Lebenshilfewerk die Diakonie. Thiel zeigt auf, dass sich die Rösterei und Café zunehmend etabliert haben „Im ersten Jahr verarbeiteten wir zwei Tonnen Kaffeebohnen. In den letzten Jahren waren es bereits zwölf Tonnen. Dieses Jahr werden es wohl sogar 14 Tonnen sein.“ Abnehmer findet die Rösterei nicht nur im Café Sophie und im eigenen Shop auf der Internetseite, sondern auch bei einer Bäckereikette und anderen Unternehmen in Norddeutschland.

Die Kaffeebohnen haben einen langen Weg hinter sich, bis sie hier als flüssiger Wachmacher konsumiert werden können. Die Anbaugebiete der Kaffeekirschen liegen aufgrund der notwendigen klimatischen Bedingungen allesamt rund um den Äquator verstreut. Die beiden verbreitetsten Sorten sind Coffea Arabica und Coffea Canephora, auch Arabica und Robusta genannt. Das Café Sophie verkauft Kaffee aus acht Herkunftsländern. Darunter sind etliche Fair-Trade zertifiziert. Beim „Länderkaffee Honduras Bio“ bestehen sogar direkte Kontakte zu der anbauenden Frauenkooperative Aprolma, erzählt Prollingheuer. In allen anderen Fällen wird bei großen Importeuren eingekauft, aber kleine Chargen bezogen. „Mithilfe der kleinen Chargen ist es uns beispielsweise möglich, auch wild wachsenden Kaffee aus Äthiopien zu verkaufen“, veranschaulicht Thiel den Mehrwert des eigenen Konzeptes. Angeliefert wird der Kaffee stets in Säcken von 60 bis 70 Kilogramm. Nach der eingangs beschriebenen Erhitzung beim Röstvorgang, gießt Prollingheuer die heißen Kaffeebohnen auf den unteren Teil des Rösters. Dort werden die Kaffeebohnen fünf Minuten im Kreis bewegt, bis sie abgekühlt sind. Dann werden sie direkt abgepackt. So ist sichergestellt, dass das volle Aroma beim Kaffeetrinker ankommt.

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