Hotelchef aus Vorpommern mit Carlsberg-Preis ausgezeichnet : Der junge Traditionskoch

Liebe geht durch den Magen: Natürlich genießt auch Manuela Grehling die Kochkünste ihres Freundes Martin Wünscher.  Frank Wilhelm
Liebe geht durch den Magen: Natürlich genießt auch Manuela Grehling die Kochkünste ihres Freundes Martin Wünscher. Frank Wilhelm

Ein wenig hatte es Martin Wünscher überrascht, dass er den Carlsberg-Preis ausgerechnet in der Kategorie "Traditionsbetrieb" erhält. Führt er das Hotel "Pommernyacht" in Ueckermünde doch erst in zweiter Generation.

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24. September 2012, 06:55 Uhr

Ueckermünde. | Ein wenig hatte es Martin Wünscher überrascht, dass er den diesjährigen Carlsberg-Preis ausgerechnet in der Kategorie "Traditionsbetrieb" erhält. Verkörpert der 38-Jährige doch gerade einmal erst die zweite Generation, die das Hotel "Pommernyacht" am Ueckermünder Stadthafen führt. Allerdings, so mutmaßt er, würde es angesichts der Geschichte von Ostdeutschland vor 1989 ja auch schwerfallen, private Traditionsbetriebe mit einer viel längeren Tradition als 20 Jahre zu finden, so dass er sich getrost über die gestern Abend in Hamburg verliehene Auszeichnung freuen kann.

Zudem lässt sich die gastronomische Traditionslinie bei Martin Wünscher auch viel weiter als bis 1994 - die Eröffnung der "Pommernyacht" durch seine Eltern - zurückverfolgen. Sein Großvater mütterlicherseits, Ewald Schneidereit, bewirtschafte viele Jahre als Fischer den Galenbecker See. Die Großmutter war berühmt für ihre Fischgerichte, die sie beispielsweise nach dem Krieg auch für die russischen Offiziere kochen musste, weiß Martin Wünscher aus alten Erzählungen zu berichten. Unter einem Rezept ragt das großmütterliche "Fischgericht" schlechthin heraus: "Aal, Kartoffeln und braune Zwiebeln zusammengekocht", sagt Martin Wünscher. "Das Gericht stand schon mal bei uns auf der Speisekarte."

Die Küchentraditionen der Großmutter hat ihren Nachhall aber auch auf der aktuellen, exquisiten Speisekarte des Hotel-Restaurants gefunden. Da findet der Feinschmecker neben anderen Köstlichkeiten Pommersche Fischsuppe und Pommerschen Heringssalat als Vorspeise, Kloppschinken mit Kopfsalat "pommerscher Art" als Hauptgang sowie zum Abschluss einen "Göttertraum", ein Dessert, ungewöhnlich abgeschmeckt mit geriebenem Pumpernickel.

Ansonsten ließen sich gastronomische Spuren in Sachen Fisch & Co. bei Martin Wünschers Eltern gerade mal nachweisen, wenn man in Betracht zieht, dass beide in Warnemünde Schiffbau studiert und später als Ingenieure auf der Warnow-Werft gearbeitet haben, ehe es sie nach Ueckermünde verschlug.

Doch vor der Wende hätten sich die Stammhalter garantiert nicht träumen lassen, sich einmal als Hoteliers selbstständig zu machen. 1994 eröffneten Wünschers einen der ersten neuen Hotelbauten am Stettiner Haff. Ein Jahr zuvor hatte Martin Wünscher eine Lehre als Hotelfachmann gestartet. "Eigentlich nur aus einer Laune heraus habe ich dann noch eine Kochausbildung rangehängt", sagt Martin Wünscher lächelnd.

Wer ihn in der Küche beobachtet, stellt schnell fest, dass ihn die Laune offensichtlich zum Traumberuf geführt hat. Ein Credo Wünschers: "Beim Kochen gibt es keine Langeweile. Die Zubereitung des laut Karte gleichen Gerichtes nimmt immer einen anderen Verlauf", sagt Martin Wünscher. Fisch kommt größtenteils aus dem Stettiner Haffen beziehungsweise den Boddengewässern, Wild aus den umliegenden Waldgebieten. Gemüse und Obst - so denn möglich - aus Betrieben der Region Uckermünde.

Früher war es nicht gerade der größte Traum des jungen Kochs, die "Pommernyacht" zu übernehmen. So ging er auf Wanderschaft, schnupperte bei dem einen oder anderen Sterne-Koch, arbeitet zwei Saisons in Österreich. Doch bereits 2005 musste er als neuer Inhaber ran.

Mittlerweile wurde der Gastraum neu gestaltet, etliche der 18 Hotelzimmer renoviert. "Wir hatten 2011 eine Hotelauslastung von 60 Prozent. Das kann sich, glaube ich, sehen lassen", so Wünscher. Vor kurzem hat er auch einen entscheidenden Schritt dazu getan, bereits für eine dritte "Pommernyacht"-Generation zu sorgen. Seine Lebensgefährtin und Tourismusexpertin Manuela Grehling (28 Jahre) gab ihre geliebte Heimatstadt Dresden auf und managt inzwischen Rezeption und Marketing im Hotel.

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