Philipp Amthor (CDU) : Der Junge mit der Hornbrille

Philipp Amthor sagt selbstbewusst mit 24 Jahren: „Wenn man mich nicht ernst nimmt, das geht nach hinten los!“
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Philipp Amthor sagt selbstbewusst mit 24 Jahren: „Wenn man mich nicht ernst nimmt, das geht nach hinten los!“

Der jüngste Abgeordnete der neuen CDU-Fraktion: Philipp Amthor aus Torgelow zieht für eine Region in den Bundestag, die für Abwanderung und Überalterung steht

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26. September 2017, 05:00 Uhr

Zu jung, zu unreif, zu unerfahren, sagten seine Kritiker. „Vom Kreißsaal in den Hörsaal“, höhnte sein AfD-Herausforderer Enrico Komning. Und Philipp Amthor? Der verkündete: „Wenn man mich nicht ernst nimmt, das geht nach hinten los!“ Er sollte recht behalten. Als Amthor am Morgen nach der Wahl aufwacht, hat sich die Welt für ihn verändert. 89 unbeantwortete Anrufe blinken auf seinem Handy. Dazu unzählige Nachrichten und E-Mails. Das Telefon steht kaum noch still. Erst dann realisiert er: Es geht in den Bundestag. Als jüngster Abgeordneter der CDU, zweitjüngster Abgeordneter überhaupt. Philipp Amthor ist 24 Jahre alt.

„Ich bin dankbar und stolz auf die Region, die nicht blau sondern schwarz gewählt hat“, sagt Amthor. Nur einmal sei ihm das Herz am Wahlabend kurz in die Hose gerutscht. Das sei der Moment gewesen, als die ersten Hochrechnungen verkündet wurden. CDU: 32 Prozent. Bitter für die Partei. Fatal für Amthor. „Ich dachte mir: Das wird eng.“

Monatelang hatte der Jurist neben seiner Dissertation in Rechtswissenschaften und seiner Arbeit in einer Anwaltskanzlei in Berlin Wahlkampf betrieben. Viel stand auf dem Spiel. Sein Wahlkreis 16, der von Neubrandenburg über Pasewalk und Anklam bis nach Wolgast reicht, galt als besonders hart umkämpft. Seit 27 Jahren hat die CDU in dem südlichen Zipfel Vorpommerns immer die Erststimme gewonnen. Man bemerke: So lange ist Amthor noch nicht einmal auf der Welt. Doch gerade hier hatte sich die AfD – motiviert durch die starken Landtagswahlergebnisse von 2016 – die größten Chancen auf ein Direktmandat ausgerechnet.

Abwanderung, Überalterung, Armut sind Schlagworte, die immer wieder im Zusammenhang mit der Region in Vorpommern fallen. Schlagworte, die auch die Rechtskonservativen für ihren Wahlkampf instrumentalisierte. Warum sollten Menschen aus der Region einen 24-Jährigen wählen?, wurde er oft gefragt. „Zweifler gewinnen nicht und Gewinner zweifeln nicht“, sagte Amthor damals selbstbewusst. Ein Redakteur des „Spiegel“ bezeichnete ihn als eine Phrasen-Dreschmaschine. Als „einen, der so redet, als sei er schon 50 Jahre im Geschäft“.

Jugend sei nur dann ein Problem, wenn man selbst zu überheblich sei, meint Amthor, der sich selbst dem konservativen Flügel der CDU zurechnet. „Selbstverständlich habe ich nicht die Lebenserfahrung eines 50- oder 60-Jährigen. Aber ich denke, es kommt darauf an, zuzuhören, verbindlich zu sein und engagierten Einsatz zu zeigen.“ Nur einer im neuen Bundestag ist jünger als Amthor: Der FDP-Abgeordnete Roman Müller-Böhm aus Rheinland-Pfalz wurde einen Monat nach Amthor geboren.

Bereits seit acht Jahren ist er politisch aktiv. Mit 16 Jahren trat der gebürtige Torgelower der CDU bei. Seit über vier Jahren ist er Kreisvorsitzender der Jungen Union Vorpommern und seit über sechs Jahren in deren Landesvorstand tätig. „Ich habe in der Wertepartei schnell meine Heimat gefunden“, sagt Amthor. „Sie steht für Freiheit in Verantwortung. Nicht für grenzenlose Freiheit. Für Europa, eine soziale Marktwirtschaft und innere Sicherheit. Das sind drei Prunkte, die mir sehr wichtig sind.“

Am Wahlabend feierte er noch mit Lorenz Caffier & Co. bis in die Morgenstunden. Gestern beantwortet er souverän eine Medienanfrage nach der anderen. „Das Ergebnis der SPD geht eindeutig auf Manuela Schwesigs Kappe“, sagt er. Oder „Ich bin nicht der größte Anhänger der GroKo, aber die SPD macht es sich zu leicht.“ Und: „Alexander Gaulands Aussage ‚Wir werden sie jagen‘ macht keine Lust auf eine politische Debatte.“ Aufregung? Fehlanzeige. Beim gestrigen Landesvorstands-Treffen der CDU im Mueßer Hof bei Schwerin wird der von einem Filmteam des Bayrischen Rundfunks begleitet. Blaues Jackett, helle Hose. Die blonde Frisur sitzt. Genau wie die schwarze Hornbrille – schon jetzt das Markenzeichen des Jungpolitikers.

Amthor, der neue Stern am Himmel der CDU? Unterstützung beim Wahlkampf bekam er von ganz oben. Unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ob sie ihm schon gratuliert hätte? „Könnte schon sein“, meint Amthor. Noch hätte er nicht alle Nachrichten lesen können. Doch es seien einige Berliner Nummern dabei.

Sein jugendliches Alter ist für seine Wähler offenbar kein Problem gewesen, sondern eher ein Zeichen von Hoffnung. Viele Ältere hätten in ihm ihre Kinder und Enkel gesehen. „Die sehen das jetzt positiv, dass ich als Junger nun für die Region stehe.“

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