Kinder-Arche für bedrohte Haustiere : Der Junge, der eine Arche baut

Lukas, Max und Henning (v.l.n.r.) auf der kleinen Farm in Neuhaus
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Lukas, Max und Henning (v.l.n.r.) auf der kleinen Farm in Neuhaus

Max ist 13 und das jüngste Mitglied der Arche-Region Deutschlands: Jetzt baut er eine Arche für Nutztiere

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01. September 2015, 12:00 Uhr

Seitdem Max seine Idee von einer Kinder-Arche für bedrohte Haustierrassen in der Fernsehshow „Ein tierischer Jahresrückblick“ von Martin Rütter vorstellte, vergleichen ihn viele mit Noah. Damals ahnte der 13-Jährige nicht, was er mit der Sendung lostreten würde. Fernsehteams und Redakteure geben sich seitdem auf seiner Farm zwischen den Lamas, Hühnern und Schafen in Neuhaus die Klinke in die Hand. Statt seine Ferien am Badesee zu genießen, steht der 13-Jährige vor der Kamera, gibt Interviews und nimmt Fototermine wahr.

„Du warst viel ruhiger, als du heiser warst“, ruft Max seinem Hahn zu. Das weiße Federvieh schreit sich seit Minuten die Kehle aus dem Hals. Wie zur Bestätigung gackert ein Huhn. Lukas lächelt. Er ist heute aus Karlsruhe mit seinen Eltern angereist. Der 19-Jährige sah die Show mit Max und wollte ihn und seinen Hof unbedingt kennen lernen. Auch Lukas züchtet Nutztiere. Auch sein Hahn kann ohrenbetäubenden Lärm machen.

Gemeinsam mit Henning, Max' bestem Freund, haben es sich die Jungs im Unterstand bei den Hühnern und Kaninchen gemütlich gemacht. Hündin Funny liegt hechelnd im Schatten. „Nächste Woche bauen wir neue Buchten für Schweine. Wir wollen uns Wollschweine und bunte Bentheimer Schweine holen“, erzählt Max. „Meine Mutter ist gegen Schweine“, sagt Lukas. „Ach, einfach kaufen und einen Blumenstrauß mitbringen“, erwidert Max kühn.

Dass Jugendliche gerne ein Haustier hätten, ist nichts Ungewöhnliches. Lukas, der im Rollstuhl sitzt, und Max halten sich jedoch nicht irgendwelche Meerschweinchen. Die beiden Jungs züchten vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen. Max, der eigentlich Maximilan Jasker heißt, ist das jüngste Mitglied der ersten Arche-Region Deutschlands. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von mehr als 100 Haltern gefährdeter Nutztierrassen. Allein 120 pelzige, fedrige und wollige Tiere tummeln sich auf seiner kleinen Farm in Neuhaus an der Elbe. Leinengänse, Kröwitzer Puten, Warzenenten...
Und es sollen noch mehr werden. Für seine Arche fahren Max und sein Vater, Jens Jasker, durch das ganze Land, immer auf der Suche nach besonderen Rassen. Der Schüler finanziert sein Vorhaben durch den Verkauf von Jungtieren und durch Geldgeschenke zu Geburtstagen. In einem Jahr etwa sollen Familien und Schulklassen die Arche besuchen und alles über die Tiere lernen können. Eine Arche von einem Kind für Kinder.

Den passenden Stall gibt es bereits. Doch ist sehr viel zu tun. Das Dach ist nach einem Sturm beschädigt, Wände müssen eingerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. „Wir leisten sehr viel selbst, trotzdem fehlt uns das Geld für die Instandsetzung“, meint Jens Jasker. Denn wirklich was verdienen mit der Zucht von Nutztierrassen könne man nicht. Auch deshalb rührt Max fleißig die Werbetrommel.

„Galileo“, „Kika“, „Spiegel-Online“... – sie alle waren schon da. Oft sind die Teams gleich mehrere Tage auf dem Hof. Ganz schön anstrengend, findet Max. „Viele von ihnen kennen sich gar nicht aus mit Tieren. Die fragen dann, tut das Scheren dem Schaf nicht weh? – Nein. Tut Ihnen Haareschneiden weh?“, erzählt Max. Viele Szenen müsste man immer wieder von vorne drehen. Und welche Frage nervt ihn am meisten? „Ob man damit Mädchen beeindrucken kann. Diese Frage muss ich noch nicht beantworten“, findet Max. In der Schule sei sein Hobby oder der Medienrummel um ihn noch kein Thema. Dass Lukas und seine Eltern extra aus Karlsruhe angereist sind, findet er dann doch erstaunlich. „Ansonsten sprechen mich nur die Mütterchen aus der Nachbarschaft schon manchmal an.“

Schon jetzt können Schulklassen oder Kindergruppen Max' Farm besuchen. Der Schüler freut sich auch über Spenden für die Arche. Informationen und Termine gibt es unter der Nummer: 0152-23156807.

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