„Der Job hat mein Hobby zerstört"

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13. Juni 2012, 09:42 Uhr

Seit 15 Jahren ist Einar Flaa professioneller Taucher. Er hat bereits beim Verschweißen der Teilstücke der ersten Leitung der Ostseepipeline mitarbeitet. dapd-Korrespondent Alexander Kohn sprach mit dem 44-jährigen Norweger kurz vor seinem schwierigen Einsatz.

Wie kann man sich einen sechsstündigen Tauchgang in 110 Metern Tiefe vorstellen?

Einar Flaa: Meistens ist es so dunkel da unten, dass man seinen Weg praktisch mit den Händen suchen muss. Wenn es Tag ist und die Sonne scheint, ist das Wasser manchmal ein bisschen grünlich. Bei der Orientierung auf dem Meeresboden helfen die Lichter unserer Taucherglocke, indem sie auf die Stelle blinken, wo wir hintauchen sollen. Der Taucheranzug ist eine Ein-Mann-Sauna. Durch Schläuche läuft warmes Wasser. Die Temperatur können die Kollegen auf dem Schiff auf ein halbes Grad genau steuern.

Wie ist das Leben in der Überdruckkammer der Tauchstation, die Sie sich mit ihren beiden Schichtkollegen teilen?

Es ist eng. Keine Privatssphäre. Alle sehen dir zu, selbst auf der Toilette hängen Kameras. Man kann seine Kollegen die ganze Zeit atmen hören.

Gibt es auf so engem Raum nicht auch manchmal Streit?

Wir versuchen, professionell zu bleiben. Das geht, wenn man nicht zu viel miteinander spricht. Uneinigkeiten oder Streit, das klärt man besser später.

Wie kommt man mit dem ständigen Überdruck klar?

Einar Flaa: Der Überdruck hier hält uns am Leben. Weil wir wegen des höheren Drucks leichter frieren, stellen unsere Kollegen die Temperatur in der Kabine auf etwa 28 Grad ein. Manche sagen, dass das Essen hier fader schmeckt. Aber für mich schmeckt es normal. Es wird in der Kombüse gekocht und wird uns dreimal täglich durch eine Druckschleuse hereingegeben. Der Atemluft wird Helium hinzugefügt.

Unsere Stimmen klingen deshalb wie die von Donald Duck. Wenn ich jemand anrufe, der nicht weiß, warum meine Stimme so klingt, würde er denken, ich würde einen Telefonstreich machen. Aber meine Familie hat sich daran gewöhnt.

Wie verbringen Sie die vier Tage in der Dekompressionskammer?

Das hier ist mein erstes Schiff mit Computer in der Dekompressionskammer. Das ist eine ganz neue Welt. Wir gucken Filme, lesen, schlafen. Jedes Mal, wenn ich da rauskomme, fühle ich mich beschissen. Bis alles wieder normal ist, fühlt sich das an wie ein dreitägiger Kater.

Macht Ihnen das Tauchen noch Spaß, tauchen Sie auch in der Freizeit?

Der Job hat mein Hobby zerstört. Ich habe als 17-Jähriger schon ein bisschen Geld mit dem Tauchen verdient. Damals habe ich bei kleinen Schiffen von unten den Bug gereinigt.

Vor gut 15 Jahren entdeckte ich, dass man vom Tauchen leben kann. Ich werde den Job so lange machen, bis mich der Doktor stoppt. Im Urlaub tauche ich noch manchmal zum Speerfischen, das schon. Aber Skifahren ist auch ganz schön.


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