Menschen-Enten : Der Herzog war ein Erpel

Seit über 30 Jahren arbeitet der Maler Volker Schönwart mit Witz und Lust an der Verentung der Kunstgeschichte. Fotos: benjamin pritzkuleit(4)
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Seit über 30 Jahren arbeitet der Maler Volker Schönwart mit Witz und Lust an der Verentung der Kunstgeschichte. Fotos: benjamin pritzkuleit(4)

Die Künstlergruppe InterDuck hat seit 1986 über zwei Millionen Besucher mit ihren Menschen-Enten begeistert. Unter dem Titel „Schnabelhaft – Duckomenta 2018“ erobern die lustigen Anatiden ab heute erstmals ein Kaufhaus – bei Kressmann in Schwerin.

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07. Februar 2018, 12:00 Uhr

Erneut wurde der Beweis erbracht. Niemand kann es mehr leugnen. Es gibt sie. Es gab sie schon immer. Die Anatiden. Die Entenartigen. Menschenähnliche Entengeschöpfe. Verentete Menschen. Der neuerliche Beweis ihrer Existenz in einem Paralleluniversum neben unserer Welt? In einem bislang verborgenen Gewölbe des Schweriner Schlosses fand man jüngst ein Bild, das den Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin zeigt. In voller militärischer Pracht mit blauer Schärpe, Pickelhaube, Säbel und Orden. Und: Der Herzog hat einen Schnabel.

So jedenfalls erzählt der Maler Volker Schönwart die Legende. Wir treffen ihn in den Räumen der Künstlergruppe InterDuck in der Berliner Karl-Marx-Allee. Hier wimmelt es von verenteter Kunst an den Wänden. Che, Nofretete, Marx, Mao, van Gogh, Gutenberg, sogar Honecker. Alle mit Schnabel. Am Großherzog in Acryl hat Schönwart in der Rekordzeit von knapp vier Tagen gemalt, ohne Vorstudien wie sonst.

Carl Kressmann hat sich für die Ausstellung in seinem Modehaus auch eine Schweriner Ente gewünscht. „Wir haben etwas gesucht, das unseren Kunden Spaß macht und uns selbst auch und sind dabei auf InterDuck gestoßen“, so der Kaufhauschef. „Anfangs war die Künstlergruppe skeptisch, aber dann hat sie unsere Idee überzeugt, im ganzen Haus auf allen Etagen ihre Bilder zu zeigen.“

 

„Wir betreiben mit Leuchtkästen und moderner Präsentation sogar mehr Aufwand als in einem Museum“, verrät Volker Schönwart, der zu den Gründern von InterDuck gehört. „Das wird doch spannend, wenn zwei Welten – die der Kunst und die der Waren – aufeinandertreffen.“ Obwohl den Berliner Künstlern die Warenwelt nicht fremd ist, schließlich zieren ihre Bilder auch Fanartikel, Postkarten, Poster und Kataloge.

InterDuck schlüpfte 1982 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig aus dem Ei – in einem kulturkritischen Seminar von Prof. Ekhart Bauer über Amerikanismus in der Alltagskultur. „Enten erschienen uns am reizvollsten. Wir hätten auch Grizzlys oder Waschbären nehmen können, aber die hätten nicht so viel hergegeben“, erzählt Schönwart, der heute selbst als Kunstprofessor in Zwickau lehrt.

Die Bilder der heute noch aktiven fünf InterDuck-Künstler sind keine Computermanipulationen, sondern künstlerische Neuerfindungen, in Stil und Motiv inspiriert von Leonardo oder van Gogh. Geschaffen von Hand mit klassischen Mal-, Grafik- und Bildhauertechniken. „Wir malen der Mona Lisa nicht nur einen Schnabel dran“, erläutert Volker Schönwart. Am Beispiel des Großherzogs: „Anders als im Original habe ich ihn eher privat gemalt, ohne Pferde und etwas entiger, also korpulenter und kleiner. Die Ente liegt als Matrix unter dem Herzog. Auch sein Hals ist länger.“

500 Werke – anatide Geschöpfe von der Kreidezeit über das alte Ägypten, die klassische Antike, das Mittelalter und die Renaissance bis in die Moderne – haben die InterDuck-Künstler bisher geschaffen. In den nächsten vier Jahren sind sie ausgebucht. Auch wenn konservative Kuratoren sie bisweilen ablehnen, die Künstler scheinen mit ihrem Projekt der heiteren Verentung der Kunstgeschichte im Reinen zu sein. „Wir stoßen Ikonen vom Sockel und regen Besucher unserer Ausstellungen vielleicht dazu an, sich mit alten Meistern und Kulturen auseinanderzusetzen“, so der Maler und Grafiker Schönwart.

Weil ihm der Schweriner Herzog so viel Spaß gemacht hat, hat er ihn als Zugabe gleich noch einmal gemalt – auf einen Porzellanteller mit echtem Kobaltblau und um Jahrzehnte gealtert.

„Schnabelhaft – Duckomenta 2018“

Schweriner Modehaus Kressmann, Mecklenburgstraße 19 bis 23
Eröffnung heute, 7. Februar 2018

Bis 7. Mai 2018; Mo. bis Sa. 9.30 bis 20 Uhr

Mit 65 Kunstwerken auf allen Etagen bietet die Schau einen ganz eigenen Blick auf Zeit-, Kultur- und Kunstgeschichte – vom alten Ägypten bis ins 20. Jahrhundert.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog in zwei unterschiedlichen Ausgaben erschienen („interDuck, Art of the Duckomenta“, 520 S., 49,90 Euro sowie „interDuck, 100 Werke der Duckomenta“, 128 Seiten, 19,90 Euro). Kataloge und weitere „Duckonalien“ können im Modehaus Kressmann erworben werden.

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