Tag des offenen Denkmals : Der Herr der Glocken

Claus Peter bei seiner Arbeit.
Claus Peter bei seiner Arbeit.

Claus Peter kennt alle Geheimnisse der Kirchtürme in MV - Am heutigen Tag des offenen Denkmals wird er geehrt

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12. September 2015, 16:00 Uhr

Eine Glocke ist nicht gleich eine Glocke. Eine Glocke ist eine ganze Wissenschaft. Und eine Glocke kann manchmal sogar einen Kirchturm zum Einsturz bringen.

„Stellen Sie sich vor, Sie besuchen eine kleine Kapelle und plötzlich brummt da eine zwei oder drei Tonnen schwere Glocke heraus. Oder Sie besichtigen den Schweriner Dom und es läutet nur ein kleines Glöckchen“, beschreibt Claus Peter. „Beides würde nicht passen.“ Als Glockensachverständiger beschäftigt er sich seit über 25 Jahren mit den großen und kleinen Geläuten der Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern. Für diese ehrenamtliche und oft nicht ganz ungefährliche Tätigkeit erhält er nun bei der Festveranstaltung des Landes am bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ diesen Sonntag vom Kulturminister Mathias Brodkorb (SPD) eine Auszeichnung.

„Claus Peter hat mit seinem profunden Wissen über das Glockenwesen dazu beigetragen, dass viele Geläute in den Stadt- und Dorfkirchen fachgerecht restauriert, ergänzt und erneuert werden konnten“, sagt Brodkorb. Über 200 Aufschlagidiophone, so der Fachbegriff, hat Peter im Land betreut. Dabei bergen MVs Kirchtürme einige Schätze, meint der Experte. Unbemerkt von der Öffentlichkeit, verfügten viele Glocken beispielsweise über Inschriften und besondere Verzierungen. Die Glocke im Schweriner Dom von 1470 habe einen Zwilling in Tallinn in Estland. Und die schwerste Glocke aus der Marienkirche in Stralsund wiegt über vier Tonnen.

Claus Peter haben es jedoch vor allem die Werke von Monkehagen angetan. Die Glockengießerwerkstatt produzierte während des 14. und 15. Jahrhunderts Glocken für Norddeutschland. „Das sind meiner Meinung nach die klangschönsten“, schwärmt Peter. Etwa 30 der Monkehagen-Glocken hätte er bisher in MV registrieren können. Darunter auch welche in Alt Treptow, Greifswald oder Anklam.

Insgesamt jedoch wären viele Glocken in MV während der zwei Weltkriege zur Waffenproduktion eingeschmolzen und anschließend nicht mehr ersetzt worden, bedauert Peter. Erst seit der Wende würde wieder mehr Arbeit und Geld in die Restaurierung und Sicherung der Kirchen investiert. „Viele Gemeinden wollten plötzlich ihre Glocken wieder bekommen“, so Peter.

Dabei ist es seine Aufgabe, die Gemeinden bei der Anschaffung oder Restaurierung der Glocken zu beraten. Nicht nur der Klang und die Größe der Glocke wären entscheidend, sondern auch die Schwingfrequenz. „Wenn die Schwingfrequenz des Turms und die der Glocke nicht zusammen spielen, dann kann sich der ganze Turm aufschaukeln.“ Im schlimmsten Fall bedeute das: Einsturzgefahr.

Um das zu verhindern, nimmt Claus Peter vorab im Turm Messungen vor, oft in schwindelerregender Höhe. „Es ist eine entsetzlich mühevolle und gefährliche Arbeit“, meint er. Nicht selten würden Sicherheitsvorkehrungen wie Geländer fehlen. Dachluken wären nicht abgedeckt. In anderen Fällen müsse er regelrecht zur Glocke kriechen. Doch die Arbeit mache ihm Spaß. Schon als Kind faszinierten ihn Glocken. Dass er nun für seine Arbeit geehrt wird, überrascht Peters aber doch. „Ich bin sprachlos. Damit hätte ich nicht gerechnet.“

Lange wird der 68-Jährige sein Ehrenamt nicht mehr ausüben. Nach einem Nachfolger für Mecklenburg-Vorpommern wird bereits gesucht. Seine Liebe zu Glocken wird Peter jedoch beibehalten. Und was sind seine Lieblingsglocken? „Das sind die in der St. Marien-Kirche in Rostock. Sie waren schwer beschädigt. Nach viel Arbeit sind sie wieder wie neu“

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