Verein "Power for Kids" in Schwerin : Der gute Geist im Plattenbau

„Erst die Hausaufgaben, dann das Training“:   Die Breakedancer der „Power Event Group“ trainieren in den Räumen des Vereins „Power for Kids“ im Wohngebiet Neu Zippendorf.dpa
„Erst die Hausaufgaben, dann das Training“: Die Breakedancer der „Power Event Group“ trainieren in den Räumen des Vereins „Power for Kids“ im Wohngebiet Neu Zippendorf.dpa

Ein Verein in Schwerin kaufte einen Plattenbau, um finanziell auf eigene Füße zu kommen. Mit den Mieteinnahmen bestreitet „Power for Kids“ Freizeitangebote im sozialen Brennpunkt - und holt Kinder von der Straße.

svz.de von
12. März 2013, 09:54 Uhr

Schwerin | Felix (11) muss noch ein Lied lernen, will aber lieber beim Hip-Hop-Tanzen mitmachen. "Erst die Hausaufgaben, dann das Training", sagt Peter Boneß, Gründer des Vereins "Power for Kids" in Schwerin. Auch der zehnjährige Alex ist jeden Tag im Klub.

"Computerspiele, Tischtennis, das mag ich besonders, sonst würde ich mich langweilen", meint er. Seit kurzem haben die Jungs noch etwas gemeinsam: Mit ihren Familien wohnen sie im selben Wohnblock im Neubaugebiet Großer Dreesch, einem sozialen Brennpunkt Schwerins. Den Plattenbau kaufte der Verein und bewahrte ihn so vor dem Abriss.

Deutschlands kleinste Landeshauptstadt ist besonders reich an armen Kindern. Etwa jeder dritte Schweriner unter 15 Jahren lebt in einer Familie, die auf die staatliche Grundsicherung Hartz IV angewiesen ist. Landesweit betrifft das jedes vierte Kind, bundesweit jedes siebte. In Schwerin versorgen nach Angaben der Diakonie drei Kindertafeln rund 800 Kita- und Schulkinder mit Essen. "Schwerin hat so wie andere Kommunen Zuschüsse für den Kinder- und Jugendbereich immer weiter gekürzt", betont Boneß. Sein Verein, der im Jahr 2000 aus einer privaten Elterninitiative entstand und bereits zweimal aus Abrisshäusern ausziehen musste, wolle nicht mehr nur auf Spenden und Sponsoren angewiesen sein, betont er. Um finanziell auf eigene Füße zu kommen, übernahm "Power for Kids" Mitte 2012 den heruntergekommenen Wohnblock für 150 000 Euro von der Wohnungsbaugenossenschaft. Die Sparkasse gab dem Verein dafür Kredit.

Die 40 Sozialwohnungen in der "Platte", die im Verein nur "Power-Block" genannt wird, seien inzwischen renoviert und seit Jahresbeginn komplett belegt. Viele Mieter seien Vereinsmitglieder, Ehrenamtliche oder Familien der jüngsten Klub-Besucher, sagt Boneß, der als Hartz-IV-Empfänger selbst im "Power-Block" wohnt. "Wir leben zwar immer noch von der Hand in den Mund, doch die Mieteinnahmen decken die laufenden Kosten für den Vereinstreff." Noch in diesem Jahr sollen Heizungen und Wasserleitungen saniert werden, die Erneuerung der Fassade indes müsse warten, erklärt Boneß.

Unterdessen steppt im nahen Kids-Klub der Bär: Felix, Alex und die anderen proben einen Auftritt ihrer "Power Event Group". Die vom Verein 2008 initiierte Schülerfirma führt Kinder vom Dreesch-Gebiet "Mueßer Holz" zusammen, darunter Schulschwänzer, Förderschüler und Kinder mit Migrationshintergrund. Breakdance- und Hip-Hop-Programme kommen bei Veranstaltungen gut an. Auch schreiben und produzieren die jungen Künstler eigene Raps und Musikclips.

"Power for Kids" kommt aus den Kinderschuhen heraus. Wenigstens 60 Besucher zwischen 6 und 16 Jahren habe der Klub jeden Tag, informiert Mario Hartig, ein ehrenamtlicher Betreuer. "Hier kann ich den Kids ein bisschen davon zurückgeben, was ich in meiner Kindheit noch erleben durfte", sagt der arbeitslose Lagerist. "Nach der Wende ging im Osten ein Jugendklub nach dem anderen kaputt, wir versuchen im Verein, gegen den Strom zu schwimmen." Ricarda Liedtke (37) macht gerade eine Umschulung zur Erzieherin und hilft im Klub aus, wenn sie Zeit hat. "Meine Kinder weiß ich hier gut aufgehoben", sagt die Alleinerziehende.

Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe über das Bildungspaket, aber auch Sport und Spiele, Basteln, Tanzen und Musizieren seien im Klub möglich, zählt Boneß auf. Die Kindertafel sei mittags immer gut besucht. Besonders beliebt seien gemeinsame Ausflüge an Wochenenden oder in den Ferien. "Gewalt und Vandalismus durch Jugendliche haben deutlich abgenommen im Kiez", versichert der Vereinsgründer.

Die vorläufige Statistik der Schweriner Polizei bestätigt teilweise einen positiven Trend für den südlichen Stadtteil "Mueßer Holz". Demnach ging dort die Straßenkriminalität in den vergangenen vier Jahren von insgesamt 188 (2009) auf 168 Ereignisse (2012) zurück. Rückläufig waren vor allem Sachbeschädigungen an Autos, Straßen und Plätzen, wie eine Sprecherin mitteilte. Fälle von Graffiti haben sich im selben Zeitraum von 38 auf 15 verringert.

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