Offshore-Windkraft : Der grüne Strom muss an Land

Der Querschnitt eines „Ostwind“-Seekabels: Ein Meter Kabel wiegt 120 Kilogramm, der Kabelquerschnitt beträgt  26 Zentimeter.
Der Querschnitt eines „Ostwind“-Seekabels: Ein Meter Kabel wiegt 120 Kilogramm, der Kabelquerschnitt beträgt 26 Zentimeter.

Offshore-Stromkabel „Ostwind 1“ vor erstem Testbetrieb

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19. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Im Adlergrund nordöstlich von Rügen ist der Offshore-Windpark „Wikinger“ seit November betriebsbereit. Doch bislang wurde noch nicht eine Kilowattstunde grüner Strom an Land gebracht. Hintergrund: Laut Energiewirtschaftsgesetz hat der Windpark des Energiekonzerns Iberdrola erst ab 30. November 2018 und in zweiter Stufe ab 30. Juni 2019 Anspruch auf Netzanbindung. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, der das 90 Kilometer lange Stromkabel „Ostwind 1“ durch die Ostsee bis zum Anlandepunkt in Lubmin verlegt, will jedoch nun bald in einem Testbetrieb den ersten Wikinger-Strom an die Küste bringen. „Wir starten den Testbetrieb des ersten Kabels in wenigen Tagen“, sagt der50Hertz-Projektleiter für Offshore, Henrich Quick. Anfang 2018 könnte dann probeweise der erste grüne Strom zum 50Hertz-Umspannwerk Richtung Lubmin fließen. 50Hertz kommt mit dem Projekt Ostwind 1 gut voran. „Wir arbeiten partnerschaftlich mit Iberdrola zusammen“, sagt Projektsprecher Christian Brehm. Bei allen Wünschen von Iberdrola geht dennoch Sorgfalt vor Tempo. „Wir agieren nicht hastig beim Bau und den Tests der Anbindung, um nicht später die Gesellschaft in die Haftung nehmen zu müssen, wenn die Anbindung nicht stabil läuft.“ Iberdrola erwartet den ersten Stromexport in Kürze. Von den drei „Ostwind“-Leitungen mit einer Übertragungsleistung von jeweils 250 Megawatt liegen bereits zwei im Meeresboden, das dritte Kabel wird derzeit verlegt. Für die Stränge eins und zwei liefen aufwendige Funktionstests. „Die Seekabel müssen über Jahrzehnte funktionieren und deshalb auch robust gebaut sein“, sagt der Physiker Quick. Zudem seien die Stromkabel hochkomplexe technische Systeme, die auf den langen Strecken bis ans Festland nur zwei Prozent Energieverlust haben dürften. Ein Meter Kabel wiege 120 Kilogramm, ein Kilometer Kabel koste bis zu einer Million Euro.

Die Konstruktion der Kabel wie auch der Baugrund machen das Vorhaben teuer. Etwa 1,5 Milliarden Euro wird 50Hertz eigenen Angaben zufolge in den Bau von „Ostwind 1“ investieren. Als Netzentgelt-Anteil findet sich ein Teil dieser Investition dann auf der Kunden-Stromrechnung. Pro Kilowattstunde Strom zahlt der Kunde nach Angaben von 50Hertz rund 0,01 Cent für diese Offshore-Netzanbindung.

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