Güstrowerin Mari Khachatryan mit Stipendium unterstützt : "Der größte Erfolg meines Lebens"

Von Hausaufgaben bis Geige spielen:  Mari Khachatryan  hat viel zu tun.  'Ich gebe alles', sagt die 15-Jährige. herder
Von Hausaufgaben bis Geige spielen: Mari Khachatryan hat viel zu tun. "Ich gebe alles", sagt die 15-Jährige. herder

Seit zehn Jahren unterstützt die Start-Stiftung leistungsstarke und engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die einen höheren Bildungsabschluss anstreben. So wie die Güstrowerin Mari Khachatrya.

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12. September 2012, 07:53 Uhr

Güstrow | Wenn Mari Khachatryan spricht, dann spricht sie mit dem ganzen Körper: Die Hände der 15-Jährigen fliegen, ab und an nickt sie mit dem Kopf, als wolle sie ihre Worte unterstreichen, und der Zopf, zu dem sie ihre braunen Haare gebunden hat, wippt. Wenn Mari Khachatryan spricht, dann sprudeln die Worte nur so hervor: Mari erzählt von der Schule und ihrer Klasse, vom Geigenunterricht und dem Streichorchester, in dem sie spielt, und von ihren Schwestern Ani und Angela. Vor allem aber erzählt Mari von der Start-Stiftung, von ihrem Stipendium und davon, was diese Förderung für sie bedeutet.

"Ich glaube, das ist der größte Erfolg meines Lebens", sagt die 15-Jährige, die gestern gemeinsam mit drei weiteren Schülerinnen aus Mecklenburg-Vorpommern im Neustädtischen Palais in Schwerin ihre Stipendienurkunde von Bildungsminister Mathias Brodkorb erhielt. Seit zehn Jahren unterstützt die Start-Stiftung in 14 Bundesländern mit ihrer materiellen und ideellen Förderung leistungsstarke und besonders engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die einen höheren Bildungsabschluss anstreben.

Wie Mari: Der letzte Notendurchschnitt ihres Zeugnisses lag bei 1,4. "Ich strebe immer das Beste an, also die Eins", sagt die Güstrowerin mit armenischen Wurzeln selbstbewusst. Die Naturwissenschaften liegen ihr ganz besonders. Vielleicht, sagt Mari, möchte sie nach dem Abitur Lehrerin für Chemie und Biologie werden, vielleicht aber auch Ärztin oder Zahnärztin. "Ich gebe alles, damit ich irgendwann die Wahl habe und meinen Traumberuf ausüben kann", sagt die Zehntklässlerin. Mari weiß, dass diese Freiheit nicht selbstverständlich ist - und weiß sie umso mehr zu schätzen: In Armenien, sagt sie, dem Land, aus dem ihre Familie stammt, hätte sie nicht ihr Abitur machen, nicht studieren können. "Armenien ist ein armes Land", weiß Mari, ein Land, das in einer tiefen Krise steckte, als die Familie es verließ.

Kurz vor der Geburt der älteren Schwester Ani (17) waren die Eltern Mitte der 1990er-Jahre nach Deutschland gekommen. "Weil sie uns ein besseres Leben ermöglichen wollten", erzählt Mari. Ein Leben, aus dem die drei Töchter das Beste machen wollen: Alle drei sind gute Schülerinnen auf dem Gymnasium, besuchen den Tanzverein und die Musikschule. "Ich bin so froh, dass wir hier leben können", sagt Mari. Vielleicht ist es die Geschichte der Familie, vielleicht die Unterstützung der Mutter, die ihre Mädchen heute alleine erzieht und die sie immer gefördert und nie unter Druck gesetzt hat, wie Mari sagt, vielleicht die Förderung in der Schule und wahrscheinlich eine Mischung aus all dem, dass Mari ist, wie sie ist: Ehrgeizig, aber nicht überheblich, zielstrebig, aber nie nur auf sich selbst konzentriert. In der Schule ist sie Klassenbuchbeauftragte, hat mit zwei Freundinnen das Amt der Klassensprecherin übernommen, gibt ehrenamtlich Nachhilfe und ist, wie sie erklärt, für Schüler da, die mit dem Stoff nicht nachkommen. "Es ist mir wichtig zu wissen, wie es anderen geht", sagt die Schülerin.

Ein Engagement, das neben guten Noten Voraussetzung für die Bewerbung bei der Start-Stiftung ist. In einem dreistufigen Bewerbungsverfahren musste Mari sich gegen mehr als 20 andere Bewerber aus MV durchsetzen. Bis zu ihrem Abi tur wird sie die Förderung, die von der Start-Stiftung, einem Projekt der gemeinnützigen Hertie-Stiftung gemeinsam mit verschiedenen Partnern vergeben wird, erhalten. Dazu gehören nicht nur eine monatliche finanzielle Unterstützung sowie ein Laptop, ein Drucker und ein Internetanschluss, die Mari zur Verfügung gestellt bekommt, sondern auch Bildungsseminare, die die Stipendiaten belegen können. Für Mari spielt das eine besonders große Rolle. "Durch die Seminare wird man so weit nach vorne gebracht, kann so viel lernen", ist die 15-Jährige begeistert.

Und noch etwas ist der jungen Güstrowerin wichtig: der Kontakt zu den anderen Stipendiaten. "Es bedeutet mir sehr viel, dort mit anderen Schülern in Kontakt zu kommen, die sind wie ich", erzählt Mari. Junge Menschen wie sie, die aus einem anderen Land kommen, die viel erlebt und gegen Widerstände gekämpft haben und an ihrem Wunsch, etwas zu erreichen, immer festgehalten haben.

"Es ist ein schönes Gefühl, Anerkennung für das zu bekommen, was man tut, egal wo man herkommt. Ich bin stolz, dass ich das erreichen konnte", sagt Mari. Und ist für einen Moment ganz still, bevor sie leise sagt: "Mit Start habe ich meine Balance gefunden: Schule, Engagement, Stipendium."

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