zur Navigation springen

Kanucamp Borkow : Der frühe Kanute entdeckt den Biber

vom

Sonnabend. 7 Uhr morgens. Die Sonne steht noch tief am Himmel. Es ist kalt und der Nebel liegt wie ein dünner Schleier über die glatte Wasseroberfläche des Sees. Gleich startet die Frühaufsteher-Tour.

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2012 | 09:59 Uhr

Borkow | Sonnabend. 7 Uhr morgens. Die Sonne steht noch tief am Himmel. Es ist kalt und der Nebel liegt wie ein dünner Schleier über die glatte Wasseroberfläche des Borkower Sees.

Gleich startet die Frühaufsteher-Tour. Mit dem Kanu geht es knapp acht Kilometer auf der Mildenitz entlang, vom Kanucamp Borkow in Richtung Woserin und zurück. Organisiert hat den ersten Paddel-Ausflug dieser Art der Naturpark Sternberger Seenland. Sieben Teilnehmer haben sich eingefunden. Warm eingepackt in dicken Jacken, Mützen und Handschuhen. Begleitet werden sie vom Flussranger Jörg Bußmann.

Als erstes paddeln die Frühaufsteher über den Borkower See. Es ist windstill. Das Boot gleitet mühelos durch das wellenlose Wasser, in dem sich der blaue Morgenhimmel spiegelt. Keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen. Dafür gibt es einiges zu hören. Ein Gewirr verschiedenster Vogelstimmen liegt in der Luft. Singdrosseln, Schwarzspechte und Zaunkönige singen ihre Lieder. Viele Vögel nutzen den knapp 65 Hektor großen See als Rast- und Brutplatz.

Die Tour geht weiter. Stromaufwärts folgen die Kanuten den Lauf der Mildenitz. Während sie sich vorbeischlängeln an Bäumen, die auf den Fahrtweg ragen, bestaunen sie die weitläufige Auenlandschaft um sie herum. Über Jahrhunderte haben die Bewohner der Region die Mildenitz gestaut. Die Stauanlage mit der alten Mühle im Kanucamp Borkow trägt Zeugnis davon. Auf diese Weise erhöhte sich stetig der Pegel des Flusses, was wiederum dazu führte, dass sich die Auenfelder immer weiter ausbreiteten.

Plötzlich ertönt ein Plätschern. Nur wenige Meter vor dem Boot ist ein Biber aufgetaucht. Die Teilnehmer erstarren. Bloß keine Geräusche machen. Der Biber scheint unbeeindruckt und zieht unbeirrt seine Bahnen, bevor er im D ickicht der Auen verschwindet. "Das ist selten, dass man ein Tier von so Nahem sieht", sagt Bußmann verblüfft. Einige Paddelzüge weiter findet sich die Burg des Bibers. Ein stattlicher Haufen aus Ästen. Und drum herum überall Stellen mit angenagten Bäumen - die Futterplätze des Tieres. Insgesamt leben rund 450 Biber im Naturpark.

Die Teilnehmer setzen ihre Reise fort in Richtung Woserin. Allmählich verändert sich das Landschaftsbild. Die Auenfelder weichen Bäumen, die sich an die Ufer der Mildenitz drängen. Dicht an dicht reihen sich Schwarzerlen, Buchen und Kiefer. Aus dem Wald ist ein Bellen zu hören. "Das ist ein Rehbock", erklärt Bußmann. "Der ruft gerade seinen Harem zusammen", so der Ranger weiter. Wenige Minuten später macht Bußmann die Paddler auf eine große Kiefer aufmerksam, die etwas weiter im Inneren des Waldes wächst. An der Spitze des Baumes ist ein gewaltiges Nest zu sehen. "Dort brühten Seeadler", flüstert Bußmann. Die Kanuten müssen sich still verhalten. Der Grund: Seeadler sind in der Brutzeit besonders empfindlich und sollten daher nicht gestört werden. Vorsichtig und fast lautlos bewegen die Teilnehmer das Boot voran. Kurz darauf erreichen sie die Woseriner Brücke. Zeit für eine Verschnaufpause, bevor es den gleichen Weg zurück in das Kanucamp Borkow geht, vorbei an den brütenden Seeadlern, dem Biber und seiner herrschaftlichen Burg, den ausgedehnten Auen und den singenden Vögeln. Bis sie das Camp erreichen, werden zweieinhalb Stunden vergangen und die erste Frühaufsteher-Tour des Naturparks erfolgreich beendet sein.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen