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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 14:18 Uhr

„Der Frauenbonus ist jetzt weg"

vom

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2012 | 09:29 Uhr

Pritzwalk | Fußball-Schiedsrichterin Sandra Blumenthal hat die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklommen. Die für den Pritzwalker FHV 03 Pfeifende leitet in der am Wochenende beginnenden Regionalliga Nordost Herrenspiele, schaffte so nach dem Sprung in die Frauen-Bundesliga im vergangenen Jahr jetzt auch den Einzug in der vierthöchsten Liga im Männerbereich.

"Ich freue mich auf die großen Stadien wie Leipzig oder Magdeburg", sagt Sandra Blumenthal nach ihrer Einstufung in die Herren-Regionalliga. Der Lohn für gute Leistungen und Ehrgeiz. Gute Leistungen, weil die 29-jährige in ihrer ersten Bundesliga-Saison bei den Frauen überzeugte. In einer inoffiziellen Rangliste aller Unparteiischen dieser Liga belegte der Neuling aus der Prignitz einen sehr guten 6. Platz. Dazu kam, dass sie vom Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) als drittbeste Schiedsrichterin der Herren-Oberliga ausgezeichnet wurde.

Es folgte der NOFV-Schiedsrichter-Lehrgang 2012 an der Landessportschule des LSB in Osterburg (Sachsen-Anhalt) für alle Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sowie Beobachter des NOFV. Dort bestand Sandra Blumenthal auch den FIFA-Test ("Ich hatte dafür trainiert."). Hier gilt es, 6 x 40 m Sprints in jeweils weniger als 6,2 Sekunden (Männer) bzw. 6,8 Sekunden (Frauen) sowie zehn Runden Intervall-Läufe über 150 m/50 m (Männer 30/35 sek. und Frauen 35/45 sek.) zu absolvieren. Am Lehrgangsende erfuhr sie von ihrem "Aufstieg".

"Es ist alles ein Traum. Aber jetzt muss ich mich auch beweisen, stehe jedes Spiel unter Beobachtung", beschreibt die Pritzwalkerin ihre neue Aufgabe. Klingt nach Respekt. Bedarf eine Regionalliga-Partie besonderer Vorbereitung? "Andy Stolz ist mein Assistent an der Linie. Und er kennt als Oberliga-Schiedsrichter viele Mannschaften", freut sich Sandra Blumenthal, dass sie im Vorsitzenden des Prignitzer Schiedsrichterausschusses eine Stütze hat. Und in der Vorbereitung auf ein Spiel will sie sich schon über die Mannschaften informieren.

Informieren schön und gut, was aber passiert auf dem grünen Rasen? "Der Frauenbonus ist jetzt weg. Die Spieler sind ausgebufft und schreien dich an. Da ist es wichtig, dass du während der Partie viel Kontakt mit ihnen hast und sprichst. So wirst du akzeptiert", nennt die ehemalige Fußballerin (Pritzwalk, Schwerin, Wittenberge) ihr Rezept.

Ob es wirkt, das konnte Sandra Blumenthal, die - auch wenn sie mal in den Kreis der bezahlten Unparteiischen aufrücken würde - nie ihren Job aufgeben würde, vor einigen Wochen halbwegs testen. Da stand sie an der Seitenlinie beim Testspiel Hansa Rostock gegen den VfB Stuttgart. "Es war nur ein Freundschaftsspiel, aber ich habe mich schon selbst etwas unter Druck gesetzt. Insgesamt konnte ich viele Eindrücke sammeln", schildert sie dieses Erlebnis.

In fünf Spielzeiten bis zur Schiedsrichterin in der Frauen-Bundesliga und in der Herren-Regionalliga - die Karriere von Sandra Blumenthal verlief bislang steil nach oben. "Ich kann es manchmal nicht glauben, dass in fünf Jahren geschafft zu haben", beginnt sie den Versuch einer Erklärung. "Das Talent kommt sicher auch durch das Fußballspielen, Andy Stolz hat mich sehr unterstützt, ist so etwas wie mein Ziehvater. Dazu halte ich mich für kritikfähig, habe mir einige Dinge selbst angeeignet und bin durch die Spiele, die ich gepfiffen habe, gereift", setzt sie fort.

Auch wenn sie mal nicht auf dem grünen Rasen steht und pfeift, spielt der Fußball dennoch eine große Rolle bei Sandra Blumenthal. Nicht zuletzt wegen ihres Bruders Kevin, der für Oberligist Malchow spielt und dessen Auftritte sie gern verfolgt. Kevin Blumenthal war auch mal Schiedsrichter, dann aber wollte er, so die Aussage von Sandra, "doch lieber wieder Fußballspielen". Bruder und Schwester verstehen sich gut. Das gilt ebenfalls für den Rest der Familie.Und die gibt Sandra Blumenthal Kraft. Vielleicht für den nächsten Sprung auf der Karriereleiter…


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