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Prozess: Brandserie Ludwigslust / Schockemöhle : Der Feuerteufel vom Gestüt

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Als Feuerteufel soll er den Südwesten Mecklenburgs über Monate in Atem gehalten haben. Bis er im März 2011 auf frischer Tat beim Zündeln ertappt wurde: Fabian T., 22 Jahre alt, zur Tatzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr.

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erstellt am 24.Jan.2012 | 08:18 Uhr

Schwerin | Als Feuerteufel soll er den Südwesten Mecklenburgs über Monate in Atem gehalten haben. Bis er im März 2011 in Ludwigslust auf frischer Tat beim Zündeln ertappt wurde: Fabian T., 22 Jahre alt, zur Tatzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr und in der Ausbildung bei Pferdezüchter Paul Schockemöhle. Auf dem Gut des einstigen Weltklasse-Springreiters bei Neustadt-Glewe haben im November 2010 und Januar 2011 Strohvorräte in Größenordnungen gebrannt. Allein dafür beträgt der Sachschaden laut Staatsanwaltschaft rund 260 000 Euro. Für alle sieben Brände aus der Anklage hat die Behörde einen Gesamtschaden in Millionenhöhe ausgerechnet.

Eigentlich sollte der Prozess um Fabian T. als Hauptangeklagten längst abgeschlossen sein. Im Herbst hatten er und zwei Altersgefährten bereits wegen dieser Brandserie auf der Anklagebank im Landgericht Schwerin gesessen. Doch nach drei Verhandlungstagen war eine Richterin erkrankt. Der Prozess platzte im Oktober und beginnt nun - mehr als ein Vierteljahr später - wieder ganz von vorn. Fabian T. ist inzwischen aus der Untersuchungshaft entlassen und vorerst auf freien Fuß gesetzt worden.

Wie schon beim ersten Mal räumte er auch gestern fünf Brände ein, darunter zwei in der ehemaligen Schlossgärtnerei und den in einer früheren Schwerhörigenschule in Ludwigslust. Als Anfang Februar in der Stadt ein Teppichmarkt in Flammen aufging, soll ihm ein heute 21-jähriger Angeklagter zur Seite gestanden haben. Dieses Großfeuer hatte Fabian T. eilfertig selbst gemeldet. Seinen Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr fiel dabei auf, dass er Details von dem Brand wusste, die nur ein Täter kennen konnte. Das machte ihn verdächtig. Die Ermittler hörten von nun an seine Telefongespräche mit und verfolgten dank moderner Technik seine Fahrradtouren. Im März erwischten sie ihn, als er gerade dabei war, in Ludwigslust eine leerstehende Poliklinik abzufackeln. Das konnten Polizei und Feuerwehr gerade noch verhindern. Fabian T. kam in Untersuchungshaft. Auch wenn nie Menschen zu Schaden kamen, erwarten ihn bei einem Schuldspruch mehrere Jahre Haft.

So unumwunden er die fünf Brände zugibt, so hartnäckig weist er die Schuld im Fall Schockemöhle von sich. Auch gestern wieder. Bei beiden Bränden auf dem Anwesen seines damaligen Arbeitgebers habe er lediglich seinem 23-jährigen Kumpel geholfen, die Schutzplanen von den mehrere Meter hohen Strohballen zu ziehen. Gezündelt habe der dann ganz allein. Aus Rache, weil er nach einem Praktikum nicht von Schockemöhle übernommen worden sei. Im Gegensatz zu ihm - Fabian T., der nach eigenen Angaben eine Ausbildung als Agrar-Fachkraft begonnen hatte.

Der 23-Jährige, der als dritter Mann im Bunde auf der Anklagebank sitzt, bestreitet diese Version. Mit dem Brand im November habe er nichts zu tun. Und im Januar habe er Fabian T. auf dessen Bitten zwar nachts in Tatortnähe gefahren, wo T. minutenlang ins Dunkle verschwunden sei. Aber was der dort getrieben hat, das wisse er nicht. Er habe im Auto gewartet und dann auch nicht gefragt.

Beide Versionen scheinen die Richter noch nicht zu überzeugen. Sie fragen immer wieder nach. Zumal Fabian T. in früheren Vernehmungen auch die Brände bei Schockemöhle eingeräumt und einen "Adrenalinkick" als Motiv angegeben hatte. "Es kribbelt" hatte er geantwortet, als der Vernehmer ihn fragte, was er beim Anblick des Feuers empfand. Bereits 2009 hatte T. einen Baum im Schlosspark von Ludwigslust abgefackelt und ist dafür wegen Sachbeschädigung verurteilt worden. Ein psychiatrischer Sachverständiger soll nun im Prozess darüber aufklären, was den Förderschüler mit Hauptschulabschluss bei den Brandstiftungen antreibt.

Auf der Anklagebank sitzt noch ein vierter Mann, der mit den Brandstiftungen offenbar nichts zu tun hat. Er soll mit dem Trio einen schweren Diebstahl begangen haben - Solarplatten im Wert von 6000 Euro, die ebenfalls im Besitz der Firma Schockemöhles waren. In dem Prozess sollen noch mehrere Zeugen und Sachverständige gehört werden. Am 6. Februar wird voraussichtlich das Urteil gesprochen.

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