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Krakow am See : Der Feind ist schwarz und liebt Fisch

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Der Feind ist schwarz, knapp gänsegroß, hat einen Hakenschnabel, lebt in Kolonien und ist ein großer Fischliebhaber. Am liebsten mag er Aal. In der Expertenrunde sprachen alle anfangs nur vom "schwarzen Vogel".

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erstellt am 13.Apr.2012 | 07:27 Uhr

Krakow am See | Der Feind ist schwarz, knapp gänsegroß, hat einen Hakenschnabel, lebt in Kolonien und ist ein großer Fischliebhaber. Am liebsten mag er Aal. In der von Bürgermeister Wolfgang Geistert einberufenen Expertenrunde, in der es um Angeln und Fischen auf dem Krakower See ging, sprachen alle anfangs nur vom "schwarzen Vogel", bis Naturschützer Wolfgang Neubauer forderte: "Nennen wir ihn doch beim Namen: Es geht um den Kormoran."

"Wenn See seinen guten Ruf verliert, bleiben Angler aus"

Vor drei Jahrzehnten fast ausgestorben, erfreut er sich dank zahlreicher Schutzmaßnahmen einer steigenden Population. Knapp 24 000 Brutpaare lebten 2010 in Deutschland, antwortete die Regierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es derzeit etwa 8000 Paare, am Krakower Obersee hat der Ornithologe Neubauer im vergangenen Jahr 747 Brutpaare gezählt - Tendenz steigend. Mit seinem täglichen Appetit von zirka einem halben Kilo Fisch, in Brutzeiten oft noch mehr, wird er zum Problem. "Angler und Fischer sitzen im gleichen Boot und wollen das Gleiche: Fische fangen. Wenn das nicht gelingt, sind beide sauer", brachte es Guido Thieß, Geschäftsführer der Bimes Binnenfischerei GmbH, die den Krakower See bewirtschaftet, auf den Punkt. Wolfgang Geistert erinnerte an die touristische Bedeutung für die Region. "Wenn der See seinen guten Ruf verliert, bleiben die Angler aus." Deshalb die Krisensitzung, die nach Lösungen, wie der Kormoran-Bestand reduziert werden könnte, suchen sollte.

Es gäbe verschiedene Möglichkeiten, die Vögel zu vergrämen, meinte Andreas Schlüter vom Landesfischereiverband. Beispielsweise, sie mit Lasergeräten aus den Nestern zu vertreiben und so die Eier zu unterkühlen. Den gleichen Effekt könne man mit Trockeneis erreichen. Einig war er sich mit Neubauer: Kormorane abschießen, bringt kaum etwas. Das Problem aller Gegenmaßnahmen aber ist: Sie sind zu teuer und dürfen nicht überall angewandt werden. In Naturschutz- oder Vogelschutzgebieten wie dem Krakower Obersee ist solcher Eingriff sowieso verboten. "Mecklenburg-Vorpommern hat eine Kormoran-Landesverordnung, die stellt den Vogel voll unter Schutz", berichtete Schlüter.

Für Volker Stelzl stellte sich die Frage, ob die Bimes den See ausreichend bewirtschafte. Früher, als das Gewässer intensiv bewirtschaftet worden sei, habe es die Kormoran-Probleme nicht gegeben. "Der Fisch ist einfach nicht mehr da", hielt Thieß dagegen. Die Bimes führe regelmäßig vom Land geforderte und auch kontrollierte Besatzmaßnahmen durch, besonders beim Aal. "Aber er braucht nun mal neun bis zehn Jahre, um zum Speiseaal zu werden", sagte Thieß. Und in dieser Zeit drohe ihm viel Gefahr vom Kormoran.

Die Runde einigte sich schließlich darauf, dass nur die Politik wirksam Abhilfe schaffen könne. So soll das Problem demnächst an die fischereipolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen und an den Agrarausschuss herangetragen werden. "Wenn sich nichts ändert, steuern wir auf eine Katastrophe zu", prophezeite der Mann vom Landesfischereiverband.


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