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Junge wieder aufgetaucht : Der Fall Jeremie ist noch nicht gelöst

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Nach der Flucht aus einem Wanderzirkus in Lübtheen ist der elfjährige Jeremie wieder aufgetaucht. Der Ausreißer wurde gestern in eine kinderpsychologische Einrichtung in Hamburg gebracht. Wo der Junge war, blieb unklar.

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2012 | 06:20 Uhr

Hamburg/Lübtheen | Nach 30 Tagen der Ungewissheit ist Jeremie wieder da. Die Großeltern gaben den elfjährigen Ausreißer gestern in die Obhut der Hamburger Behörden - und machten damit der wochenlangen Suche ein Ende. Das Pflegekind war nach einer Aufsehen erregenden Flucht aus einem Wanderzirkus in Mecklenburg-Vorpommern wie vom Erdboden verschluckt. Dass der Junge nun kurz vor Heiligabend anscheinend wohlbehalten aufgetaucht ist, sorgt für große Erleichterung. Doch viele Fragen bleiben offen. Wo zum Beispiel war Jeremie in den vergangenen vier Wochen? Darauf hat das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte bisher keine Antwort. "Das sind alles Sachen, die geklärt werden müssen", heißt es vage.

Die Ermittler vermuteten ihn von Anfang an in Hamburg, im Umfeld seiner weit verzweigten Familie. Doch bei der Fahndung nach dem Jungen klingelte die Polizei an etwa 25 Wohnungstüren - ohne Erfolg.

Jeremie war wegen der Drogensucht seiner Mutter bei den Großeltern aufgewachsen. Auch dort gab es jedoch Probleme, das Familiengericht nahm ihnen das Sorgerecht weg. Vor knapp zwei Jahren kam der Junge zu dem Wanderzirkus - zu einer Zirkusfamilie, die bereits sieben eigene Kinder hat. Das Jugendamt Hamburg-Mitte ließ ihn dort über einen auswärtigen Träger der Jugendhilfe, den Neukirchener Erziehungsverein, unterbringen - für rund 7400 Euro im Monat. Nach Jeremies Flucht werden diese Einzelheiten nach und nach bekannt - und sorgen für hitzige Diskussionen. Im Fokus der Kritik: Wie kann es sein, dass ein schwieriger Elfjähriger in einem Wanderzirkus untergebracht wird? Warum sind die Kosten dafür so hoch? Und wie genau werden solche Problemkinder überhaupt pädagogisch betreut? Schon Jeremies Verschwinden hatte Fragen aufgeworfen. Zunächst hieß es, er sei mit dem Kleintransporter der Zirkusfamilie gut 100 Kilometer von Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg gefahren. Das Bezirksamt vermutete aber schnell, dass das Kind dabei Hilfe von einem Erwachsenen bekam. "Die genauen Hintergründe kennen wir noch nicht", sagt Sprecherin Sorina Weiland. Die wichtigste Frage aber ist: Wie geht es weiter mit Jeremie? "Wir stehen mit einer größeren Zahl von Hamburger Einrichtungen in Kontakt, was die weitere Unterbringung angeht", betont Weiland. Die Großeltern sollten in die Entscheidung einbezogen werden. Bevor der Junge in den Wanderzirkus kam, hatten mehrere Hamburger Träger seine Aufnahme abgelehnt. Die nächsten Tage soll der Elfjährige noch in einer kinder- und jugendpsychologischen Einrichtung verbringen.

Der Auslöser für seine Flucht soll übrigens ausgerechnet Weihnachten gewesen sein. Die Großmutter hatte behauptet, das Amt habe verboten, dass Jeremie die Festtage mit ihnen verbringen darf. Wo er nun Heiligabend feiert, blieb zunächst unklar.

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