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Ludwigslust : Der Blender schnappt blitzschnell zu

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Die Täter sind in aller Regel kriminelle Profis, denen man ihre Raubzüge auf den ersten Blick nicht zutrauen mag. Die Trickdiebe haben verschiedenste Maschen auf Lager, um an das Bargeld von Menschen zu gelangen.

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erstellt am 24.Apr.2012 | 10:06 Uhr

Ludwigslust | Die Täter sind in aller Regel kriminelle Profis, denen man ihre folgenschweren Raubzüge auf den ersten Blick nicht zutrauen mag. Die Trickdiebe haben verschiedenste Maschen auf Lager, um an das Bargeld von meist älteren Menschen zu gelangen, weiß Polizeihauptkommissar (PHK) Klaus Wiechmann von der Ludwigsluster Inspektion. Aktuell versuchen es die Ganoven mit dem Heizungskontrolltrick, doch auch der Enkeltrick über ein Telefonat wird immer wieder gewagt.

Klingelt solch ein Trickdieb an der Haustür von Brigitte Timmermann in Ludwigslust, dann kann er froh sein, dass die resolute Frau ihn nicht gleich selbst entlarvt. Vor kurzem stand der 70-jährigen Rentnerin solch ein gewiefter Dieb gegenüber. "Nach dem Klingeln an der Haustür hab ich selbstverständlich geöffnet. Mich begrüßte ein sympathischer junger Mann, so Mitte 30. Sein Anliegen, die Heizung im Auftrag der Stadtwerke überprüfen zu müssen, ergab durch seinen blauen Monteursanzug für mich ein glaubhaftes Bild. Doch ich blieb vorsichtig. Menschen, die ich nicht kenne, lasse ich nicht in die Wohnung", erzählt die gehbehinderte, belesene Ludwigslusterin.

Und doch übertölpelte der Dieb die Rentnerin. Als sie nämlich nach dem Dienstausweis fragte, hielt er ihr ein Stück Papier für Sekunden vor die Nase, das so ähnlich wie ein Ausweis ausgesehen hat, gab die leicht sehbehinderte Rentnerin diese Nachlässigkeit zu. Dieser Trick hatte funktioniert. Und doch musste der Täter Minuten später unverrichteter Dinge die Flucht ergreifen: Der bislang immer noch nicht ertappte Trickdieb wollte sich alle Heizungen in der Wohnung ansehen, doch es störte ihn auffällig, dass Wohnungsinhaberin Timmermann ihm auf Schritt und Tritt auf den Fersen blieb. Auch was er suchte, nämlich eine Geldbörse, Bares irgendwo "sicher versteckt", Scheckkarten und Sparbücher, all das blieb ihm verborgen. So folgte der nächste Griff in seine Trickkiste: Er bat die Rentnerin recht resolut, ihm einen 50 Euro-Geldschein zu wechseln, ohne selbst solch einen zu zücken und sichtbar in die Hand zu nehmen.

Brigitte Timmermann empfand die ganze Situation mehr als verdächtig und ergriff nun selbst die Initiative. Sie forderte den Eindringling auf, die Wohnung zu verlassen, rief zudem nach einem im Haus arbeitenden Bauarbeiter. Das war das Startsignal für den Trickdieb, um fluchtartig das Haus zu verlassen und unerkannt zu flüchten.

Das Ziel für jeden dieser Kriminellen ist es, die Stellen in einer Wohnung auszuspionieren, an denen Bargeld und andere, für den Dieb lohnende, Wertgegenstände aufbewahrt werden, warnt PHK Wiechmann vor zu viel Vertrauensvorschuss. Hat der Blender erst einmal dieses Versteck entdecken können, greift er in einem unbeobachteten Moment blitzschnell zu. Meist hat er die gutgläubigen, älteren Wohnungsinhaber zuvor unter einem Vorwand in einen anderen Raum geschickt.

Diese Masche ist ein uralte, die jedoch immer wieder erfolgreich von diebischen Betrügern verwendet wird, weiß Klaus Wiechmann. Allerdings ist das effektivste Mittel gegen diese im Umgang mit Menschen erfahrenen Täter auch ebenso simpel: Vorsicht schon vor dem Öffnen der Haustür walten lassen, den Ausweis vor dem Betreten der Wohnung verlangen und genau prüfen, besser noch, bei der Firma anrufen und sich vergewissern. In der Wohnung den Fremden nie aus den Augen lassen. Nie zu erkennen geben, wo Wertgegenstände zu finden sind. Bei einem Verdacht die Polizei informieren, auch wenn der Täter das Haus bereits verlassen hat. Fast ohne Ausnahme werden Wartungs- und Ablesetätigkeiten in Wohnungen von den Betrieben angekündigt, lautet der warnende Hinweis der Polizei. Und gleich dafür bar abkassieren, das gehört der Vergangenheit an. Ein Tipp: Soll ein Fremder doch in die Wohnung gelassen werden, kann auch der Nachbar ein starker Partner sein.

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