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Interview Rainer Tietböhl : „Der Bauer ist der Buhmann“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bauernpräsident Rainer Tietböhl zieht Schlussstrich nach zehn Jahren. Es bleiben viele Aufgaben für Landwirte und neuen Vorstand.

von
erstellt am 08.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Heute werden die Karten beim Landesbauernverband neu gemischt. Ein neuer Vorstand wird in Neubrandenburg gewählt und auch ein neuer Präsident. Rainer Tietböhl tritt nämlich nicht noch einmal an. Über alte Ziele, Fehler und Erfolge sprach Katja Müller mit dem noch amtierenden Bauernpräsidenten.

 

2006 wurden Sie zum Präsidenten gewählt. Momentan sieht es in der Landwirtschaft nicht gut aus. Wie kam es zu dieser Schieflage?

Klar ist, dass wir jetzt in der Landwirtschaft an einem Tiefpunkt sind, den wir so in den vergangenen 25 Jahren nicht erlebt haben. Die Preise für Milch, Schweinefleisch, Geflügel und Getreide sind im Keller. Und auch der Ruf der Landwirtschaft hat gelitten. Glücklicherweise war es ja nicht die ganze Zeit so. Wir haben aber auch viele Dinge geschafft und an manchen sind wir gescheitert.

Welche Fehler gehen auf Ihr persönliches Konto?

Ich wollte immer, dass wir nicht so viel Bürokratie bekommen und sich die Zeiten am Schreibtisch für die Landwirte reduzieren. Wir haben zusammen mit dem Landwirtschaftsminister immer versprochen, das schaffen wir ab. Es hat nicht geklappt.

Ein großes Thema ist derzeit der Milchpreis: Die Milchbauern fahren nur Verluste ein. Wie lässt sich das Problem lösen?

Bisher hat der Markt es hergegeben, dass die Landwirte es mit anderen Produktionszweigen ausgleichen konnten. Das ändert sich jetzt. Deshalb muss dieses sinnlose Produzieren der Milch aufhören – die Bauern müssen das klären.

Aber ist es nicht Aufgabe des Bauernverbandes, in so einem Fall zu vermitteln?

Jein. Wir können Wege aufzeigen, aber so lange Landwirte denken: ,Hoffentlich geht mein Nachbar vor mir kaputt’, können wir auch nichts tun.

Würde die Wiedereinführung der Milchquote Entlastung schaffen?

Nein. Es müssen alle so viel produzieren, wie auch von den Molkereien verbraucht wird. In zwei Jahren muss das geschafft sein, sonst ist so viel Vermögen vernichtet, dass sich die Landwirtschaft davon nicht mehr erholt. Auf jeden Fall ist das ein Thema, mit dem sich der neue Vorstand beschäftigen muss.

Welche weiteren großen Aufgaben werden Sie dem neuen Bauernpräsidenten ans Herz legen?

Die öffentliche Meinung zur Landwirtschaft ist total verrückt. Der Bauer ist der Buhmann. Er soll dafür sorgen, dass alle satt werden, es bezahlbar bleibt, aber am liebsten mit Methoden wie vor 100 Jahren. Das geht doch nicht. Um das wieder ins Lot zu bringen, ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit nötig. Auch neue Medien sind ein wichtiges Thema, um die nachwachsenden Generationen zu erreichen.

Reichen dafür die jetzigen Leistungen des Bauernverbandes und eine Facebook-Seite aus?

Ich denke nicht. Der Verband muss mehr machen. Wir bringen uns stark im Forum Moderne Landwirtschaft ein.

Es ist neben der Verbandsarbeit eine Plattform, die zeigt, wie wir unsere Flächen bewirtschaften. Die politische Arbeit wird auf Verbandsebene gemacht.

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit des Landwirtschaftsministers?

Wenn ich mir Deutschland anschaue, haben wir noch einen Minister mit Sachverstand, der auch weiß, wovon er redet. Bei vielen Gesetzesänderungen hat er sich für uns Landwirte eingesetzt. Nur wie gesagt, der Grad an Bürokratie muss weniger werden.

Was wünschen Sie sich für den Verband?

Dass mehr Landwirte sich anschließen. Derzeit sind es nicht einmal 70 Prozent. Ich wäre mit 75 schon zufrieden. Denn alles, was wir als Bauernverband erkämpfen, gilt unterm Strich auch für alle Landwirte im Land.

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