zur Navigation springen

Museum geht nach Rostock : Der archäologische Deal

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Rennen um das Museum für Archäologie machte am Ende Rostock das Rennen – war das nicht längst klar?

von
erstellt am 13.Apr.2017 | 06:25 Uhr

Bis Anfang der 90er hatte es sein Zuhause im Schweriner Schloss, dann war es im Staatlichen Museum in Schwerin untergebracht, dann gab es zumindest noch einmal eine Ausstellung in der Landesbibliothek, doch jetzt verschwindet das Archäologische Landesmuseum gänzlich aus Schwerin – sehr zur Freude Rostocks. Dort kommt es hin, das hat am Dienstagabend der Koalitionsausschuss beschlossen.

Rostock hatte sich intensiv beworben. Sogar mit Plakaten in Schwerin. Dort war die Enttäuschung gestern groß. Die Kultur-Expertin der CDU-Stadtfraktion Susanne Herweg: „Fest steht, dass sich die Hansestadt in den letzten Jahren stark für das Museum eingesetzt hat. So ein Engagement hätte ich mir auch von unserem Kulturdezernenten und seiner Vorgängerin gewünscht.“ Kritik an Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) und Angelika Gramkow (Linke) – der OB reagiert staatsmännisch: „Die Entscheidung ist für Schwerin bedauerlich, aber wir sind faire Verlierer. Mir persönlich ist es wichtig, dass die Exponate endlich einen würdigen Ausstellungsrahmen bekommen.“ Seit Jahren versucht man in Schwerin ein Stadtgeschichtsmuseum auf die Beine zu stellen, vergeblich.

In Rostock dagegen ist man viel weiter. Es gibt nicht nur die große Kampagne „Der Schatz braucht Platz“ aus dem vergangenen Jahr und eine neue Professur für Ur- und Frühgeschichte, auch ein Museumsstandort ist mit der Societät am Steintor längst avisiert. Das Land muss nur noch investieren. Von 20 Millionen Euro ist die Rede. Zuletzt war es möglicherweise ein Deal zwischen dem Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD), der die Professur genehmigte, und OB Roland Methling (parteilos), der das Umfeld für die Bewerbung schuf (Kommentar).

Der Rostocker Oberbürgermeister freute sich gestern nicht nur über die Entscheidung, sondern sagte dem Land auch jede Unterstützung zu: „Gemeinsam werden wir das Museum zu einem Ort der Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus machen.“ Selbst die Linke im Landtag lobte die Koalition: „Endlich hat das unwürdige Gezerre um den Standort ein Ende“, sagte Eva-Maria Kröger – Mitglied im Kulturausschuss der Bürgerschaft der Hansestadt. Sie sieht in der Wahl ihrer Heimatstadt das Ende einer Ungleichbehandlung: Städte wie Schwerin mit dem Staatlichen Museum, Greifswald mit dem Vorpommerschen Landesmuseum und Stralsund mit dem Meeresmuseum seien seit Jahren im Vorteil.

Die Auswahl des neuen Standortes erfolgte aus neun Bewerbern, auch Schwerin stand auf der Kandidatenliste. Seit 20 Jahren wurde ein Standort für das neue, alte Museum gesucht. Ganze Schatzhallen hat das Land angemietet. Von Millionen an Fundstücken ist die Rede. 25 000 Stücke sind registriert. Ein Zentraldepot wird ab Herbst jedoch in Schwerin gebaut.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen