Der alte Mann und die See

Bei den Proben für  'Der Alte Mann und das Meer' auf Rügen. Schauspieler Horst Janson (r.) spielt  die Hauptrolle.
Bei den Proben für "Der Alte Mann und das Meer" auf Rügen. Schauspieler Horst Janson (r.) spielt die Hauptrolle.

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21. Juli 2010, 07:21 Uhr

Kap Arkona | Mühsam klettert der alte Mann die steile Treppe hinab in den Leuchtturmwärtergarten am Kap Arkona. Das Segel geschultert schreitet er auf der improvisierten Freilichtbühne im Norden der Insel Rügen zu einem seiner größten Auftritte. Horst Janson, 74 Jahre alt und kein bisschen müde, spielt in diesem Sommer den Fischer Santiago im Hemingway-Klassiker "Der alte Mann und das Meer".

Die Novelle über den kubanischen Fischer, der aufs Meer hinaus fährt und drei Tage lang allein mit einem gigantischen Schwertfisch ringt, habe ihn schon als Jugendlichen fasziniert, sagt Janson. Die Verfilmungen mit Spencer Tracy oder Anthony Quinn in der Hauptrolle habe er unzählige Male gesehen. "Ich habe nie zu träumen gewagt, dass ich einmal diese Figur verkörpere", sagt der Darsteller, der daheim gern mit einem alten Schärenkreuzer über den Starnberger See segelt.

Das Angebot zu der Rolle kam vor einem Jahr. Da hatte Janson, der schon mit Liselotte Pulver, Tony Curtis und Richard Burton vor der Kamera stand, gerade die Störtebeker-Festspiele auf Rügen besucht, um seine Tochter Sarah-Jane in der Rolle als Johanna von Gloucester zu sehen. In Ralswiek traf Janson auf den Berliner Regisseur Jens Hasselmann, der ihm von der Idee erzählte, die Hemingway-Geschichte auf die Bühne zu bringen.

Wenige Monate später war die Sache perfekt. Hasselmann, der 2007 zusammen mit der Berliner Sängerin Marie-Luise Gunst das Theaterprojekt "Die Tonabnehmer" gegründet hatte, schrieb ein musikalisches Bühnenstück. Von der US-Agentur Lazarus & Harris als Rechteinhaber vieler Hemingway-Werke erhielt er die Genehmigung - und die Bestätigung, dass es die weltweit erste Bühnenfassung des Klassikers sein wird.

In der Inselgemeinde Putgarten fand Hasselmann den passenden Partner für das neue Sommer-Open-Air. "Ursprünglich hatten wir vor, das Stück am Ufer des alten kleinen Fischerdorfs Vitt aufzuführen", erzählt Bürgermeister Ernst Heinemann. Doch der idyllische Küstenfleck, an dem Regisseur Hasselmann schon in Kinderjahren mit alten Fischern hinaus aufs Meer gefahren war, erwies sich als bühnentechnisch wenig geeignet. Bedenken von Anwohnern, Umweltauflagen und akustische Probleme führten schließlich zur Verlegung in den etwas besser geschützten Leuchtturmgarten am Kap der Insel.

Gefördert von der Kulturstiftung Rügen und einem Verein entsteht derzeit in einem von alten Obstbäumen gesäumten Areal ein Theater mit zwei Tribünen für 250 Zuschauer. Im Hang vor der Kulisse der beiden Leuchttürme haben Handwerker die kleine Hütte des alten Fischers und die Roman-Bar "Terrass" aufgebaut. In der Bühnenmitte sitzt der alte Fischer in einem Fischerbott auf einem künstlichen Meer und kämpft, die Angelschnur in den blutigen Händen, mit dem riesigen Schwertfisch.

Ab 30. Juli wird Janson zehn Abendvorstellungen geben. In der Rolle des kleinen Jungen Manolin sind abwechselnd Malte Gunst aus Dresden und der Rüganer Julius Kurth zu erleben, der schon als Sechsjähriger beim Störtebeker-Spektakel auf der Bühne stand. Die Bardame Martine gibt Marie-Luise Gunst, die als Erzählerin und Sängerin durch die Handlung führt. Begleitet wird sie von fünf Musikern mit Kontrabass, Percussion, Akkordeon und Gitarre. Passend zum Stück lädt am Kap eine "Bodega del Medio" zu karibischen Cocktails und traditionellem Essen der kubanischen Fischer ein: schwarzer Reis mit Bohnen und gebratenen Bananen.

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