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Gastbeitrag : Den Zug verpassen – oder ihn führen!

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gastbeitrag von Claus Ruhe Madsen, Präsident der IHK zu Rostock

svz.de von
erstellt am 17.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Wir brauchen Mut, auch hier in Mecklenburg-Vorpommern. Mut zu Visionen, Mut zu Veränderungen. Der Ausbau von mobilen Netzen, Glasfaserkabel und E-Government ist nur die Grundlage für Veränderung. Wie sieht unsere Vision für Mecklenburg-Vorpommern aus?

Ich habe eine klare Vorstellung: Lassen Sie uns zum Land der Roboter und Künstlichen Intelligenz werden, den Fokus lenken auf ein Zukunftsthema, das zweifelsohne kommt.

Liebe Ministerpräsidentin Schwesig, stellen Sie Ressourcen bereit, machen Sie die neuen Technologien zur Chefsache. Bilden Sie ein Ministerium für Robotik und Künstliche Intelligenz. Robotik und Künstliche Intelligenz kommen, ob wir wollen oder nicht, sie rollen auf uns zu wie ein Zug. Man kann sich vor den Zug stellen, mitfahren oder Lokführer werden. Lassen Sie uns die Entwicklung nicht abwarten, sondern prägen wir sie mit.

Vielleicht haben wir nicht das Geld, um international vorne im Bus zu sitzen, wir können aber die Karten spielen, die wir haben. Wir können pragmatisch handeln und gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen für „Roboter-Testgebiete“ für Firmen.

Wir können Regionen schaffen, in denen autonomes Fahren und Drohnen erlaubt sind. Schaffen wir ein Cluster für Robotik.

In Odense, Dänemark, hat man ein Gewerbegebiet für Robotik geschaffen, dort haben sich mittlerweile über 100 Firmen angesiedelt, sie lernen voneinander, entwickeln miteinander. Mit jährlichen Zuwachsraten von 40 Prozent spricht der Erfolg für sich.

Lassen Sie uns gezielt Start-ups aus den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz fördern. Wir haben bereits Hochschulen mit Lehrstühlen für Informatik sowie ein Fraunhofer Institut, zudem den renommierten Bereich des Maschinenbaus. Wir haben Häfen und Industriegebiete, wir haben Platz.

Lassen Sie uns mit einfachen Beispielen Signale setzen: Warum nicht in Behörden und Verwaltungen Hilfsroboter und Begrüßungsroboter einstellen? Pilotprojekte mit autonomem Fahren im ÖPNV im ländlichen Raum starten? In der Wirtschaftsförderung Firmen und Konzerne aus diesen Bereichen ansprechen und Kampagnen zum Thema Robotik fahren?

Geht es der Gesellschaft sehr gut, gibt es viele sichere Jobs. Das hat zur Folge: Immer weniger Menschen wollen sich selbständig machen.

Natürlich haben wir als Unternehmer zeitfressende Aufgaben, die nicht im Unternehmerfokus stehen sollten: Wir füllen Statistiken für verschiedene Behörden aus. Unsere Gesellschaft bewegt sich in manchen Bereichen des Verbraucherschutzes weg vom vernünftigen Menschenverstand hin zur Überregulierung.

Es gibt Bürokratieabbaugesetze, doch wie man es auch wendet und dreht: Bürokratie für Unternehmer nimmt zu – auf EU-, Bundes- oder Landesebene. Die Wirtschaft hat konkret umsetzbare Vorschläge zum Bürokratieabbau. Die beste Form der Wirtschaftsförderung ist Entlastung von Bürokratie. Was die Wirtschaft entlastet, gibt Raum fürs Kerngeschäft, verhilft zu mehr Gewinn und zu mehr Steuereinnahmen.

Doch: Neue Regierungen beschließen eher neue Gesetze als dass sie alte abschaffen. Gesetze, die nicht Schwerkriminalität betreffen, sollten mit einer Ablaufzeit versehen, zumindest regelmäßig auf Tauglichkeit überprüft werden. Die neue EU muss sich auf Kernthemen des europäischen Gedankens fokussieren: Stärkung des Binnenmarktes, Angleichung von Unternehmenssteuern. Schaffung von Normen. Nicht die Körnung des Sandes im Spielkasten regeln, sondern zum Beispiel gleiche Stecker in allen europäischen Ländern. In Brüssel liegt der Schlüssel zum Bürokratieabbau für alle Länder und Regionen. Wir müssen die europäische Dame um einige Paragraphen und Verordnungen erleichtern, dann wird sie wieder attraktiver für die Europäer.

Zum Unternehmertum zählt glücklicherweise nicht nur Bürokratie. Mit positiven Beispielen können wir junge Menschen davon überzeugen, Unternehmer zu werden. Denken Sie daran: Wenn der Bauer jedes Jahr erzählt, dass die Ernte schlecht war und die Preise zu niedrig sind, wer will dann noch Bauer werden? Das Schönste am Erfolg ist nicht der Erfolg selbst, sondern der Weg dorthin, es sind die Herausforderungen, die man meistert.

Als Unternehmer stürzt man sich ins kalte Wasser, auf zu neuen Ufern. Kaum angekommen, blickt man nach neuen Horizonten. Wir sind Unternehmer geworden, weil wir es wollten, weil es uns wunderbare Freiheiten gibt, Freiheiten, selber zu entscheiden, selber zu gestalten. Freiheit, die unbezahlbar ist. Unseren Weg zum Erfolg zu suchen, unser Schicksal selber in die Hand zu nehmen, ausgerüstet mit unserem eigenen Kompass.

Ich habe großartige Mitarbeiter. Wir sind wie eine Familie und das gilt so für viele Firmen im Land. Ein Unternehmen zu führen ist großartig. Ich würde mit niemandem tauschen. Unternehmer genießen in der Gesellschaft Anerkennung. Wir schaffen Arbeitsplätze und sorgen für Steuereinnahmen.

Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer: Vergessen Sie nicht, wie wichtig es ist, dass wir unser Leben selber gestalten können. Lassen Sie uns gemeinsam mit positiven Geschichten junge Menschen fürs Unternehmertum begeistern.

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