Den Wadan-Werften geht die Arbeit aus

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19. Juni 2009, 02:07 Uhr

Rostock - Den Wadan-Werften droht die Arbeit auszugehen. Wenn keine Nachfolgeaufträge nach den beiden RoPax-Fähre gewonnen werden, ist in Rostock-Warnemünde im Juli oder August Schluss, wie Rüdiger Klein von der IG Metall Küste am Freitag in Warnemünde sagte. Dort hatte der Insolvenzverwalter Marc Odebrecht die Belegschaft auf einer Betriebsversammlung über die aktuelle Situation der beiden Werften in Wismar und Warnemünde informiert.

Die Mitarbeiter hätten die Nachricht „mit Fassung“ aufgenommen, sagte Klein. In Wismar sehe die Situation nur unwesentlich besser aus. Dort reiche die Arbeit auch nur bis Anfang 2010. Klein gestand Odebrecht zu: „In der Deutlichkeit, Klarheit und Reinheit (...) hat das bisher noch keiner gesagt.“ Die Wadan-Werften beschäftigen an beiden Standorten insgesamt 2400 Mitarbeiter.

Klein kündigte für Donnerstag einen Aktionstag in Warnemünde an. „Wir wollen deutlich machen, dass wir arbeiten wollen, um hier zu leben“. Dass die „Mannschaft“ zusammenbleibt, sei auch für einen möglichen Investor wichtig. Für den sei von Interesse, was in den Köpfen der Menschen sei - das Gelände oder die Anlagen spielten keine große Rolle, meinte Klein. Es müssten aber dringend Folgeaufträge her, „sonst wird das hier zerfleddert und ausgeschlachtet.“

Der dpa vorliegenden Informationen zufolge ist auch die Finanzierung für den Bau von zwei Ropax-Fähren - kombinierten Fracht-/Passagierschiffen - für die schwedische Reederei Stena Line noch nicht endgültig gesichert. Stena Line habe die Aufträge zwar bestätigt, doch könnten Probleme mit den Zulieferern die weitere Finanzierung und damit den Weiterbau gefährden. Odebrecht sagte dazu in der Betriebsversammlung zur Situation von Wadan: „Das ist eine Werft ohne gesicherte Aufträge und ohne Liquidität.“ Am Nachmittag wollen sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) in Schwerin zum Gespräch mit Betriebsräten der Wadan-Werften und Vertretern der IG Metall treffen.

Klein zufolge sind zehn weitere, bisher aufgeführte Aufträge vakant oder durch Klauseln in den Verträgen storniert worden. Die Zahlung des Insolvenzausfallgeldes ist noch bis Ende Juli gesichert. Odebrecht suche derzeit eine Bank, die bereit sei, einen großen Massekredit zu gewähren.

Von den Wadan-Problemen sind auch mehr als 250 Zulieferer betroffen, nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind rund 10 000 Menschen in diesem Bereich tätig. Der Wismarer Zulieferer Industriereinigungsservice GmbH ist bereits zahlungsunfähig.

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