Fischotter-Monitoring : Den heimlichen Gesellen auf der Spur

Der Fischotter, der in die Verwandtschaft von Dachs und Steinmarder gehört, benötigt sehr klare, fliessende Gewässer, um sich wohlzufühlen.
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Der Fischotter, der in die Verwandtschaft von Dachs und Steinmarder gehört, benötigt sehr klare, fliessende Gewässer, um sich wohlzufühlen.

Der Fischotter, der in die Verwandtschaft von Dachs und Steinmarder gehört, benötige sehr klare, fließende Gewässer, um sich wohlzufühlen. Er ist an abwechslungsreiche Gewässer- und Uferstrukturen gebunden.

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25. Mai 2012, 05:43 Uhr

Zarrentin | "Der Fischotter, der in die Verwandtschaft von Dachs und Steinmarder gehört, benötigt sehr klare, fließende Gewässer, um sich wohlzufühlen. Er ist an abwechslungsreiche Gewässer- und Uferstrukturen gebunden. Unter anderem durch die Intensivierung der Landnutzung und Siedlungsexpansion sind in der Vergangenheit immer mehr wertvolle Lebensräume für den Fischotter verloren gegangen", bedauert Dieter Rieckhoff. Der 59-Jährige ist seit 1998 in das sogenannte Fischotter-Monitoring des Amtes für das Biosphärenreservat Schaalsee eingebunden. Und somit für eine Region von rund 200 Quadratkilometern zuständig.

Eine zweite wichtige Hauptgefährdungsursache sei heute der Straßenverkehr, dem rund 80 Prozent der tot aufgefundenen Tiere zum Opfer fallen, berichtet der gebürtige Kogeler weiter. "Wir haben im Durchschnitt pro Jahr etwa vier Totfunde an den Straßen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch noch höher sein, weil man nicht alle Fischotter findet."

Pro Quartal führt Rieckhoff seine Kontrollen durch. Im Biosphärenreservat kommt der Otter flächendeckend vor, doch genaue Zahlen zu erhalten, sei schwierig, sagt er. Das Erfassen von Nachweisen sei ebenfalls recht kompliziert, denn das Markierungsverhalten des Fischotters sei weitgehend ungeklärt. Es werde unterstellt, dass der Otter überall dort markiere, wo er vorkomme. Doch dies treffe nicht immer zu. So könne es an großen gleichförmig begradigten Flüssen oder an kleinen Verbindungsbächen und Gräben dazu kommen, dass er die Gebiete zwar nutze, was Spuren im Schnee immer wieder belegten, er diese Orte jedoch nicht durch Otterkot kennzeichne. Ein weiteres Problem könne sich ergeben, wenn der Otter aufgrund von Witterungseinflüssen andere Reviere nutze. Dies zeige sich besonders während lang anhaltender Frostperioden, wenn der Otter aus den zugefrorenen Seen in die Fließgewässer wechsele. Zudem könne die Losung des Otters bisweilen nicht eindeutig zugeordnet und mit der des weit verbreiteten Minks verwechselt werden.

Hinweise auf mögliche Ottervorkommen wie Fraß- und Spielplatz, Rutsche, Otterpass, Unterschlupf oder Bau gelten nicht als Nachweise. Sie sind erst von Bedeutung, wenn in der Nähe ein eindeutiger Beweis erbracht werden kann. Dieter Rieckhoff: "Als eindeutige Nachweise gelten Trittsiegel, bei denen alle fünf Zehen abgedrückt sind und das Bild eindeutig dem Fischotter zugeordnet werden kann, wie auch der Otterkot." Spricht’s, und nimmt ein Stück getrocknete Nahrungsüberbleibsel von einem der Steine am "Leneborger" bei Boissow in die Hand, um die Gräten und Schuppen zu zeigen.

Denn Fischotter ernähren sich überwiegend von Fischen, die sie geschickt unter Wasser fangen, verschmähen aber auch nicht Krebse, Mäuse und Wasservögel. Die Tiere sind nachtaktiv und haben ein sehr großes Revier; besonders Rüden haben kein Problem damit, in einer Nacht ein mehr als 20 Kilometer langes Flussstück zu durchstreifen. Den Tag verschlafen die Marder dann - wenn sie nicht gerade ein sehr ungestörtes Revier haben - unter den Wurzeln alter Bäume und in ähnlichen Verstecken.

Die liebenswerten Räuber werden mehr als katzengroß, sind schlank, wendig und außerordentlich elegant - selbst an Land, obwohl das wirklich nicht das Element dieser scheuen Wassertiere ist. Ihre Nahrung - obwohl im Wasser gefangen - verspeisen sie allerdings am liebsten am Ufer.

Fischotter sind sehr verspielt; sie können alleine oder mit der ganzen Familie mit Baumteilen oder Kieselsteinen spielen, schier ohne ein Ende zu finden. Dabei vollbringen sie die wildesten Drehungen und Purzelbäume und schwimmen gerne auf dem Rücken, um mit den geschickten Pfoten irgendeinen Gegenstand zu untersuchen.

Dieter Rieckhoff: "In freier Wildbahn habe ich in den letzten Jahren bisher etwa 15 Mal Fischotter beobachten können. Sie sind wichtige Bio-Indikatoren, die zeigen, wie intakt die Umwelt ist. Leider stehen die Otter immer noch auf der Roten Liste, der vom Aussterben bedrohten Tiere."


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