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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 21:00 Uhr

Den eigenen Sinnen vertrauen

vom

svz.de von
erstellt am 13.Mär.2012 | 05:17 Uhr

Deutschland im Überfluss: Jeder Bundesbürger wirft pro Jahr durchschnittlich 81,6 Kilogramm Lebensmittel weg. Mehr als die Hälfte davon wäre vermeidbar, wie das Bundesverbraucherministerium gestern nach einer Untersuchung der Universität Stuttgart mitteilte. Angesichts des Hungers in vielen ärmeren Ländern ein unverantwortlicher Müllberg. Aber nicht nur das. Mit Paprika, Gurke, Brot, Käse, Wurst & Co. werden pro Kopf und Jahr auch 235 Euro unnötigerweise in der Tonne versenkt. Macht bei einer vierköpfigen Familien knapp 1000 Euro. Doch jeder Einzelne kann etwas dafür tun, seinen persönlichen Lebensmittel-Abfallberg zu verkleinern. Wir sagen wie.

Mindesthaltbarkeitsdatum
Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), das auf den meisten Lebensmittelverpackungen aufgedruckt sein muss, abgelaufen, muss das Produkt nicht gleich in den Müll. "Es gibt ja nicht an, bis wann das Produkt verzehrt sein muss, sondern bis zu welchem Zeitpunkt es bei richtiger Lagerung seine Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert behält", erklärt Antje Degner von der Neuen Verbraucherzentrale MV. Haben Lebensmittel das MHD erreicht, seien sie also nicht unbedingt verdorben und dürften - mit Ausnahme von Eiern - auch noch verkauft werden. Stellt sich zu Hause allerdings heraus, dass das Produkt nicht mehr einwandfrei ist, kann der Kunde reklamieren. Einen allgemeingültigen Richtwert, wie lange ein Produkt nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch verzehrfähig ist, gibt es nicht. Das hängt von vielen Faktoren ab. "Als Faustregel gilt: Je trockener ein Lebensmittel und je geringer sein Fettgehalt ist, desto länger kann es gelagert werden", sagt die Ernährungsexpertin. Verbraucher sollten sich auf ihre Sinne verlassen - sehen, riechen, schmecken und fühlen.

Das MHD gilt aber nur für ungeöffnete Verpackungen und bei sachgemäßer Lagerung und Kühlung. "Nach dem Öffnen können Lebensmittel durch den Zutritt von Sauerstoff, Feuchtigkeit und Mikroorganismen schneller verderben", so Antje Degner.

Leicht verderbliche Lebensmittel wie Hackfleisch oder Räucherlachs sind mit einem Verbrauchsdatum gekennzeichnet. "Das benennt wirklich den letzten Tag, an dem das Erzeugnis verzehrt werden sollte", so Degner.

Einkauf mit Köpfchen
Das Einkaufen über den eigentlichen Bedarf hinaus ist ein zweiter Grund für die riesigen Lebensmittel-Abfallberge. Den Einkauf sinnvoll zu planen und Fehlkäufe zu vermeiden, ist nicht schwer, wenn man sich eine Liste macht. Dazu sollte man sich zuvor ein paar Fragen stellen - und beantworten: Welche Lebensmittel sind noch da? Welche Produkte sind nicht mehr lange haltbar und sollten bald verbraucht werden? Kommt Besuch oder ist die Hälfte der Familie in der Woche ohnehin kaum zu Hause?

Beim Einkaufen sollte man sich von seinem Fahrplan nicht abbringen lassen. "Familien-Portionen und XXL-Packungen locken zwar häufig mit günstigen Preisen. Unterm Strich werden sie aber teuer, wenn ein Teil schließlich im Müll landet", bringt es Antja Degner auf den Punkt. Deshalb gelten: Auch Schnäppchen sinnvoll einkaufen.

Richtig lagern
Damit Lebensmittel möglichst lange ihre Qualität bewahren, müssen sie richtig gelagert werden. Vor allem bei empfindlichen Lebensmitteln wie Fisch oder Fleisch ist es wichtig, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Für den Einkauf und den Weg nach Hause wäre deshalb eine Kühltasche ideal.

Viele Gemüsesorten wie Kartoffeln lagern am besten kühl und dunkel, sollten aber nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden. Sie verlieren dort an Geschmack. Beeren, frische Kräuter, Spargel oder Karotten können dagegen in den Kühlschrank.

Reste nutzen
Die berühmte Resteküche spart Arbeit, Zeit und Geld. Portionsgrößen - und der Hunger der Familie - lassen sich manchmal schlecht einschätzen. Die Reste sollte man aber nicht wegwerfen. "Selbst bei kleinen Mengen lohnt es sich, diese aufzubewahren oder einzufrieren", sagt die Beraterin der Verbraucherzentrale. "Und mit ein wenig Fantasie lässt sich aus fast jedem Rest etwas Neues kreieren."


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