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Kloster St. Marien in Verchen : Den anderen annehmen, wie er ist

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwestern des Klosters St. Marien in Verchen kümmern sich seit mehr als zehn Jahren um das Seelenheil ihrer Schützlinge/ Pfingsten schließt der Konvent aus Altersgründen

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erstellt am 09.Feb.2015 | 11:50 Uhr

Die mollig warme Klosterstube ist von herzlicher Stimmung erfüllt. Überall freundliche Gesichter. Gäste umarmen einander oder sind in Plaudereien vertieft. Einige wuseln um Tische herum, die zu einer langen Tafel zusammengestellt wurden. Sie verteilen Schälchen, gefüllt mit selbstgemachter Marmelade, frischgekochter Hirse und Brot.

Rege Betriebsamkeit herrscht an diesem Morgen im Kloster St. Marien in Verchen. Der Grund: Die Ordensschwestern Christa Ramsayer und Christine Probst des hier ansässigen evangelischen Konvents Christusbruderschaft haben zum Frauenfrühstück eingeladen. Und mehr als 20 Frauen sind gekommen. Knapp alle drei Wochen trifft sich die Runde in dem Backsteinhaus in der Budenstraße. Sie frühstücken gemeinsam, sprechen über Lebensthemen, Bibeltexte und geben sich Anteil an Alltagssituationen.

Doch mit solchen Veranstaltungen in vertrauter Atmosphäre könnte bald Schluss sein. Denn das Schwesternhaus am Kummerower See bei Demmin, das früher eine Schule war, soll in wenigen Monaten geschlossen werden. Die beiden Schwestern werden aus Altersgründen und aus Personalmangel ihrer Schwesternschaft abberufen und kehren in ihr geistliches Zentrum nach Selbitz in Oberfranken zurück. Am Pfingstmontag sollen sie verabschiedet werden. Das würde das Aus für die einzige evangelische Communität des Landes bedeuten, die erst im Juni des vergangenen Jahres ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert hatte.


Arbeit der Schwestern sehr geschätzt


Der Weggang der Ordensfrauen ist auch Thema beim Frauenfrühstück. „Wir werden sie wirklich vermissen“, sagt eine Anwesende. Ihre Arbeit werde sehr geschätzt. Die Schwestern hätten immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen und stünden jederzeit für geistliche Begleitungen zur Verfügung.

Auch der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit lobt das Engagement der Schwestern, nennt sie „ein Gottesgeschenk“. Viele Gemeinden im Kirchenkreis Pommern empfänden ihre Arbeit als großen Reichtum. „Wir fühlen den Schmerz, wenn sie nicht mehr in Verchen sein werden“, sagt er.

Pastorin Susanne Ackermann aus Lüchow-Dannenberg würdigt ebenfalls die Leistung der Schwestern. „Ich schätze an ihnen, dass sie die Menschen annehmen, wie sie sind – ohne Wertung“, sagt sie. Die Geistliche kommt zweimal im Jahr ins Kloster nach Verchen, das für Gäste zwei kleine Zimmer bereithält. Hier finde sie Ruhe und könne Kraft tanken. „Ich liebe die Stille hier, die schöne Natur und das beschauliche Leben im Ort. Ich werde das sehr vermissen.“

Der Abschied ist aber auch für die Schwestern bedauerlich. „Es tut uns leid, dass unsere Communität nicht genügend jüngere Schwestern hat, die den Konvent hier fortsetzen könnten“, so Schwester Christa, die das St. Marien Kloster leitet. Der Christusbruderschaft gehören 112 Schwestern und fünf Brüder an. Etwa 80 davon seien bereits im Rentenalter. Die 72-Jährige hofft, dass sich eine andere Communität findet, die das Kloster übernimmt. Verhandlungen liefen bereits. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen.


Gelebte Zugewandtheit ein Geschenk


In Verchen lebten bereits vom 13. Jahrhundert an Ordensfrauen. Benediktinerinnen fanden hier eine Wirkungsstätte – 300 Jahre lang. Vor elf Jahren kamen der damalige Superintendent Thomas Höflich und Pastor Detlev Brick auf die Idee, das Kloster wiederzubeleben. Die Selbitzer Schwestern folgten dem Ruf. „Zu Beginn waren wir noch zu viert“, erinnert sich Schwester Christa.

An ihren ersten Besuch 2003 in Verchen denkt sie gern zurück. Sie seien von Anfang an willkommen geheißen worden. „Wir kamen im Advent an und haben erst einmal alle Nachbarn besucht. Auch wenn die meisten wohl noch nie eine Ordensfrau gesehen hatten, wurden wir überall hineingebeten und freundlich empfangen.“

Beeindruckt habe sie vor allem die Hilfsbereitschaft der Menschen in dem vorpommerschen Dorf. „Der Stellmacher von nebenan hat von sich aus das alte Gartentürchen erneuert und das noch umsonst“, nennt Schwester Christa ein Beispiel von vielen. Zudem hätten die Anwohner gern ihr selbstangebautes Obst und Gemüse mit den Ordensfrauen geteilt und umgekehrt.

Im Laufe der Jahre ist das Vertrauen zwischen den Schwestern und den Bewohnern in der engeren und weiteren Umgebung des Klosters sogar noch gewachsen, die Verbundenheit stärker geworden. „Miteinander teilen, sich füreinander interessieren und aufeinander achtgeben – die Erfahrung der Zugewandtheit ist ein Geschenk“, sagt Schwester Christine, die vor drei Jahren zum Konvent in Verchen dazukam.


Aus Überzeugung mit Gott leben


Die 65-Jährige ist vornehmlich für die Hausarbeit im Kloster verantwortlich. „Ich koche, putze, wasche die Wäsche. Ich mache eben alles, was im Haushalt und für die Bewirtung der Gäste so anfällt“, erzählt sie. Die Büroarbeit überlässt sie lieber Schwester Christa. Die Konventsleiterin beantwortet Briefe und E-Mails und organisiert Veranstaltungen wie die Tage der Stille und Exerzitien, Pilgertage, meditative Tanzkurse und das Frauenfrühstück. Ebenso Gottesdienste in der nahe liegenden Marienkirche, die als einziges historisches Klostergebäude erhalten geblieben ist.

Der Alltag der Ordensschwestern ist geprägt durch tägliche Gebetszeiten. Grundhaltungen des Ordenslebens sind Verfügbarkeit, Gütergemeinschaft, Hören auf Gottes Wort und aufeinander – kurz Ehelosigkeit, Armut und Gehorsamkeit. Für diesen Lebensstil haben sich beide Frauen aus fester Überzeugung entschieden. „Ich hatte immer die Sehnsucht, mein Leben mit Gott zu leben“, erzählt Schwester Christa, die 1967 der Christusbruderschaft beigetreten ist. Schwester Christine fühlte sich bereits mit 17 von einem Bibelwort persönlich angesprochen und trat auf diesen „Ruf“ hin in die Gemeinschaft ein.

Nach ihrer Rückkehr aus Verchen wollen sie sich in ihrem Ordenshaus in Oberfranken trotz ihres hohen Alters neuen Herausforderungen stellen. Bis dahin freuen sie sich über weitere Frauenfrühstücke in der mollig warmen Klosterstube in Verchen – bei herzlicher Stimmung und mit vielen freundlichen Gesichtern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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