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Rostock : Demonstranten stellen sich Rechten in den Weg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

300 Anhänger der NPD marschierten durch Rostock / 2000 Gegner sorgten immer wieder für Pausen

Etwa 2000 Menschen haben in Rostock gegen einen Aufmarsch von rund 300 NPD-Anhängern demonstriert. Es gelang ihnen, mit Blockaden den Zug immer wieder aufzuhalten. Am späten Nachmittag standen die Extremisten noch auf einer der wichtigsten Zufahrtstraßen der Hansestadt.

Zunächst jedoch konnten die Extremisten ihren geplanten Aufmarschort im Stadtteil Groß Klein nicht erreichen. Entlang der Bahnstrecke brannten mehrere Waggons eines Holztransportzuges. Unbekannte hatten laut Polizei das Holz entzündet, wegen der Löscharbeiten musste die Bahnstrecke für mehrere Stunden gesperrt werden.

Zusätzlich wurde an der S-Bahn-Strecke ein Paket entdeckt, in dem eine Sprengstoffladung vermutet wurde. Die Experten gingen von einer ernsthaften Bedrohung aus. Laut Munitionsbergungsdienst war in dem Paket eine leicht entzündliche Flüssigkeit verborgen.

In Groß Klein hatten sich am Vormittag rund 800 Menschen versammelt, um dem angekündigten NPD-Aufmarsch entgegenzutreten. Weitere 300 Radfahrer hatten sich dem Demonstrationszug angeschlossen. „Unser Ziel ist es, friedlichen zivilen Widerstand gegen die Nazis zu leisten“, sagt Claudia Barlen, Sprecherin des Bündnisses „1. Mai – Rostock nazifrei“. Zu einem Marsch durch den Stadtteil kam es jedoch nicht. Das Oberverwaltungsgericht Greifswald hatte in der Nacht zuvor auch ein geplantes Demokratiefest in Groß Klein verboten.

Die Amadeu Antonio Stiftung übte scharfe Kritik an der Stadt Rostock. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Neonazis heute dort skandieren dürfen, wo sie vor zwanzig Jahren unter dem Applaus der Menge eine bewohnte Flüchtlingsunterkunft in Brand steckten. Die Stadt Rostock hätte gut daran getan, die Demonstration der NPD dort zu untersagen, anstatt zivilgesellschaftliches Engagement zu kriminalisieren. Wir gehen gegen die Verlegung unserer Mahnwache gerichtlich vor“, kommentierte Stella Hindemith, Leiterin des Büros der Amadeu Antonio Stiftung in MV.

Der Pastor der Innenstadtgemeinde Rostock, Tilman Jeremias, rief vor Beginn des Aufmarsches zu friedlichen Protesten auf. Er warb bei einer Friedensandacht in der Petrikirche für eine offene Gesellschaft. Der 1. Mai sei ein Tag, an dem die Würde des Menschen im Mittelpunkt stehe.

Die Extremisten wurden nach einer etwa zweistündigen Wartezeit am Hauptbahnhof in der Mittagszeit in den Stadtteil Dierkow umgeleitet. Von dort setzte sich der Zug zurück in Richtung Hauptbahnhof in Bewegung. Dabei wurden sie immer wieder von Blockaden aufgehalten, die von der Polizei geräumt wurden. Es kam im gesamten Rostocker Stadtgebiet zu teils extremen Verkehrsbehinderungen.

Der Polizei zufolge blieben bis zum Nachmittag größere Auseinandersetzungen zwischen Extremisten, Gegendemonstranten und Ordnungskräften aus. Es wurden jedoch Steine geworfen, ein Journalist soll Beobachtern zufolge leicht verletzt worden sein.

Weitaus ruhiger ging es bei dem Demonstrationszug des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu. Vom Werftdreieck machten sich die Teilnehmer auf in Richtung Kastanienplatz, wo sich in einer Kundgebung vor 2000 Menschen Markus Fuß vom Verdi-Bundesvorstand gegen den Aufmarsch der NPD aussprach.

 

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