Theater in MV : Demo für Erhalt des Rostocker Theaters

Geballter Protest gestern in Rostock
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Geballter Protest gestern in Rostock

Die von der Landesregierung geforderte Theater-Reform stößt auf immer mehr Widerstand

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06. November 2014, 08:00 Uhr

Die umstrittene Theaterpolitik von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat erneut für Protest gesorgt. Während die Stadtpräsidien von Stralsund, Greifswald, Neustrelitz und Neubrandenburg mehr Zeit und neue Lösungsansätze für die Theaterstädte im Osten bei der Theater- und Orchesterreform forderten, versammelten sich nach Polizeiangaben mehr als 500 Menschen auf dem Neuen Markt in Rostock. Sie demonstrierten für den Erhalt aller vier Sparten des Volkstheaters in der Hansestadt. „Ein halbes Theater reicht nicht für eine Stadt wie Rostock“ oder „Theater muss sein“, hieß es. Hintergrund ist eine mit dem Land abgeschlossene, äußerst umstrittene Zielvereinbarung über die finanzielle Zukunft des Theaters. Wegen der Deckelung der Zuweisungen könnten am Ende so massive Umstrukturierungen stehen, dass das Theater auf Schauspiel und Orchester reduziert wird. Musiktheater und Tanz könnten in einem mehrere Jahre dauernden Prozess wegfallen.

Intendant Sewan Latchinian zeigte sich überwältigt vom Engagement, das aus der Mitte der Stadtgesellschaft komme. „Wir freuen uns, dass sich unser Publikum äußert.“ Das sei eine eindeutige Abstimmung für das Volkstheater und seine Sparten.

Nach Ansicht der Städte im Osten sind Regierungspläne, westlich und östlich der Autobahn 19 adäquate Theater- und Orchesterstrukturen zu schaffen, durch Vereinbarungen in Schwerin und Rostock gescheitert. Im Theater Vorpommern mit Spielstätten in Stralsund, Greifswald und Putbus gibt es zudem Überlegungen für ein eigenständiges Theater, die heute vorgestellt werden sollen. Kommunen und Theater wollten von der Landesregierung nicht starres Beharren auf überholten Zielen, sondern eine Diskussion, die diesen Namen verdiene. Im Osten sollen das Theater Vorpommern Stralsund/Greifswald mit der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz kooperieren. Ein Gutachten sieht den Abbau von rund 100 Stellen vor, wobei Stralsund die Oper, Greifswald Schauspiel und Ballett und Neubrandenburg ein reduziertes Konzertorchester behalten soll. Das Theater Neustrelitz würde nur noch Produktionsstandort für Musical und Operette werden.

Auch die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) lehnt die geplante Fusion der Orchester aus Stralsund und Neubrandenburg ab. Es mache keinen Sinn, zwei Orchester über eine Distanz von 100 Kilometern zu fusionieren und zu verkleinern, um sie dann wieder an ihren alten Standorten auftreten zu lassen. Beide Orchester sollten im Kern erhalten bleiben und die wechselseitige Kooperation ausgebaut werden.

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