Russian Sturgeon GmbH kündigt Mitarbeitern : Demminer Kaviarproduktion vor dem Aus

100 000 Störe werden in Demmin gehalten. Foto: Büttner
100 000 Störe werden in Demmin gehalten. Foto: Büttner

Die Kaviarproduktion in Demmin steht nach jahrelangen Problemen anscheinend vor dem Aus. Das Unternehmen Russian Sturgeon GmbH hat bereits allen Mitarbeitern gekündigt.

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17. Mai 2013, 08:26 Uhr

Demmin | Die Kaviarproduktion in Demmin steht nach jahrelangen Problemen anscheinend vor dem Aus. Wie Mario Klett, Sprecher der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) gestern in Neubrandenburg sagte, hat das Unternehmen Russian Sturgeon GmbH allen Mitarbeitern gekündigt. "Wir haben bereits Kündigungsschutzklagen beim Arbeitsgericht eingereicht." Die Kündigungen wurden Mitarbeitern zufolge damit begründet, dass die Stör- und Kaviarproduktion Ende August 2013 eingestellt werde.

Das Arbeitsgericht Neubrandenburg wird die erste Klage bereits am 31. Mai verhandeln. Dem Gericht liegen acht Klagen vor, sagte Gerichtssprecherin Renate Wagner. Beim Unternehmen selbst wollte sich trotz mehrfacher Anfragen niemand äußern. Nach Angaben der Mitarbeiter gibt es keinen Sozialplan, die ersten Angestellten sollen bereits Ende Mai gehen.

Die Störfarm, die als weltweit größte überdachte Zuchtanlage gilt, hatte unter dem Namen Caviar Creator jahrelang für Schlagzeilen gesorgt. Sie war nach einer ersten Versuchsanlage in Demmin ab 2005 vom umstrittenen Unternehmer Frank Schaefer errichtet worden. Er hatte dafür aggressiv von Tausenden Anlegern rund 50 Millionen Euro eingeworben. Sein Firmengeflecht um Caviar Creator - der Hauptsitz war in den USA - ging 2009 pleite. Russian Sturgeon übernahm die Demminer Anlage 2010 vom Insolvenzverwalter. Die neuen Betreiber, die in Russland nach eigenen Angaben weitere Störanlagen unterhalten, erreichten in Demmin aber nur einen Bruchteil der anvisierten Kaviar-Produktionsziele von zwölf Tonnen im Jahr.

Schaefer wurde später wegen Kapitalanlagebetrugs in Düsseldorf zu mehrjähriger Haft verurteilt, weil er mehr als 600 Anleger um 13 Millionen Euro betrogen hatte.

Doch auch mit dem russischen Betreiber gab es immer wieder Probleme. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte prüft derzeit einen Bußgeldbescheid über mehrere tausend Euro gegen die Firma wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Die 100 Tonnen Störe - mehrere zehntausend Tiere, darunter seltene weiße Albino-Störe - sollen mehrfach wochenlang nicht gefüttert worden sein, sagte ein Sprecher des Kreises. Die Gesundheit der Tiere sei dadurch aber nicht akut gefährdet gewesen, da Störe ihren Kreislauf auch herunterfahren und so längere Zeit ohne Nahrung auskommen könnten. Was mit den Fischen bei einer Schließung der Anlage passieren soll, ist laut NGG unklar.

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