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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 07:01 Uhr

Demmin verteidigt das Kanzleramt

vom

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erstellt am 14.Feb.2013 | 09:49 Uhr

Demmin | Die bayerische SPD hat zum politischen Aschermittwoch in Vilshofen Peer Steinbrück zu Gast. Die mecklenburgische CDU begrüßt gestern in Demmin traditionell Angela Merkel. Seit 18 Jahren ist sie die Hauptrednerin auf der größten Aschermittwochsveranstaltung der CDU in Deutschland. Doch gestern war etwas anders. In der Tennishalle im Mecklenburgischen wird auf eine Entfernung von 800 Kilometern quasi der Bundestagswahlkampf eröffnet. Spaßig wird es dabei nicht gerade. Selbst wenn sich die Barther Blasmusikanten mit Polka und Walzer alle Mühe geben, den Saal in Stimmung zu versetzen. Und selbst wenn der örtliche CDU-Narr, der Europa-Abgeordnete Werner Kuhn, die Wahl schon als gewonnen dichtet: "Stolz soll der Ruf hinaus weit donnern, aus Mecklenburg und auch Vorpommern, wir sind noch längst nicht abgebrannt, MeckPomm bleibt weiter Kanzler-Land." Wahlkämpfer Kuhn in Demmin: "Hier wird das Kanzleramt verteidigt..." Tusch, ta ta...

"Zeit für deutliche Worte", zum 18. Mal. Beim Einmarsch der Politikergarde in die Tennishalle mit ihren knapp 1500 CDU-Anhängern wird Angela Merkel als ganzer Stolz der heimischen CDU begeistert gefeiert - von denen, die sie hinter sich gelassen hat, wie dem ehemaligen Bundesverkehrsminister Günther Krause oder dem einst in einen Spendenskandal verwickelten Ex-Bundestagsabgeordneten Ulrich Adam aus Greifswald. Von denen, die ihr hier im Land die CDU bei der Stange halten, wie Wirtschaftsminister Harry Glawe. Und von denen, die als Gäste am Kanzlerinnen-Tisch platziert wurden, wie dem Unternehmer Friedemann Kunz, der deutschlandweit von Marlow aus Fertighäuser verkauft, oder dem Chef der Lübzer Brauerei, Wilfried Horn. Treue Gäste, für die die Barther Blasmusikanten den "Treuen Husaren" schmettern. Wilfried Horn überreicht der Kanzlerin einen Regenschirm. Ein Jahr zu spät. 2012 hatte ein Aushilfskellner Merkel beim Servieren ein Tablett voller Lübzer in den Rücken gekippt. Und der örtliche Landtagsabgeordnete Marc Reinhardt dichtet: "Der Tag erwacht, die Sonne lacht, das hat die CDU gemacht." Tusch, tät,tät...

Die Kanzlerin - diesmal trocken - bläst hier in Demmin zum Angriff auf den politischen Gegner und ein bisschen auch auf den politischen Partner. Sie macht den Demminern Hoffnung auf den Ausbau der hiesigen B96 mit den Worten: "Ich bin froh, dass die Grünen nicht noch mehr zu sagen haben." Die CDU stehe für den Ausbau von Straßen und der Infrastruktur. Merkel lobt die Agenda 2010 und kritisiert, dass heute in der SPD keiner mehr zu dieser Reform stehe. "Die Unternehmer schaffen die Arbeitsplätze", donnert die Kanzlerin. Unternehmer dürfe man nicht durch neue Steuern beschneiden, sagt sie in Richtung SPD - und in Richtung FDP: "Wir brauchen Lohnuntergrenzen." Sie fordert die Tourismusunternehmen entlang der Ostseeküste auf, "Kellner, Köche und auch Zimmermädchen müssen einen Lohn verdienen, dass sie davon auch leben können". Applaus und Tusch...

Wie im letzten Jahr lobt die CDU-Bundesvorsitzende, dass Mecklenburg-Vorpommern "seit die CDU hier wieder mit an der Macht ist" keine Schulden mehr mache und sogar Schulden zurückzahle. Das will die Kanzlerin für den Bund auch. Und das fordert sie von allen Ländern in Europa. "Augenmaß, Solidität und Fortschritt, das braucht Europa, und nicht Länder, die immer nur Geld ausgeben." Nur eine solche Politik stärke den Euro. "Und wir brauchen den Euro und wir setzen uns für ihn ein, weil 60 Prozent unserer Exporte nach Europa gehen." Mit einer starken D-Mark würden diese Exporte schrumpfen und damit die Wirtschaft.

"Und jetzt zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie", kündigt Merkel kampfeslustig an. Helmut Kohl sei es gewesen, der den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz durchgesetzt habe. "Und dann kam Rot-Grün. Die hatten sieben Jahre Zeit, da hätten sie doch den Rechtsanspruch umsetzen können...", arbeitet sich die Kanzlerin am Gegner ab. Erst Ursula von der Leyen sei es gewesen, die dem Finanzminister Peer Steinbrück das Geld für Kindergärten abgepresst habe. Tusch, Applaus, ta, ta…

Hochschulpakt, Finanzausstattung der Universitäten, Investitionen in Bildung, das alles habe nur die CDU gemacht. Und Merkel verspricht für den Wahlkampf: "Dieses Jahr ist nicht nur der Aschermittwoch der Tag der deutlichen Worte, sondern jeder Tag bis zum 22. September, der Tag der Bundestagwahl."

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