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Dem ÖPNV fehlen Fahrgäste, dem Kreis fehlt das Geld

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erstellt am 03.Jan.2012 | 07:25 Uhr

Prignitz | Die Prignitzer Einwohnerzahl schrumpft bis 2030 weiter und der Anteil der älteren Bevölkerung nimmt zu. Bis zum Jahr 2030 könnte die Zahl der Senioren um 25,5 Prozent steigen, dann wäre jeder zweite Einwohner 65 Jahre und älter. Wie mobil werden und können die Senioren dann noch in einer Region sein, in der es schon jetzt ein ausgedünntes ÖPNV-Netzt gibt? Langfristige Antworten sucht der Landkreis.

Zwei Konfliktpunkte gilt es zu beachten, sagt Edelgard Schimko, zuständige Geschäftsbereichsleiterin: "Was ist noch finanzierbar und welche Alternativen sind zulässig?" Zuschüsse vom Land werden unter anderem nach Fahrgastzahlen gewährt, und die seien schon jetzt nicht üppig. "Mit dem neuen Nahverkehrsplan 2008 haben wir Linien verändert, Takte auf mehreren Strecken eingerichtet und den Rufbus gestartet. Das Ziel, mit diesen Maßnahmen mehr Fahrgäste zu bekommen, ging aber nicht auf", so Schimko.

Wiederholt habe der Kreis mit Änderungen auf geäußerte Wünsche und Forderungen der Bevölkerung reagiert, "aber wenn wir es dann anbieten, wird es nicht genutzt". Deshalb werde die Orientierung am Schülerverkehr in den Morgenstunden und nachmittags weiterhin den größten Einfluss auf den Fahrplan haben. Dennoch gebe der Kreis sein Ziel nicht auf, mehr Fahrgäste zu bekommen.

Die jährlich einmalige Fahrgastzählung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg biete keine verlässliche Grundlage. "Wir wollen wissen, wie welche Linie wirklich genutzt wird und haben eine eigene Zählung gestartet", sagt Sachbereichsleiter Andreas Much. In vier Wellen werden im Abstand von sechs Wochen Fahrgäste gezählt. Damit werden Jahreszeiten und die Sommerferien berücksichtigt. So will der Kreis Verhaltensmuster und Basiszahlen erfahren, beides in das nächste Nahverkehrskonzept ab 2016 einbauen. Abschließende Ergebnisse seien erst Ende 2012 zu erwarten.

Much und Schimko machen aber klar, dass es nur wenige Alternativen für den ÖPNV in der Prignitz gibt. Im Landkreis Gransee gebe es einen Bürgerbus, dessen Fahrer ehrenamtlich am Steuer sitzen. Die Uckermark testet einen Kombibus, bietet Postdienste mit an. Alles steht unter der Frage: Was rechnet sich? "Wir wollen kein zweites Modell, sondern eher das Rufbussystem verfeinern", so Much. Mit durchschnittlich 150 Fahrgästen in Monat und in Ferienzeiten mit mehr als 200 werde das Angebot angenommen. Vorstellbar seien noch kleinere Busse, selbst Pkw schließt der Landkreis in seine Überlegungen mit ein. "Das Angebot darf aber keine Konkurrenz für die Taxiunternehmen darstellen", schränkt Edelgard Schimko ein.

Selbst bei guten Ideen und gutem Willen, sei der kreisliche Spielraum gering, denn das Land finanziert den ÖPNV - eigentlich. 3,5 Millionen Euro erhält der Kreis jährlich. Zu wenig. "Im Durchschnitt geben wir zwei Millionen eigene Mittel dazu, weil wir schlecht ausfinanziert sind", sagt Edelgard Schimko. Der ÖPNV sei ein weiteres Beispiel für eine dem Kreis übertragene Pflichtaufgabe, die aber systematisch unterfinanziert sei.

Damit sei der Kreis bereits jetzt gezwungen, zu sparen. Beim Schülerverkehr gehe das nicht, der müsse abgesichert sein. Bleiben alle anderen, noch bestehenden Verbindungen. Künftig dürfe es keine Denkverbote geben, blicken Schimko und Much voraus. Ein Fahrgast, ein Busfahrer - dieses Bild gebe es zu bestimmten Zeiten auf bestimmten Strecken. Wirtschaftlich ist das nicht. Erleichterung würden gestaffelte Anfangszeiten des Unterrichts an Schulen bringen. Da im Prinzip alle gleichzeitig beginnen, müssen Verkehrsbetriebe für diese Stoßzeit Busse vorhalten, die tagsüber nicht bzw. nicht in dieser Größe benötigt werden. Auch darüber müsse gesprochen werden.

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