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Polizei wirbt um Nachwuchs : Dein Freund sucht Helfer

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Aus der Onlineredaktion

Geeigneter Nachwuchs wird knapp. Landespolizei wirbt mit neuer Plakataktion in den Dienststellen

von
erstellt am 03.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern sorgt sich um ihren Nachwuchs. Nachdem zwischen 2001 und 2015 mehr als 1000 Stellen bei der Landespolizei ersatzlos gestrichen wurden, soll jetzt wieder personell aufgerüstet werden.

Gestern stellte die Landespolizei in Schwerin eine neue Plakataktion vor, die bei jungen Leuten das Interesse am Polizeidienst wecken soll. Die etwa 60 mal 90 Zentimeter großen Plakate werden an die Polizeidienststellen verteilt und landesweit zum Einsatz kommen. Seit April sind bereits Polizeiwagen mit Aufklebern „Verstärkung gesucht“ auf den Straßen des Landes unterwegs.

Der Hintergrund: Der Bedarf an geeignetem Nachwuchs wächst. Denn nach dem jahrelangen Stellenabbau kommt durch die anstehende gewaltige Pensionierungswelle auf Mecklenburg-Vorpommerns Kommissariate und Reviere ein massiver Verlust an qualifizierten Beamten zu. „Gingen im Jahr 2005 noch 58 Polizisten in den verdienten Ruhestand, werden es künftig etwa 250 Beamte pro Jahr sein, die altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden und ersetzt werden müssen“, sagte der Landesvorsitzen der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Christian Schumacher. Das Innenministerium rechnet mit etwa 1000 Pensionierungen bis 2020.

Außerdem gibt es erstmals zusätzliche Stellen, die besetzt werden müssen. Auf 100 neue Stellen – 44 für Anwärter und 56 für Seiteneinsteiger – einigten sich SPD und CDU bereits 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle. Die Schaffung weiterer 150 neuer Stellen wurden im vergangenen Jahr im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Doch die Bewerberzahlen bei Neueinstellungen sinken seit Jahren. „In der Bevölkerung herrscht immer noch die Meinung, wir würden mit Bewerbungen zugeschüttet, doch dem ist nicht so“, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Hatten sich im Jahre 2010 noch 2270 Bewerber auf 96 ausgeschriebene Ausbildungsplätze gemeldet, gab es in diesem Jahr weniger als 2000 Bewerber für 288 Ausbildungsplätze.

„Neben der demografischen Entwicklung macht sich der Wettbewerb mit anderen Landespolizeien bemerkbar, die ebenfalls ihr Personal aufstocken und teilweise mit besseren Gehältern locken“, sagte Christian Schumacher.

Vor zwei Jahren wurde bereits der Numerus Clausus für die Polizeiausbildung gestrichen. Auch auf die Mindestkörpergröße von exakt 165 Zentimetern verzichtet man inzwischen. Die Standards im Testverfahren sollen aber nicht gesenkt werden. „Wir wollen nur die Besten für den Polizeiberuf“, so Innenminister Caffier.

In dieser Woche konnten 160 neue Anwärter für den mittleren Dienst an der Polizeischule Güstrow eingestellt werden. 80 Prozent von ihnen sind Landeskinder aus Mecklenburg-Vorpommern.

Kommentar “Schaden hat der Bürger“ von Tobias Schmidt

Es ist ein dramatisches Beispiel für politische Kurzsicht und falsche Sparsamkeit: 16 000 Stellen sind bei den Polizeikräften in Deutschland seit der Jahrtausendwende gestrichen worden. Das Thema Innere Sicherheit war von den Prioritätenlisten der Landesregierungen und des Bundes verschwunden, im Koalitionsvertrag muss man es mit der Lupe suchen. Mag der Ruf nach dem schlanken Staat zu Beginn der Jahrtausendwende populär gewesen sein, so hat sich die Personalnot bei den Strafverfolgungsbehörden längst bitter gerächt. Der jahrelange deutliche Anstieg der Zahl der Wohnungseinbrüche ist ein Beleg unter vielen. Wer hofft, die Kehrtwende zu mehr Neueinstellungen, zu der sich Bund und Länder endlich durchgerungen haben, werde rasch Abhilfe schaffen, wird bitter enttäuscht werden: Die gewaltige Pensionierungswelle, die gerade mit Wucht über die Polizei hereinbricht, führt zu einem dramatischen Verlust an Fachwissen und Erfahrung. Den Schaden der Politik werden nun die Bürgerinnen und Bürger haben und die Polizeikräfte, denen auf Jahre die Überforderung droht.

 


 

 

 

 

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