Kinderschutz : Defizite in der Jugendhilfe

Vor dem Rathaus in Rostock demonstrieren 2013 Vertreter von Landesjugendverbänden unter dem Motto 'MV kürzt gut. Die Kinder- und Jugendhilfe in MV leidet unter organisatorischen und finanziellen Schwächen, so eine aktuelle Studie.
Vor dem Rathaus in Rostock demonstrieren 2013 Vertreter von Landesjugendverbänden unter dem Motto "MV kürzt gut. Die Kinder- und Jugendhilfe in MV leidet unter organisatorischen und finanziellen Schwächen, so eine aktuelle Studie.

Anhörung im Landtag: Experten bescheinigen organisatorische und finanzielle Schwächen

svz.de von
30. Juni 2016, 05:00 Uhr

Die Kinder- und Jugendhilfe in Mecklenburg-Vorpommern leidet unter organisatorischen und finanziellen Schwächen. Dies ist das Ergebnis einer Expertenanhörung gestern im Landtag. In einer Reihe von Stellungnahmen wurde die Kommunalisierung des zuvor beim Land angesiedelten Landesjugendamtes vor einigen Jahren kritisiert. Die Aufgaben liegen jetzt beim Kommunalen Sozialverband (KVS).

„Was offensichtlich fehlt, ist eine leistungsfähige überörtliche Steuerung der Kinder-und Jugendhilfe“, erklärte der Pädagoge und Kinderbuch-Autor Wolfgang Hammer. Er schlug vor, die Aufgaben beim Sozialministerium zu bündeln: „Kinderschutz ist auf eine funktionierende fachliche Steuerung und Bedarfsplanung auf Landesebene angewiesen.“ Anlass für die Anhörung war der dutzendfache sexuelle Missbrauch in dem privaten Schweriner Jugendverein „Power for kids“. Der Täter wurde im Februar zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Jugendamt der Landeshauptstadt hatte ein halbes Jahr vor der Verhaftung des Mannes Hinweise auf Missbrauch erhalten, aber nicht die Polizei eingeschaltet.

Vor wenigen Wochen ging ein Fall in Nordwestmecklenburg durch die Medien. Ein kleiner Junge musste stark unterernährt ins Krankenhaus gebracht werden. Die Familie war vom Jugendamt betreut worden.

Der Landesjugendring forderte mehr Engagement des Landes bei der Fort- und Weiterbildung der Tätigen in der Jugendhilfe. Zwar unterstütze das Land das Zentrum für Praxis und Theorie der Jugendhilfe in Güstrow-Schabernack, heißt es in der Stellungnahme des Landesjugendringes. Doch das sei zu wenig. Die Teilnehmerbeiträge hätten inzwischen die Grenze des Möglichen für viele Mitarbeiter der Jugendhilfe überschritten.

Der Städte- und Gemeindetag berichtete in seiner Stellungnahme von einer immer weiter steigenden Zahl von Fällen, mit denen sich die Jugendämter befassen müssen – auch durch Hinweise aus der Bevölkerung. Die Belastung der Beschäftigten nehme immer mehr zu. „Angesichts des Konsolidierungsdrucks auf die Haushalte der Landkreise und kreisfreien Städte ist es nicht immer einfach, die notwendigen Stellen einzurichten und zu besetzen“, erklärte der kommunale Spitzenverband und schlug vor, eine der Bedeutung des Kinderschutzes entsprechende Stellenausstattung für die Landkreise und kreisfreien Städte gemeinsam zu beschreiben und auch bei knapper Kasse nicht mehr infrage zu stellen.

Die Opposition sieht sich durch die Anhörung in ihrer Auffassung bestätigt, dass mehr Geld in die Hand genommen werden muss, um die Jugendhilfe auskömmlich zu finanzieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen