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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 16:45 Uhr

Landesfinale : Debattieren wie die Großen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beim Landesfinale von „Jugend debattiert“ erörterten 16 Jugendliche aus MV aktuelle politische Themen

von
erstellt am 05.Apr.2016 | 20:30 Uhr

Auf einmal wird es ganz still im Plenarsaal des Landtages. Wo sonst 71 Abgeordnete der fünf Landtagsfraktionen heiß diskutieren, setzten sich gestern 16 Schüler im Landesfinale des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ zu aktuellen politischen Themen auseinander. Nachdem finale Argumente in die Waagschale geworfen sind und auch die letzte Debatte des Tages ein Ende gefunden hat, herrscht angespanntes Schweigen im Plenarsaal des Schweriner Schlosses. Die Jury zieht sich nun zurück und berät, welche vier Redetalente am überzeugendsten waren und Mecklenburg-Vorpommern im Bundesfinale, das im Juni in Berlin stattfinden wird, vertreten werden.

Daniela Wenzel aus Grevesmühlen hat als Letzte ihre Debatte beendet, musste ihren Standpunkt jedoch nicht allein vertreten. Mit Erik Jahn aus Schwerin an ihrer Seite versuchte sie, Argumente dagegen zu finden, dass Hitlers „Mein Kampf“ in MV an weiterführenden Schulen in den Lehrplan aufgenommen wird. Wie alle der vier Redner zu diesem Thema sind die beiden prinzipiell keine Freunde der Idee. „Dass wir unsere eigene Meinung nun auch vertreten dürfen, ist natürlich ein Vorteil“, erklärt Erik. Denn ihre Gegner, Hannes Michallik aus Rostock und Jakob Ludwig Albrecht aus Neubrandenburg, müssen die Gegenseite stellen. Sich auf einen völlig anderen Standpunkt als den eigenen einzulassen, ist mitunter gar nicht so einfach, wie Hannes zugibt. „Ich muss trotzdem das Publikum davon überzeugen, dass das Buch in den Lehrplan aufgenommen werden sollte“, sagt er. In der Debatte erklärt er daher, dass das Buch bereits online verbreitet und gelesen wird – egal, ob es verboten ist oder nicht – und es sich daher nicht lohnen würde, es weiter tot zu schweigen. Daniela und Erik halten dagegen: „Es ist unklar, ob Schüler in diesem Alter schon die geistige Reife haben, um das Buch zu verarbeiten“, erklärt Erik. „Zudem muss auch die nötige Zeit im Unterricht eingeräumt werden, um das Thema nachhaltig zu vermitteln. Und die Lehrpläne sind schon jetzt viel zu voll“, ergänzt Daniela. Sie ist politisch sehr interessiert und engagiert sich beispielsweise auch in Sachen Flüchtlingskrise. Eine politische Karriere will die 17-Jährige aber trotzdem nicht einschlagen. Auch Erik sieht seine Zukunft eher in der Physik.

Doch zurück zur Debatte: Ihr themenspezifisches Fachwissen haben die Jugendlichen sich selbst angeeignet. „Neben der persönlichen Meinung, die bei der Debatte hilft, ist es wichtig, auch sachliche Argumente zu finden“, sagt Erik. Denn bei „Jugend debattiert“ geht es nicht darum, wer seine Meinung am lautesten kundtut. Die fünfköpfige Jury – unter anderem mit Ansgar Kemmann – bewertet neben reiner Sachkenntnis das Ausdrucksvermögen, die Gesprächsfähigkeit und die Überzeugungskraft der jugendlichen Debattanten.

Bei diesem Wettbewerb geht es für die Schüler auch nicht nur um das Gewinnen. Hier lernen sie fürs Leben. Hinsichtlich ihres Demokratieverständnisses und auch, andere Meinungen zu respektieren. Und mit einem Etat von rund 15 Millionen Euro – seit dem bundesweiten Start 2002 – ist „Jugend debattiert“ das größte privat-öffentlich finanzierte Projekt zur sprachlichen und politischen Bildung in Deutschland.

Im Schweriner Plenarsaal dauert die Wahl der Sieger indes länger als gedacht. Von den ursprünglich 7380 Schülern in MV haben sich in der finalen Debatte der Sekundarstufe II der Schweriner Erik Jahn (Fridericianum) und der Rostocker Hannes Michallik (Werkstattschule) durchgesetzt – in Sekundarstufe I die Rostockerin Laura Hinneburg (ebenfalls Werkstattschule) sowie die Wismarerin Julia Reichelt (Gerhart-Hauptmann-Gymnasium). Sie dürfen sich auf das Bundesfinale in Berlin freuen. Und können hoffentlich auch dort mit ihren sachlichen Argumenten überzeugen.


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