zur Navigation springen

De Maizière: "Die Grenze ist überschritten"

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 09:02 Uhr

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière hat sich gestern zur Affäre um Nadja Drygalla und zum Umgang mit der Olympia-Ruderin in einer Pressekonferenz geäußert. dpa-Korrespondent Claas Henning zeichnete das Gespräch auf.

Nadja Drygalla hat einen Antrag auf Aufnahme in die Sportförderung der Bundeswehr gestellt. Gibt es aus Ihrer Sicht Handlungsbedarf?
De Maizière: Ich freu mich zunächst über die Äußerungen, in der sie klar und unmissverständlich und in einer - wie ich finde - menschlich eindrucksvollen Weise sich offenbart hat, sich vom rechtsextremen Gedankengut distanziert hat. Als ich das gelesen habe, ging mir noch etwas anderes durch den Kopf. Ich würde das in einer Frage formulieren: Wo sind eigentlich Grenzen? Steht es uns als Öffentlichkeit eigentlich wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen, zu gucken, was da los ist? Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Wo ist da die Grenze? Ich glaube, die ist hier schon überschritten worden. Und wenn das ein Anlass ist dafür, behutsamer auch mit dem Privatleben und dem privaten Umfeld von Sportlerinnen und Sportlern und auch Politikern umzugehen, wäre das eine gute Mahnung. In der Sache selbst möchte ich teilen, was sie gesagt hat, dass erst einmal Ruhe in die Sache kommt. Dann kann man im Herbst weitersehen.


Ist aus Ihren Aussagen zu entnehmen, dass Sie die Entscheidung nicht teilen, die Sportlerin nach Hause zu schicken?
Nein, das ist eine Entscheidung, die muss im Sport getroffen werden und sollte von der Politik nicht kommentiert werden. Ich versetze mich nur mal in die Lage der Entscheidungsträger. Ich finde es absolut richtig - weil Sportlerinnen und Sportler Vorbilder sind -, dass auch eine Haltung zum extremen politischen Gedankengut nicht mit dem Sport vereinbar ist und erst recht nicht mit einer Position im öffentlichen Dienst. Aber wie weit geht das denn? Heißt das in der Phase nicht Sportsoldat, später ja, wenn eine Beziehung in die Brüche geht? Wer will das prüfen? Nach welchen Kriterien will man die Intensität der Beziehung prüfen? Ich stelle diese Fragen, um einmal deutlich zu machen, dass es auch Grenzen der Überprüfung auch für die Rolle von Sportlern gibt. Ich kenne den Hintergrund nicht. Ich kann ihn leider nur beurteilen aus der Presse. Ich war von der Erklärung, die sie (Drygalla) abgegeben hat, beeindruckt. Und ich finde, es muss eine Lehre sein, behutsamer mit dem Privatleben und all diesen Fragen umzugehen, als es in diesem Fall möglich war.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen