Mecklenburgische Seenplatte : DDR-Mauer als Ladenhüter

Betonteile der Berliner Mauer stehen auf dem Gelände des Agrarbetriebs in Wischershausen.
Betonteile der Berliner Mauer stehen auf dem Gelände des Agrarbetriebs in Wischershausen.

Eine Agrarfirma hatte 1990 Hunderte Betonelemente gekauft und später versucht, sie zu versteigern

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08. Februar 2018, 05:00 Uhr

Einst teilten die Betonblöcke Berlin und damit Deutschland. 28 Jahre nach dem Ende des „antifaschistischen Schutzwalls der DDR“ stehen im kleinen Wischershausen bei Wildberg (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) noch immer etliche der 3,6 Meter hohen und 2,8 Tonnen schweren Mauerteile herum. „Die wurden seit Jahren nicht mehr bewegt“, sagt ein Anwohner.

Herausragende Eisenstangen und abgeplatzte Farben zeugen vom langsamen Verfall der einst verhassten Betonplatten unter Frost, Sonne und Regen. Gerade wurde in Berlin der „Zirkeltag“ begangen: Die Mauer ist inzwischen so lange verschwunden, wie sie einst stand.

Die ehemalige LPG Pflanzenproduktion Breesen hatte nach dem Fall der Mauer 1990 gleich 600 „Winkelstützelemente Typ UL 12.41“ – wie die Grenzteile vom Todesstreifen offiziell hießen – nach Norden geholt. Kosten: 37 000 DDR-Mark als preiswertes Baumaterial beispielsweise für Futtersilos.

Später wurden dann einige zur Versteigerung angeboten. „Verkauf aus Demontage“, steht auf der von den DDR-Grenztruppen ausgestellten Quittung, die das Unternehmen in Auktionskatalogen abbilden ließ. „Geld verdienen kann man mit solchen Teilen aber nicht mehr“, sagt der langjährige Geschäftsführer der Deutschen Grundstücks-auktionen AG in Berlin, Hans Peter Plettner. Etwa 100 solcher Mauerteile hat sein Unternehmen versteigert, für den Bund, für Künstler und für die Agrarfirma. Wie viele davon für die LPG versteigert wurden, blieb offen.

„Es hat Käufer aus Italien, Frankreich, der Schweiz und den USA gegeben“, erinnert sich Plettner. „San Diego, San Francisco, Anchorage“, fallen ihm als Orte der neuen Besitzer ein. Anfangs gingen die versteigerten Teile aus dem Erbe der öffentlichen Hand für bis zu 12 000 Euro pro Stück weg, später maximal noch für 2000 Euro. „Das hat keinen Gewinn gebracht, aber enorme öffentliche Aufmerksamkeit“, sagt Plettner. Die Grenze um Westberlin war knapp 160 Kilometer lang. Für die 46 Kilometer Betonmauer waren 45 000 Betonelemente aufgestellt worden.

Der Standort des Agrarbetriebs in Wischershausen wurde auch mit Mauerteilen ausgebaut. Trotzdem stehen die alten, besprühten noch immer auf dem Betriebsgelände neben dem Dorf. Der 79 Jahre alte Geschäftsführer des Agrarbetriebes hatte anfangs noch stolz gezeigt, dass er sogar ein sehr seltenes Mauerteil mit Wachtür hat, inzwischen äußert er sich kaum noch dazu.

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