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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 22:23 Uhr

Dauerwerbung soll Pendler zurückholen

vom

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2012 | 06:15 Uhr

Valluhn/Gallin | "Am liebsten würde ich am Horner Kreisel in Hamburg ein großes Werbeschild für unsere Jobs aufstellen" , hatte Andreas Sadek, Managing-Director beim Stromzählerhersteller EMH in Gallin, seinen Besuchern von der IHK erzählt. "Wir suchen händeringend qualifizierte Leute und dort draußen fahren sie jeden Tag zu Tausenden vorbei", bedeutete er Hans Thon und Siegbert Eisenach von der Führung Industrie- und Handelskammer mit einem Blick auf die nahe Autobahn 24. Der Hinweis auf den am 21. September nahenden Pendleraktionstag, der im und um den Schweriner Hauptbahnhof stattfinden wird, konnte Sadek wenig überzeugen. "Wir brauchen etwas Dauerhaftes, etwas was jeden Tag wirkt, was die Meinung der Pendler beeinflusst."

Und nicht nur der EHM-Mangager kann sich für sein jetzt schon 300 Köpfe zählendes Unternehmen im Megapark dauerhafte Werbung an der Autobahn vorstellen. Die naheliegendste Variante, den Riesenmast im Megapark zu nutzen, ist nicht finanzierbar. Die kilometerweit sichtbaren Werbeflächen an der Turmspitze sind kostspielig, das kann sich kein Unternehmen leisten. Besser wäre da schon eine zumindest vom Land unterstützte Dauerwerbung. Wer bei Kilometer 57,754 auf der Autobahn die Landesgrenze erreicht, wird mit dem obligatorischen Wappen-Schild mit der Aufschrift "MV tut gut" begrüßt. Warum dahinter nicht noch ein Schild: "Hier gibt es auch gute, zukunftssichere Jobs, nächste Ausfahrt rechts?".

Ministerpräsident Erwin Sellering kann sich das oder ähnliches, z. B. Dauerwerbung an Autobahnbrücken, zumindest vorstellen. Das verriet er in dieser Woche im SVZ-Gespräch bei seinem Besuch im Galliner Zählerwerk. Über die konkreten Werbesprüche müssten sicherlich noch Profis nachdenken, grundsätzlich nähme er das als Anregung mit.

Allerdings warnte Sellering davor, sich in Sachen Jobwerbung zu klein zu machen. MV habe gerade im Westen des Landes viel erreicht. Und es sei auch wahr, dass man enorm von Hamburg als Metropolregion profitiere. "Die Bayern fahren von sonstwoher nach München, da ist es völlig normal. Wir haben eine Metropole, die nur nicht zum Land gehört. Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen und die liegen in kleinen Marktnischen, die von hochspezialisierten Unternehmen besetzt werden."

Unabhängig davon ist der Bedarf an Arbeitskräften im Megapark schon jetzt mehr als beachtlich. Die zahlreichen Logistiker suchen schon lange nach Lkw-Fahrern, gestern erst meldete die Hagenower Filiale der Bundesagentur für Arbeit 50 freie Stellen für Lageristen. Das Zentrallager für Edeka-Nord wird in den kommenden Jahren für 65 Millionen Euro umfassend modernisiert. Ein Hauptgrund: Schon jetzt sind Lageristen nur sehr schwer zu bekommen.

Edeka setzt daher auf Modernisierung, die Zahl der Arbeitsplätze wird in dem Bereich von 750 auf 500 sinken.

Unbesetzte Lehrstellen, Suche nach Fachkräften, alternde Belegschaften, immer größere Probleme, Leiharbeiter zu finden, die Probleme ähneln sich in fast allen Firmen des Megaparks. Dort redet man mit Zeit- und Leiharbeitern von fast 4000 Jobs, die es jetzt schon gibt. "Die Suche nach geeigneten Arbeitskräften ist für die Unternehmen hier schon jetzt das wichtigste Thema. Klar ist auch, dass wir mit den bisherigen Methoden nicht weiterkommen werden", erklärt Frank Müller, Betriebsleiter bei DS-Produkte und Sprecher der Interessengemeinschaft Megapark. Es habe, so Müller, schon konkrete Vorgespräche in Sachen Jobwerbung z. B. mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises gegeben. Jedes Unternehmen allein werde in der Sache nicht weiterkommen. Müller hat in seinem Betrieb durchaus gute Erfahrungen mit ungewöhnlichen Werbeaktionen gemacht. Nahezu alle Mitarbeiter, die er in letzter Zeit eingestellt hat, sind ehemalige Pendler, die irgendwann keine Lust mehr auf das ständige Hin und Her und das Leben auf der Autobahn hatten.

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