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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 10:26 Uhr

Wetter : Dauerregen setzt dem Nordosten zu

vom

Unfälle, umgestürzte Bäume und Überflutungen: Ergiebiger Regen hält Einsatzkräfte auch in MV auf Trab.

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 08:59 Uhr

Der Dauerregen im Nordosten ist nicht ohne Folgen geblieben. Vor allem umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller hielten die Einsatzkräfte in Atem.

Die Rettungsleitstelle des Landkreises Vorpommern-Greifswald zählte 15 Einsätze in der Nacht zum Mittwoch, unter anderem in Torgelow, Duchow und Anklam. In Friedrichshagen bei Greifswald stürzte am Dienstag ein Baum auf eine Stromleitung. Zudem fiel in Greifswald ein Baugerüst um und beschädigte vier Autos. Das Gerüst reichte bis zur sechsten Etage eines Mehrfamilienhauses. Vermutlich sei es wegen starker Windböen eingestürzt, so die Polizei. Der Schaden wird auf rund 76.000 Euro geschätzt. Menschen wurden nicht verletzt.

Campingplatz in MV überflutet

Auch in Nordwestmecklenburg kämpften die Einsatzkräfte mit umgefallenen Bäumen, herabfallenen Ästen und den ergiebigen Wassermassen. So waren Feuerwehrleute auf dem Campingplatz „Liebeslaube“ in Hohenkirchen im Einsatz. Regenwasser von den angrenzenden Feldern hatte die Anlage in der Wohlenberger Wiek überflutet.

Auf der A20 ist es aufgrund von Aquaplaning zu mehreren Unfällen gekommen. Polizeiangaben zufolge habe sich ein Frau mit ihrem Auto zwischen Altentreptow und Neubrandenburg überschlagen. Bereits zuvor sei ein Autofahrer zwischen Anklam und Altentreptow von der Fahrbahn gerutscht und habe sich ebenfalls überschlagen.

Auf der L 29 auf der Insel Rügen wurden zwei Urlauber bei einem schweren Unfall lebengefährlich verletzt. Wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte, sei das Auto bei Dauerregen vermutlich bei einem missglücktem Überholmanöver zwischen Gustow und Altefähr ins Schleudern geraten, von der Fahrbahn abgekommen und mit einem Baum kollidiert.

Ergiebiger Regen bis Donnerstag

Auch am Mittwoch muss mit weiteren witterungsbedingten Einsätzen gerechnet werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt insbesondere für den Osten des Landes extrem ergiebigen Dauerregen bis Donnerstagvormittag voraus. Bäche und Flüsse könnten deshalb über die Ufer treten. Außerdem könnten Straßen überflutet werden. Im Westen des Landes sollen die Niederschläge im Laufe des Mittwochs langsam abklingen.

 

Bäche treten über die Ufer, Sorge um Dämme in Niedersachsen

In Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschäftigten am Dienstag überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und über die Ufer getretene Bäche die Rettungskräfte. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mussten bis in die Nacht Straßen sperren, Gebäude leerpumpen und Sandsäcke einsetzen. Besonders stark betroffen war der Harz. Der bei Urlaubern beliebte Brocken war nicht mehr per Bahn erreichbar.

Zudem verschwand eine 69-Jährige in der Nähe des Flusses Holtemme. Die Frau wohne direkt an dem Fluss in Wernigerode (Sachsen-Anhalt), sagte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Frau am Dienstag in den stark angestiegenen Fluss gefallen ist. Die 69-Jährige wurde bis zum Mittwochvormittag noch nicht gefunden.

Auch mehrere Autounfälle wegen Aquaplaning wurden gemeldet.

In Hildesheim in Niedersachsen machen sich derweil Einsatzkräfte Sorgen um die Dämme. „Bisher halten unsere Dämme. Wir sind hier aber nach wie vor auf alles vorbereitet. Auch auf eine Evakuierung“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr der niedersächsischen Stadt am Mittwochmorgen. Sollte ein bedrohtes Wohngebiet geräumt werden, wären laut Stadt 1100 Menschen betroffen.

Der Fluß Innerste führt am 25. Juli durch Dauerregen Hochwasser im Zentrum von Hildesheim (Niedersachsen). Foto: Peter Steffen
Der Fluß Innerste führt am 25. Juli durch Dauerregen Hochwasser im Zentrum von Hildesheim (Niedersachsen). Foto: Peter Steffen
 

Die Feuerwehr in Hildesheim war in der Nacht mit rund 200 Kräften im Einsatz. „Wir verbauen Sandsäcke und prüfen, ob sie dem Druck stand halten“, sagte der Sprecher weiter. An einigen Stellen sickere Wasser durch die aufgeschichteten Säcke - jedoch ausschließlich an Grünflächen entlang der Innerste, einem Nebenfluss der Leine. „Die Innerste hat in der Nacht am Pegel Heinde einen Rekord erreicht“, sagte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch. Beim Hochwasser 2007 stand das Wasser bei 675 Zentimeter, in der Nacht zum Mittwoch erreichte es die Marke von 694 Zentimeter.

In Thüringen rückten die Rettungskräfte am Mittwochmorgen zu keinen größeren wetterbedingten Einsätzen aus. „Seit Mitternacht war hier im Grunde Ruhe“, sagte eine Sprecherin des Lagezentrums. Die Pegelstände steigen demnach nur langsam. In Göllingen im Kyffhäuserkreis verstärkte die Feuerwehr nach heftigen Regenfällen einen Damm an der Wipper.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind in knapp zwei Tagen in der Mitte Deutschlands - von Südniedersachsen über Teile Thürigens und Hessens bis nach Nordbayern - mehr als 100 Liter pro Quadratmeter gemessen worden. Wie der DWD am Mittwoch auf Facebook erläuterte, war bis zum Morgen der Spitzenreiter die Station Seesen am Harz mit 158 Litern. In MV ist in Rattey an der Mecklenburgischen Seenplatte mit 79,3 Liter pro Quadratmeter der meiste Regen gefallen, sagte Uwe Ulbrich vom privaten Wetterdienst Meteomedia am Mittwoch auf Hiddensee.

Wetterbesserung ist bereits in Sicht. Für den Westen Deutschlands soll der regen im Laufe des Mittwochs abklingen. Im Westen regente es  jedoch noch bis Donnerstagmorgen weiter.

Extra: Dauerregen in Deutschland - wer gewinnt, wer verliert?

Fische

Man könnte zum Beispiel glauben, Fische fühlten sich im Wasser wie - nun ja: ein Fisch im Wasser. Ein bisschen Regen schadet ihnen auch tatsächlich nicht. Das allerdings ändert sich, wenn Unwetter hereinbrechen. Der Starkregen kann Abwasserkanäle zum Überlaufen bringen. Dreckiges Wasser ergießt sich dann in die Seen und senkt dort den Sauerstoffgehalt massiv - manchmal so stark, dass die Fische am Wasser ersticken. Vereinfacht gesagt: Sie ertrinken.

Museen

Für den Menschen ist Regenzeit dagegen Museumszeit - das zeigt schon ein Blick auf die Touristenzahlen. „Von unseren zehn besucherstärksten Tagen hatten alle mit schlechtem Wetter zu tun“, sagt Katharina Schmidt-Narischkin vom Jüdischen Museum Berlin. An regnerischen Tagen besuchen demnach etwa 50 Prozent mehr Menschen die Ausstellungen als an sonnigen. Auch andere Museen bestätigen: Je regnerischer, desto größer die Zahl der Kulturinteressierten. Auch die Beschäftigungen Kinobesuch und Fernsehen sind bei Regen beliebt.

Störche

Auch Störche profitieren eigentlich vom Niederschlag: Je feuchter das Wetter, desto mehr Regenwürmer können sie mit dem Schnabel aufpicken.

Doch bei starkem Regen sammelt sich in ihren Nestern Wasser - und fließt oft nicht schnell genug ab. Für die Jungtiere kann das tödlich enden. „Störche sind besonders dann empfindlich, wenn sie drei, vier Wochen alt sind“, erklärt Kai-Michael Thomsen vom Naturschutzbund NABU. Der Nachwuchs sei schon zu groß, um von den Eltern gewärmt zu werden, und noch zu klein, um ein richtiges Gefieder zu haben. „Wenn es dann stark regnet, nässt ihr Daunenkleid durch. Die Jungvögel unterkühlen und gehen ein.“

Pilzsammler

Ockerfarbene Hüte auf grünem Grund: Wenn es stark geregnet hat, finden Pilzsammler den sogenannten Nelkenschwindling in großer Zahl auf Wiesen. Der Pilz mit dem milden Geschmack lebt vor allem nach feuchten Tagen wieder auf - wie viele andere Arten auch. „Was das Wetter angeht, sind Wärme und Regen das Beste für Pilze“, sagt Heidrun Wawrok, Pilzsachverständige aus Pirna in Sachsen. Ausgedehnte Trockenperioden bekommen ihnen eher nicht. Auch dem Karbol-Champignon geht es übrigens nach regnerischen Tagen besonders gut. Er ist zwar oft schön weiß - aber leider auch giftig.

Winzer

Auch die Winzer freuen sich nach der langen Trockenphase über den Regen. Die Wasservorräte im Boden waren laut Sonja Reinbold vom Verband Deutscher Prädikatsweingüter aufgebraucht. Das Wasser wurde also benötigt. Nur wenn das Wetter anhaltend nass bleibe, könnten Pilze die Trauben befallen. Wichtig sei, dass es ab Anfang August trocken bleibt: Dann nämlich beginnen die Trauben zu reifen.„Regen ist nie gut fürs EIS“, sagt Annalisa Carnio vom Eismacher-Verband Uniteis. Sie erläutert: Solange die Sonne scheint, wird Eis verkauft - egal, ob es kalt ist oder warm. Im Winter gebe es sogar eigene Wintersorten wie Zimt oder Bratapfel. „Aber bei Regen wollen die Leute lieber gemütlich ins Café und etwas Warmes trinken.“

 

 

 

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