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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 08:56 Uhr

Wetter : Dauerregen setzt dem Nordosten zu

vom

Überflutete Keller, abgebrochene Open Airs, gesperrte A14: Tief „Rasmund“ bringt ungewöhnlich viel Regen.

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 20:45 Uhr

Land unter in Norddeutschland. Binnen 24 Stunden ist örtlich knapp mehr als doppelt so viel Wasser vom Himmel gestürzt wie normalerweise im ganzen Juni. Das traf nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia zum Beispiel auf Marnitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim mit 125 Litern Regen je Quadratmeter zu. In Klink an der Müritz wurden 114 Liter gemessen, in Kargow-Schwarzenhof im Müritz-Nationalpark 96 Liter und in Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) 93 Liter je Quadratmeter.

Seen in MV randvoll

So viel Wasser bleibt nicht ohne Folgen. So bringt der anhaltende Dauerregen die Seen in Mecklenburg-Vorpommern an ihre Aufnahmegrenzen, hat aber bislang keine größeren Schäden angerichtet. Der Schweriner See, der Tollensesee sowie die Mecklenburger Oberseen wie Müritz, Kölpinsee, Fleesensee und Plauer See haben ihre oberen Stauziele fast erreicht, wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Freitag in Schwerin mitteilte. Sollte es weiter stark regnen, könnten lokale Probleme nicht ausgeschlossen werden.

An den Flüssen gebe es bislang keinen Grund zur Beunruhigung. Die Lage an der Elbe sei unkritisch, ein Hochwasser sei dort nicht zu erwarten. Die Pegel der übrigen Fließgewässer wiesen eine steigende Tendenz auf, kleine Bäche führten auch schon Hochwasser. „Aber in den größeren Gewässern wie Warnow, Recknitz, Trebel und Tollense werden zur Zeit mittlere Durchflüsse registriert“, so Backhaus. „Diese Gewässer dürfte erst Sonntag und Montag eine Hochwasserwelle durchlaufen.“ Die Hochwasserschutzanlagen des Landes mussten nach seinen Worten bisher nicht in Betrieb gehen. „Sie sind aber überall funktionsbereit“, betonte der Minister. Backhaus rechnet aufgrund der Vorhersagen von Meteorologen landesweit mit einer Verschärfung der Lage. Wachsamkeit sei geboten. Der Regen sollte noch bis in die Nacht zu Samstag anhalten, danach soll das Wetter wechselhaft bleiben.

 

Feuerwehren im Dauereinsatz

Das bedeutet insbesonder für Feuerwerhleute jede Menge Arbeit. Die Rettungsleitstelle für Westmecklenburg meldete 65 wetterbedingte Einsätze von Donnerstagmittag bis Freitagmittag. Bäume seien durch den Regen auf Straßen gestürzt und Wasser sei in Keller eingedrungen, sagte ein Sprecher.

Die Polizeipräsidien Rostock und Neubrandenburg meldeten keine größeren Zwischenfälle. Auf der A20 ereigneten sich in der Region Wismar zwei Aquaplaning-Unfälle. Beide Crashs gingen für die Insassen glimpflich aus - es blieb bei Blechschäden, wie die Polizei mitteilte. Aus den Regionen Hagenow und Güstrow sind keine markanten Schäden bekannt.

Der Parkplatz des Ludwigsluster Penny-Marktes stand teilweise unter Wasser.
Der Parkplatz des Ludwigsluster Penny-Marktes stand teilweise unter Wasser. Foto: mick
 

Land unter hieß es kurz nach 6 Uhr im Penny-Markt in Ludwigslust: Die Rampe zum Wareneingang stand infolge des starken Regens unter Wasser, das Lager drohte vollzulaufen. Zehn Einsatzkräfte der Feuerwehr Ludwigslust mussten das Areal leerpumpen, so Gemeindewehrführer Bodo Thees. Auch ein Teil des Parkplatzes neben dem Eingang stand unter Wasser. Einen umgestürzten Baum mussten Kameraden der Wöbbeliner Wehr auf der LO7 in Höhe der Mahn- und Gedenkstätte  von der Straße räumen.

<p>Feuerwehren der Region im Dauerstress. Volle Kellerräume in Mestlin, umgestürzte Bäume</p>

Feuerwehren der Region im Dauerstress. Volle Kellerräume in Mestlin, umgestürzte Bäume

Foto: Michael-Günther Bölsche
 

In Mestlin musste die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr gegen 23.20 Uhr ausrücken, um einen vollgelaufenen Keller leer zu pumpen. Doch das war ganricht so einfach. Mit zwei Pumpen wurde das Wasser aus dem Gebäude auf die nahe Wiese gepumpt, „doch vorne raus gepumpt und hinten lief es wieder rein“, erzählt der Wehrleiter Denis Schirmer. Zudem wurde ein Regenwasserkanalschacht und ein Schmutzwasserkanalschacht geöffnet. Während der Regenwasserkanal normal gefüllt war, war der Schmutzwasserkanal übervoll. „Hier haben wir zur Entlastung das Wasser raus gepumpt auf eine nahe Wiese“, so Schirmer. Nach rund drei Stunden war dieser Einsatz beendet. Gegen 5.40 Uhr rief die Sirene die Mestliner erneut zum EInsatz. Wieder war der gleiche Keller voll.

Das Abwassersystem der Stadt Schwerin hatte trotz Dauerregens nur wenige Probleme gemacht. „Nachdem es in der Nacht stark geregnet hatte ist schon morgens um 6 Uhr der Überlauf in das Krebsbachtal angesprungen“, sagte Britta Dumke von der Wasserversorgungs- und -abwasserentsorgungsgesellschaft (WAG). Dieser Überlauf sei aber genehmigt und für die Umwelt unproblematisch, weil das Abwasser sehr stark verdünnt sei.  Auch auf den Straßen lief es weitgehend reibungslos. „Uns wurden acht Gullys gemeldet, die verstopft waren“, so Dumke. Natürlich seien aber alle unterirdischen Speicher randvoll. „Unser Glück ist, dass sich die Regenmenge über einen relativ langen Zeitraum verteilt.“ Während beim Starkregen vor einigen Tagen 40.000 Kubikmeter Regenwasser abzuleiten waren und damit das Doppelte der „normalen“ Menge  abgeleitet werden musste, waren es bis Freitagmittag bereits 80.000 Kubikmeter. Keine Probleme hatte der Wasser- und Bodenverband, „Die automatischen Wehre haben sehr gut funktioniert“, so Geschäftsführer Mark Sierks.

Böschung abgerutscht - A14 gesperrt

Die A14 von Groß Warnow nach Karstädt wurde gestern Mittag wegen abrutschender Böschungen voll gesperrt.
Die A14 von Groß Warnow nach Karstädt wurde gestern Mittag wegen abrutschender Böschungen voll gesperrt. Foto: Christine Pantel

Aufgrund einer abgerutschten Böschung musste die Autobhan 14 zwischen Karstädt und Groß Warnow voll gesperrt werden. „Erst wenn der Regen aufhört, kann man sich die Schäden ansehen“, sagte Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg. Für den Betriebsdienst ist laut eines Kooperationsvertrages zwischen beiden Bundesländern die Autobahnmeisterei Fahrbinde aus Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Die Böschung muss wieder hergestellt und befestigt werden, vorher werde die Autobahn nicht wieder aufgemacht, so Mitschka

Open-Air-Veranstaltungen fallen ins Wasser - aber nicht alle

Der Starkregen hat in Mecklenburg-Vorpommern einige Open-Air-Veranstaltungen beeinträchtigt. In Wolgast musste am Donnerstagabend die Premiere der Schlossinselfestspiele abgebrochen werden. In Heringsdorf auf der Insel Usedom wurde die Aufführung im Chapeau Rouge unterbrochen. Bei der Aufführung des Stückes „In Sachen Adam & Eva“ in Wolgast hätten die Wassermassen durch den wolkenbruchartigen Regen Technik und Schauspieler gefährdet, begründete eine Sprecherin den Abbruch der Premiere. Karten könnten umgetauscht werden. Die Störtebeker-Festspiele auf der Insel Rügen fanden hingegen wie geplant statt. In Greifswald werden die Veranstaltungen der Eldenaer Jazz Evenings am Wochenende von der Klosterruine Eldena in die benachbarte Klosterscheune verlegt, wie eine Sprecherin sagte. Die Premiere der Schlossfestspiele in Schwerin am Freitagabend fand wie geplant statt.

Anhaltender Regen hat den Organisatoren des Münzfestes in Gadebusch einen Strich durch die Rechnung gemacht. So sind das für Freitagabend geplante Burgseekonzert und das anschließende Feuerwerk abgesagt worden. Beides soll am Sonnabend nachgeholt werden. Das teilte Matthias Maack vom Organisationsteam mit. Nach seinen Angaben beginnt das Burgseekonzert am Sonnabend um 21.30 Uhr und das Höhenfeuerwerk um 22.45 Uhr. „Die Entscheidung, beide Programmpunkte zu verschieben, haben wir zusammen mit dem Bürgermeister der Stadt Gadebusch getroffen.“, so Maack.

Auch die für Freitag geplante Port-Party für die Kreuzfahrtschiffe „Costa Favolosa“ und „Marina“ in Warnemünde wurde abgesagt.

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