Verspätungen : Dauerfrust am Bahnsteig

Wann kommt der Zug? Beim Thema Pünktlichkeit schnitten Züge der Deutschen Bahn auf den Strecken zwischen Rostock, Schwerin und Hamburg laut einer Studie 2016 am schlechtesten ab.
Wann kommt der Zug? Beim Thema Pünktlichkeit schnitten Züge der Deutschen Bahn auf den Strecken zwischen Rostock, Schwerin und Hamburg laut einer Studie 2016 am schlechtesten ab.

Berufspendler in Richtung Hamburg ärgern sich seit Monaten täglich über Verspätungen

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22. November 2017, 20:45 Uhr

Die Bahn hat ihr Versprechen sogar mit einem Ausrufezeichen garniert: „Wir wollen natürlich pünktlich sein!“ So steht es in dem Antwortschreiben des Konzerns an Jens Prötzig. Der Berufspendler aus Boizenburg hatte sich über die vielen Verspätungen auf der Strecke RE1 Rostock-Hamburg beschwert. Das war im Oktober. Doch die Bahn schafft es nach wie vor nicht, den Fahrplan einzuhalten. Die Berufspendler in Richtung Elbmetropole müssen weiterhin ständig gravierende Verspätungen und Zugausfälle ertragen, wie Prötzig beklagt.

Er steigt in Boizenburg zu, um nach Hamburg zur Arbeit zu fahren. Abfahrtszeit ist 6.52 Uhr - theoretisch. Die Ankunftszeit laut Fahrplan wäre 7.38 Uhr - theoretisch. In der Praxis klappt das so gut wie nie. In einer Liste hat Prötzig, der auch Mitglied im Fahrgastverband ProBahn ist, akribisch sämtliche Verspätungen notiert. 20 Minuten waren es am Dienstag, den Tag zuvor sogar 24 Minuten. Alleine für den November summieren sich die Verspätungen auf über drei Stunden.

Prötzigs Statistik zufolge gab es seit Oktober kaum einen Tag, an dem der RE4302 nicht bummelte. An manchen Tagen verspätete sich der Zug sogar um 45 Minuten. Vier Mal fiel er ganz aus. „Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wann der Zug mal pünktlich war“, schimpft der Pendler. Das Problem bestehe bereits seit August. Der Frust unter den Fahrgästen sei groß.

Um rechtzeitig bei der Arbeit zu sein oder wichtige Termine nicht zu verpassen, würden viele Leidensgenossen lieber gleich mit dem Auto fahren oder einen Zug eher nehmen. Der fährt allerdings schon um 5.40 Uhr.

„Wir verdallern jeden Tag Zeit, weil der Nahverkehr nicht funktioniert“, ärgert sich Jens Prötzig. Die täglichen Verspätungen sind für ihn das Ergebnis „von technischen und organisatorischen Fehlleistungen bei der Bahn.“ Aber so einfach ist das mit der Pünktlichkeit auch gar nicht. Jedenfalls aus Sicht der Deutschen Bahn. Der Bahnbetrieb ist nämlich sehr komplex, wie das Unternehmen in seinem Schreiben an Prötzig mitteilt. „Da ist Pünktlichkeit eine echte Herausforderung.“ Dass die Nerven der Pendler strapaziert wurden, habe an vielseitigen Störungen, unter anderem an einer Weiche und einem Signal, gelegen. Und dann gab es auch noch ein Unwetter und ein technisches Malheur. Das ist mehr als vier Wochen her. Der R4302 ist aber immer noch unpünktlich. Nun offenbar aufgrund von Bauarbeiten.

Wie die Deutsche Bahn mitteilt läuft der Verkehr zwischen Schwerin und Bad Kleinen derzeit nur über ein Gleis. Das führe zu Verspätungen, erläutert ein Sprecher.

ProBahn-Mitglied Jens Prötzig hofft nun auf die Hilfe von Energieminister Christian Pegel (SPD). Prötzig hat ihm einen Brief geschrieben, in dem er sich wünscht, dass der Minister das Funktionieren des Öffentlichen Personennahverkehrs, „insbesondere auf der Schiene, endlich zur Chefsache machen würde.“ Ein Hoffnungssignal sendet der Bahnsprecher: Um Verspätungen zu vermeiden, werde ab Dezember für fast alle Zügen der Strecke RE1 der Halt Schwerin-Mitte entfallen. Außer bei einigen wenigen Zügen in der Hauptverkehrszeit. Hoffentlich trifft es nicht den RE4302 um 6.52 Uhr.
 

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