zur Navigation springen

Japaner informieren sich über Atomausstieg : Das Wunder von Lubmin

vom

Gut zwei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima haben sich japanische Politiker und Atomkraftgegner in Lubmin über den Rückbau des Atommeilers und die Folgen des Strukturwandels informiert.

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2013 | 09:41 Uhr

Lubmin | Gut zwei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima haben sich japanische Politiker und Atomkraftgegner in Lubmin über den Rückbau des Atommeilers und die Folgen des Strukturwandels informiert. "Die Erfahrungen in Lubmin machen Mut", sagte der Abgeordnete des Stadtparlamentes von Kashiwazaki, Toshiyuki Iizuka, gestern nach Gesprächen mit Vertretern der Energiewerke Nord und der Gemeinde Lubmin.

Nahe der 90 000-Einwohner-Stadt auf der Insel Honshu steht Japans größtes Atomkraftwerk. Nach der Katastrophe von Fukushima wurde der Meiler wie auch Japans andere Atomkraftwerke vom Netz genommen. Geht es nach Iizuka, soll das so bleiben. Doch im Stadtparlament befürworten nur sieben der 53 Abgeordneten einen Atomausstieg. Mit den Informationen aus Lubmin wollen die Parlamentarier und die Vertreter des Citizens Nuclear Information Center in Tokio um Zustimmung in ihrer Heimat werben.

In Lubmin, ist der Atomausstieg seit 23 Jahren Realität. 1990 wurde das größte DDR-Kraftwerk nach Sicherheitsbedenken vom Netz genommen. Seitdem läuft der milliardenschwere Rückbau. "Der AKW-Rückbau hier an der Ostsee gilt in Japan als das Wunder von Lubmin. Wir wollen für Japan das Wunder von Kashiwazaki werden", zeigt sich Koyama zuversichtlich.

Lubmins Bürgermeister Axel Vogt (CDU) spricht von gestiegenen Einwohnerzahlen seit 1990, großer Nachfrage nach Bauland und 260 kleinen und mittelständischen Betrieben, die sich angesiedelt haben. Dennoch: Der Rückbau eines Atomkraftwerkes ist mit enormen Umbrüchen verbunden. "1989 arbeiteten in Lubmin 15 000 Menschen - 5000 im Atomkraftwerk, weitere 10 000 auf der Baustelle des noch nicht fertiggestellten Kraftwerks", erinnert sich der heutige EWN-Manager Jürgen Ramthun. Mit der Abschaltung kamen die Massenentlassungen. Zwischen 1991 und 1993 musste rund 3000 Mitarbeitern gekündigt werden. "Es war ein schmerzlicher Prozess, weil vor allem die jungen qualifizierten Mitarbeiter gehen mussten."

EWN-Manager Ramthun ist überzeugt, dass die sozialen Einschnitte vor allem deswegen abgefedert wurden, weil die Energiewerke den Rückbau mit der eigenen Mannschaft organisierten. 2000 Mitarbeiter konnten in Lubmin gehalten werden. Heute seien die EWN mit 870 Beschäftigten ein modernes und weltweit operierendes Stilllegungs- und Entsorgungskompetenzzentrum.

Das Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa ist mit 4000 Mitarbeitern - wie einst das deutsche Pendant - größter Arbeitgeber in der Region. Die Zukunft ihrer Gemeinde sehen die Abgeordneten ohne Atomkraftwerk, aber nicht ohne Industrie. "Es ist wichtig, dass wir Ersatz finden. Wir wollen Industrien ansiedeln - möglichst aus dem Bereich der erneuerbaren Energien", sagt Iizuka.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen