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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 14:18 Uhr

Das Wunder-Baby in der Leichenhalle

vom

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2013 | 07:53 Uhr

Toronto | Das Wunder geschah an einem bitterkalten Wintermorgen in einem Krankenhaus im Osten Kanadas. In der Leichenhalle des Humber River Hospitals in Toronto war gerade ein angeblich toter Säugling eingeliefert worden und zwei Polizisten sollten den leblosen Körper bewachen, bis der Gerichtsmediziner eintrifft.

Doch dann geschah das Unfassbare: Nach eineinhalb Stunden Warten bewegte sich unter dem Leichentuch auf einmal etwas. Die Beamten hoben das Tuch und tasteten den Puls des Babys ab. Zu ihrer Verblüffung spürten sie einen schwachen Herzschlag. Auch die eilig herbeigerufenen Notärzte stellten später zweifelsfrei fest: Das von ihnen wenige Stunden zuvor noch für tot erklärte Kind war wieder am Leben. Doch wie war das möglich?

Die schier unglaubliche Geschichte begann am letzten Sonntag um sechs Uhr morgens im Einwanderungsviertel "Jane & Finch" in Toronto. Über der Stadt tobte ein eisiger Wintersturm und die Temperaturen waren auf minus 17 Grad gefallen. Auf der Haut aber fühlte es sich wegen des starken Winds doppelt so kalt an.

Eine 20-jährige Bewohnerin des Viertels machte sich zu Fuß auf dem Weg ins Krankenhaus, weil sie sich unwohl fühlte. Unterwegs setzten bei der Schwangeren plötzlich die Wehen ein und die junge Frau musste ihr Baby in der Not auf einem vereisten Gehsteig auf die Welt bringen. Nach acht Minuten brachte ein Krankenwagen die beiden schließlich in die Klinik. Die Mutter kam mit dem Schrecken und ein paar kleineren Erfrierungen davon, bei dem Mädchen dagegen konnten die Ärzte angeblich keine Lebenszeichen mehr feststellen. Auch Wiederbelebungsversuche sollen erfolglos geblieben sein. Also erklärten die Ärzte das Mädchen für tot und gaben den Körper in die Obhut der beiden Polizisten, die ebenfalls zum Ort des Geschehens geeilt waren. "In Kanada verlangt das Gesetz, dass die Beamten bei einem Toten bleiben müssen, bis der Gerichtsmediziner eintrifft", erklärte eine Polizeisprecherin. Diese Vorschrift hat dem kleinen Mädchen das Leben gerettet.

"Das Neugeborene litt wahrscheinlich unter sehr schweren Unterkühlungen", erklärte nun der Intensivmediziner Jamie Hutchison. "Manche Erfrierungsopfer sind dann scheinbar tot, obwohl sie noch mit einem minimalem Kreislauf am Leben sind." Tatsächlich kann sich bei starken Unterkühlungen mit Atem- und Kreislaufstillstand der Stoffwechsel extrem verlangsamen. Die Betroffenen können scheintot wirken, ähnlich wie Tiere beim Winterschlaf, obwohl ihr Hirn tatsächlich noch funktioniert. Experten warnen daher, Erfrierungsopfer nicht zu früh aufzugeben. Die Mitarbeiter des Humber River Krankenhauses haben es im Alltagsstreß womöglich nicht so genau genommen.

In Kanada ist es nicht das erste Wunder-Baby, das aus der Kälte kam. Vor zwölf Jahren war in Edmonton ein Säugling bei minus 24 Grad nur mit einem T-Shirt und Windeln bekleidet nachts aus dem Wohnhaus gekrabbelt. Nach zwei Stunden war die Körpertemperatur auf 16 Grad gefallen und Mediziner hatten das Kind leblos vorgefunden. Erst im Krankenhaus war es überraschend wieder aufgewacht, ohne dass Schäden zurückgeblieben waren.

Auch dem "Wunder-Baby" geht es mittlerweile wieder besser. Das kleine Mädchen befindet sich laut Ärzten in einem befriedigenden Zustand und hat eine gute Chance auf Genesung.

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