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„Das Web 2.0 ist eine Chance für die Polizei"

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erstellt am 05.Jan.2012 | 06:24 Uhr

Hannover | Mehr als 84 000 "Fans" hat die Polizei Hannover bei Facebook. Seit März ist die Behörde bei der sozialen Plattform präsent. Mit dem Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, Stefan Wittke, sprach Christina Sticht.

Warum fahnden Sie überhaupt über Facebook?

Wittke: Der entscheidende Pluspunkt ist das Alter der Facebook-Nutzer. 70 Prozent unserer Facebook-Fans sind unter 35 Jahren. Die jungen Leute konsumieren eher zögerlich klassische Medien, sind aber intensiv im Web 2.0 unterwegs. Aktuell fahnden wir im Fall einer getöteten 20-jährigen Studentin. Die Phantomskizze eines Tatverdächtigen ist bei Facebook mehr als 170 000 Mal geteilt worden, Millionen Menschen haben sie gesehen. Die Facebook-Nutzer sind in ihrer Mehrzahl exakt in der für Kriminalitätsbekämpfung besonders relevanten Altersgruppe zwischen 17 und 30 Jahren - besonders, wenn es um Straßen- und Gewaltkriminalität geht. Auf diesem Wege lassen sich deshalb leichter Zeugen, Opfer und Täter finden.

Wie stellen Sie den Datenschutz sicher?

Wir haben eine sogenannte Fanpage wie der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin oder neuerdings auch das Bundeskriminalamt. Wenn jemand Fan werden will, muss er Facebook-Mitglied sein, er hat also die Nutzungsbedingungen akzeptiert. Schützenswerte Daten werden von uns nicht eingestellt. Wir posten auf Facebook ja nur Inhalte, die auch durch unsere Pressemitteilungen verbreitet werden und damit für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Wir formulieren die Texte lediglich etwas um.

Die Nutzer weisen wir ausdrücklich und bei jeder Meldung darauf hin, keine Zeugenhinweise über die öffentliche Kommentarfunktion zu geben - sondern über die stets angegebene Rufnummer der zuständigen Dienststelle. Das funktioniert auch gut. Das Team der Pressestelle pflegt die Seite und schaut in kurzen Abständen darauf.

Steht denn der ganze Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Erfolg. Es könnte ja auch sein, dass durch Facebook Arbeitskräfte gebunden werden, die anderswo sinnvoller eingesetzt wären?

Ich halte Facebook oder gegebenenfalls auch andere soziale Netzwerke für eine interessante, spannende Ergänzung im Bereich der polizeilichen Öffentlichkeitsfahndung. Das Web 2.0 ist eine Chance für die Polizei, auch für die Nachwuchsgewinnung oder für Präventionsthemen wie Alkoholmissbrauch. Wir hatten bisher acht Fahndungserfolge, unter anderem gab es per Facebook die entscheidenden Hinweise auf zwei vermisste Kinder. Auch ein Autodiebstahl und die Attacke auf einen Polizisten konnten aufgeklärt werden. In Vermissten-Fällen entscheidet die Polizei allein, bei Straftaten erlässt ein Richter den Beschluss über die Fahndung. Bevor die Fahndung bei Facebook gepostet wird, wird über den ohnehin vorhandenen richterlichen Beschluss hinaus zusätzlich noch einmal die Staatsanwaltschaft Hannover konsultiert.

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