zur Navigation springen

Kritik an Leif-Erik Holm : Das Versprechen von gestern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag will in den Bundestag und bei der Wahl gegen die Bundeskanzlerin antreten

von
erstellt am 17.Jan.2017 | 20:55 Uhr

Leif-Erik Holm hat sich für die Bundestagswahl in diesem Jahr viel vorgenommen. Der AfD-Landesvorsitzende will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Direktmandat im Wahlkreis 15, Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I, streitig machen. „Wir wollen Merkel aus Mecklenburg-Vorpommern vertreiben“, so der 46-Jährige. Heute gab er seine Entscheidung bekannt.

Da gibt es allerdings ein Problem mit der Glaubwürdigkeit: Seit dem Einzug in den Landtag im September hatte er als Fraktionsvorsitzender mehrfach erklärt, keine Ambitionen auf einen Posten in der Bundespolitik zu haben. „Die Bürger haben uns nicht hier 'reingewählt, damit wir nach einem Jahr wieder von der Fahne zu flüchten“, hatte er dem NDR aufs Band gesprochen. Das war im Dezember vergangenen Jahres.

Die Kandidatur ist aus Sicht der AfD taktisch und für Holm persönlich eine Verlockung. Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, sich politisch zu profilieren als in der direkten Auseinandersetzung mit der prominentesten Politikerin Deutschlands. Als krasser Außenseiter in einem CDU-dominierten Wahlkreis hat Leif-Erik Holm nichts zu verlieren und kann nur gewinnen. Merkel holte bei allen Bundestagswahlen seit 1990 souverän das Direktmandat im Wahlkreis mit Rügen, Stralsund und seit 2013 auch mit Greifswald. Bei der letzten Bundestagswahl kam sie auf 56,2 Prozent.

Trotzdem ist Holm nicht chancenlos gegen die übermächtige Kanzlerin. Menschen entscheiden sich im Kampf zwischen David und Goliath im Zweifelsfall gerne für den Außenseiter. Auch hatte der ehemalige Radiomoderator als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl mit Rhetorik, kumpeligem Charme und Leidenschaft gezeigt, dass er für seine Partei punkten kann. Die AfD zog mit 20,8 Prozent erstmals in den Landtag ein. Im eigenen Wahlkreis 28 Nordwestmecklenburg II verlor Holm allerdings den Kampf um ein Direktmandat mit 20,1 Prozent gegen Martina Tegtmeier, (SPD), die 34,4 Prozent holte.

Selbst bei einer Niederlage gegen die Kanzlerin ist ihm ein Mandat im Bundestag so gut wie sicher. Denn bekommt die AfD wie in aktuellen Prognosen zehn bis fünfzehn Prozent der Wählerstimmen, würden aus Mecklenburg-Vorpommern fünf Kandidaten über die Landesliste in den Bundestag einziehen. Holm sagte heute gegenüber unserer Redaktion, er will sich um Platz eins auf der Liste bewerben.

Kommentar des stellv. Chefredakteurs
Nur so dahin gesagt

Wie groß war der Jubel der AfD am Wahlabend des 4. September, als der Einzug in den Landtag sicher war. „Wir schreiben hier in Mecklenburg-Vorpommern Geschichte“, sagte ein selbstbewusster Leif-Erik Holm. Wie groß waren Holms Versprechen für die politische Arbeit im Nordosten vor der Wahl: „Man sieht an unserem Wahlprogramm, dass wir gewillt sind, konstruktiv zu arbeiten. Sollten wir stärkste Partei werden, wollen wir auch Verantwortung übernehmen.“ Wie groß waren die Versprechen an die Bürger nach der Wahl: „Wir werden konstruktiv im Landtag mitarbeiten, in welcher Konstellation auch immer.“

Die Bürger haben es gehört. Die Bürger haben es geglaubt, was manchem angeblich bei den etablierten Parteien so schwerfällt. Die Bürger haben Holm gewählt. Pustekuchen.

Ein Jahr nach der Wahl möchte sich der AfD-Fraktionschef im Landtag am liebsten aus dem Land verabschieden. Das würde man bei anderen Kandidaten schäbig nennen. Auch wenn es auch da schon vorgekommen ist. Aber was sagte Herr Holm schon vor der Wahl zu mancher Äußerung seiner Parteifreunde: „Man muss auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Mancher bei uns wähnt sich eben noch als privater Bürger, der auch mal etwas so dahin sagt.“ Ach so.

Max-Stefan Koslik

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen