Das unsichtbare Netz wird dichter

<strong>Schnelles Internet</strong>: Mobile Funkverbindungen machen es ebenso möglich wie Kabelanschlüsse. <fotos>dpa</fotos>
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Schnelles Internet: Mobile Funkverbindungen machen es ebenso möglich wie Kabelanschlüsse. dpa

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05. März 2013, 12:13 Uhr

Klein Kleckersdorf und Co. machen sich auf den Weg in die Zukunft. Konkret auf den Weg zum schnellen Internet. Zeitungsleser erfahren regelmäßig aus solchen und ähnlichen Meldungen, wo und für wen der Einstieg ins weltweite Datennetz künftig im Handumdrehen möglich ist. Gerade auf dem platten Land von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind das noch immer gute Nachrichten. Zähneknirschendes Warten auf den Surfausflug durchs Internet war hierzulande allzu lange Standard: der Computer trödelte und rödelte, bis er - gefühlt ein Kaffeekränzchen später - den Zugang ins unsichtbare Netz zustande gebracht hatte. Ein Ärgernis für Privatleute ebenso wie für Unternehmer. Da rum nicht zuletzt sogar ein Thema für die Bundeskanzlerin. Am Vorabend der Cebit 2009 gab sie die Marschrichtung aus: Bis 2014 sollten 75 Prozent der Haushalte einen Breitbandanschluss erhalten, der mindestens eine Übertragungsdichte von 50 Megabit pro Sekunde ermöglicht. In Megabit pro Sekunde messen Fachleute die Leistungskraft der Datenautobahn.

Fakt ist: Diese Leistungskraft ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, die Fahrbahn immer komfortabler geworden. Sie bietet Platz für mehr und mehr Computer, Laptops, Smartphones und immer neue Gründe zum Aufbruch in die virtuelle Welt, die neuesten präsentiert noch bis Sonnabend die Cebit in Hannover. Statt ständig die Megabits nachzuzählen, hat sich das Wort vom schnellen Internet eingebürgert. Immerhin 99,5 Prozent der Bundesbürger steht das schnelle Internet zur Verfügung, vier von fünf Privathaushalten und neun von zehn Unternehmen nutzen es bereits - wie der Branchenverband Bitkom im Jahr 2012 ermittelt hat. Deutschland liegt damit nach Einschätzung der Experten über dem westeuropäischen Durchschnitt: 78 von 100 Haushalten haben schnelles Internet. Nur die Schweden (86 von 100), Dänen (84), Briten und Holländer (je 83) sowie Finnen (81) stehen noch etwas besser dar.

Als besonders harte Nuss erwies sich der Aufbau in dünn besiedelten Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern. Gute Qualität für wenig Kunden rentabel zu machen - lautete die Herausforderung. Immerhin kann Bernd Holter von der Koordinierungsstelle Breitband in Schwerin heute einschätzen: Die Grundversorgung ist "nahezu überall" erreicht. Oder anders gesagt: Das ganze Land ist mit einem Netz überspannt. An den Knotenstellen liegen die Türen zum Internet. Die öffnen sich auf zweierlei Weise - über den stationären Kabelanschluss oder die mobile Funkverbindung. "Diese beiden Standards werden auf lange Sicht parallel Bestand haben", schätzt Bernd Holter ein. Jeder habe Vorteile: Übers Festnetz können besonders die großen Datenpakete verschickt werden. Die Funkverbindung kommt vor allem der wachsenden Zahl internetfähiger Smartphones entgegen. Mobilfunknetzbetreiber hatten sich - mehr oder weniger einsichtig - verpflichtet, zunächst das schnelle Internet auf dem Land auszubauen, ohne staatliche Unterstützung. Ende vergangenen Jahres erklärten sie das Ziel im Nordosten für erreicht. Nunmehr wollen sie die Qualität in den größeren Städten verbessern, damit zum Beispiel bei der Wiedergabe von Filmen keine Bilder wackeln oder Silben untergehen.

Mit öffentlicher Förderung von EU, Bund, Land und Kommunen wurde hingegen das Programm "Breitbandausbau im ländlichen Raum" vorangetrieben. Abrechnung ebenfalls Ende 2012. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) teilte seinerzeit mit: "Seit 2008 hat das Ministerium 289 Projekte zur Verbesserung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum mit mehr als 18 Millionen Euro unterstützt." Manch ein Kleckerdörfchen hat davon profitiert. Künftig geht es darum, das Netz zu verdichten und auszubessern. "Noch immer gibt es einzelne Ortslagen, wo Probleme bestehen", sagt Bernd Holter. Für diese Fälle gelte es, gemeinsame Lösungen zu finden. Also: "Bitte melden." Zudem müsse in Vorpommern, entlang der polnischen Grenze, eine größere Internetlücke geschlossen werden. Dafür sind Frequenzverhandlungen mit dem Nachbarland nötig.

Auch in Brandenburg klaffen noch Löcher im Internet-Netz. Erst gestern räumte Wirtschaftsminister Ralf Chris toffers (Linke) ein, dass 400 000 Privathaushalte unterversorgt seien und etlichen Unternehmen die Geschwindigkeit des Datenflusses nicht mehr ausreiche. Ab 2014 soll deshalb das Breitbandnetz im Süden des Landes verbessert und das im Norden bis 2015 geschlossen sein.

Der Weg in die Zukunft, der in Hannover dieser Tage so vielversprechend und leicht aussieht, kommt eben doch nicht ohne die Mühen der Ebene aus.

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