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Zugführer in MV : Das Trauma auf den Bahngleisen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lokführer erleben statistisch gesehen zwei Schienensuizide während ihrer Berufslaufbahn

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 20:50 Uhr

Ärzte, Polizisten, Rettungsdienste, Soldaten – das sind die Gruppen, an die man bei Berufen mit besonders hoher psychischer Belastung denkt. Weniger in den Sinn kommen einem Zugführer. Dabei erlebt jeder von ihnen etwa zwei Schienensuizide während seiner Berufslaufbahn. Die Deutsche Bahn AG (DB) bietet daher ein umfassendes Betreuungsprogramm zur Vermeidung posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) an.

Etwa 700 Menschen nehmen sich laut Statistischen Bundesamt jedes Jahr auf den Schienen in Deutschland das Leben. Zwölf waren es bei der letzten Erhebung 2015 in MV. Die DB geht davon aus, dass somit rein rechnerisch jeder ihrer 20  000 Lokführer alle 20 Jahre einen Schienensuizid miterleben muss. Oft leiden sie an den Folgen. „Aus Sicht des Lokführers geraten die Rolle des Täters und des Opfers durcheinander“, erklärt Christian Gravert, Leiter Gesundheitsmanagement der DB. „Die scheinbare Verdrehung des Täter-Opfer-Verhältnisses löst häufig Selbstvorwürfe und Schuldgefühle aus.“

Der Konzern stellt seinen Mitarbeitern daher ein Team von vielen in psychischer erster Hilfe geschulter Kollegen zur Seite. Dazu gehören derzeit 35 Psychologen sowie Betriebsärzte der ias-Gruppe, einem Dienstleister für Gesundheitsmanagement. Das Betreuungsprogramm selbst besteht aus den Modulen: Prävention, Maßnahmen in der Akutsituation, Maßnahmen in der Nachsorge und Unterstützung bei der Wiedereingliederung am Arbeitsplatz. Die gedankliche Auseinandersetzung mit den Folgen eines möglichen traumatischen Erlebnisses sei darüber hinaus sowohl Teil der Ausbildung als auch des Fortbildungsunterrichts.

Häufig zeige sich laut der DB, dass auch nicht unmittelbar von einem Schienensuizid betroffene Mitarbeiter einen erhöhten Beratungsbedarf haben. Das gilt zum Beispiel für das Personal im Bahnhofsbereich oder im Bordbistro. Ihnen stehe telefonisch ein Team von rund 60 Psychologen und Sozialarbeitern zur Verfügung.

Bei größeren Ereignissen, die auch Reisende betreffen, kümmert sich der Betreuungsdienst CareNet der DB noch am Ereignisort um Fahrgäste. Das Team umfasst bundesweit 1300 freiwillige Bahnmitarbeiter und Psychologen.

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