Innovation aus MV: Einweg-Plastikbierfass : Das Schweriner Bier zum Kugeln

Durch ein KeyKeg schaut Anlagenfahrer Michael Klünder beim Kunststoffverarbeiter Schoeller Arca Systems in Schwerin.  Foto: dpa
Durch ein KeyKeg schaut Anlagenfahrer Michael Klünder beim Kunststoffverarbeiter Schoeller Arca Systems in Schwerin. Foto: dpa

Vor vier Jahren kam die Innovation ins Rollen: Im Januar 2008 schob der Kunststoffverarbeiter Schoeller Arca Systems in seinem Mecklenburger Werk die Produktion eines patentierten Plastikbierfasses an.

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06. Juli 2012, 12:25 Uhr

Schwerin | Auf dem Gipfel der Wirtschaftskrise vor vier Jahren kam die Innovation ins Rollen: Im Januar 2008 schob der Kunststoffverarbeiter Schoeller Arca Systems (Zwolle/Niederlande) in seinem Mecklenburger Werk die Produktion eines patentierten Plastikbierfasses an. Von der kleinsten deutschen Landeshauptstadt aus erobert die superleichte Kunststoff-Kugel "KeyKeg" nun den Exportmarkt. Nach Amerika, Europa, Russland, China und Australien verkaufen große europäische Brauereien ihr Fassbier im günstigen Einweg-PET aus Schwerin, wie Betriebsleiter Carsten Malschofsky sagt.

Bei einer jährlichen Verdopplung der Produktion sollen dieses Jahr ungefähr 800 000 recycelbare Rundverpackungen für je 20 oder 30 Liter Gerstensaft vom Band rollen. Erfinder des Einwegfasses ist die niederländische Firma Lightweight Containers (Den Helder). Das Unternehmen plant eigenen Angaben zufolge künftig eine globale Produktion der Behälter nahe den großen Braustätten. Nach der Schweriner Produktionsstätte solle in diesem Jahr eine zweite "KeyKeg"-Anlage in Bayern errichtet werden, kündigt Malschofsky an.

In Entwicklung und Aufbau der ersten vollautomatischen Kugel-Produktionsstraße waren mehr als fünf Millionen Euro an Investitionen geflossen. Stündlich 200 Rohlinge werden in Schwerin zu stabilen Ballons mit nur einem halben Millimeter Wandstärke aufgeblasen. Ausgestattet sei so eine Hightech-Kugel mit aluminiumbeschichtetem Innenbeutel "bag-in-ball" und isolierendem Pappmantel. Alles in allem bringe sie nur gut ein Kilogramm auf die Waage und damit ein Zehntel des Gewichts eines Metallfasses, erklärt der Betriebsleiter.

Mit den Leichtgewichten ließen sich Lastwagen voll beladen und zudem Lagerplatz sparen. Qualitätsverluste beim Getränk gebe es nicht, denn nur mit Luftdruck werde das Gebraute aus der Kugel ins Glas gepresst, bestätigte ein Test an der Universität München 2008.

Nach dem Gebrauch auf herkömmlichen Zapfanlagen könne das Wegwerf-Fass einfach vor Ort recycelt werden, so die Entwickler. Der Rücktransport "von Luft" in Form leerer Fässer entfalle ebenso wie die Reinigung.

Brauereien würden beim Transport von "Bier im Ball" bis zu 50 Prozent ihrer Logistikkosten sparen, rechnet Malschofsky vor. Über mangelndes Kundeninteresse an den neuen Leichtverpackungen könne er sich daher nicht beschweren. Biergrößen wie Budweiser-Budvar, Karlsberg, Weihenstephan oder Erdinger versendeten ihr Exportbier zunehmend in druckbeständigen PET- statt herkömmlichen Stahl-Fässern.

Die Nachfrage nach den Bier-Ballons, deren Erfindung einst mitten in die Finanzkrise platzte, ginge inzwischen konsequent nach oben. "Der Markt explodiert", freut sich der Werksleiter. Auch Wein, Prosecco, Brause, Speiseöl und Sirup würden schon auf Kunststoff-Kugeln gezogen. Zwar werde das innovative "KeyKeg" das traditionelle Metallfass nie gänzlich vom Schanktresen verdrängen, meint Malschofsky. Doch für Übersee-Exporte setze sich das preisgünstige Einwegfass zunehmend durch.

So verzeichne der Schweriner Hersteller von Flaschenkästen und Klappboxen inzwischen wieder sprudelnde Umsätze. 2011 erzielte der 200 Beschäftigte zählende Betrieb rund 55 Millionen Euro, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gruppe Schoeller Arca Systems setzt eigenen Angaben zufolge pro Jahr mit insgesamt 1000 Mitarbeitern an die 470 Millionen Euro um.

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